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21.05.11 / Sorgenkind am Mittelmeer / Massenproteste und Preisexplosionen erschüttern Albanien

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 20-11 vom 21. Mai 2011

Sorgenkind am Mittelmeer
Massenproteste und Preisexplosionen erschüttern Albanien

Für Italiens Zigarettenmafia war es eine Katastrophe, die Politik bejubelte es als Wende zum Besseren: Der Sturz der kommunistisch-stalinistischen Diktatur von Enver Hodscha schien Albanien seit 1990 aus seiner politischen Isolation zu befreien und das Balkanland zu einem Partner des Westens und der Nato werden zu lassen, EU-Beitritt nicht ausgeschlossen.

  Für die Schmuggler war es das Aus in einem blühenden Geschäft, denn Albanien nahm beim US-Tabakkonzern Philipp Morris mehr Zigaretten ab, als sein Volk je hätte rauchen können. Italienische Schnellboote (in Belgien gekauft) brachten die heiße Ware dann über die Adria, wo sie in Großstädten wie Neapel durch ein gut organisiertes Netz von Straßenhändlern verteilt wurde, ein Millionengeschäft.

  Und die westlichen Politiker handelten sich einen Gesprächspartner ein, dessen Lage heute, 20 Jahre später, desolat ist. Daran änderten auch die Kommunalwahlen Anfang Mai – als Test für die Demokratie des armen Landes und Rück­kehr zur Normalität gefeiert – so gut wie nichts. Beobachter meldeten erneut Übergriffe und Einschüchterungsversuche. Beide Parteien reklamierten nach der Wahl vom 8. Mai den Sieg für sich, die Überprüfung wird noch lange Zeit in Anspruch nehmen. Nach politischer Gewalt mit vier Toten Anfang des Jahres, Hungerstreiks, Massenprotesten, einer ausufernden Korruption und Wahlfälschungen 2009 sollten die neuen Wahlen beweisen, dass sich Albanien langsam westlichen Standards annähert

Sowohl die USA als auch die Europäische Union investierten Millionen, um die Voraussetzungen für eine freie Wahl zu schaffen. 5000 Polizisten und 500 ausländische Beobachter überwachten den Ablauf. 3,2  Millionen Wähler (40 Prozent sunnitische Muslime) hatten die Parlamente und Bürgermeister von 65 Städten und 308 Gemeinden zu bestimmen. In Tirana trat der sozialistische Edi Rama an. Sein Widersacher ist Regierungschef Sali Berisha von den Konservativen. Seit den Parlamentswahlen 2009 werfen sie sich gegenseitig Manipulationen vor. Und seither geht es mit dem Land wirtschaftlich weiter bergab. Üppige Wahlgeschenke plünderten die Kassen, der Haushalt brach um ein Viertel ein, die Auszahlung von Gehältern und Renten musste mehrfach verschoben werden, die Lebensmittelpreise explodierten in nur zwei Monaten um ein Fünftel.

  Der albanische Schriftsteller Fatos Lubonja, eine moralische Autorität, beschreibt den Zustand so: „Das Land lebt in Wirklichkeit von den Überweisungen der Arbeitsemigranten, in den Hotels und Bars wird das Geld aus Drogenhandel und Prostitution gewaschen.“   Einen gewissen ökonomischen Lichtblick stellen Tiefbohrungen im Norden des Landes dar. Nach Angaben des Konzerns „Golden Touch“ sollen dort ergiebige Lagerstätten von Gold, Platin und Chromit-Mineralien existieren.                                                   Joachim Feyerabend 


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