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21.05.11 / Eine Feier rund um den Drahtesel / »Tag des (Fahr)Rads« in Königsberg sollte Image des vermeintlichen Arme-Leute-Verkehrsmittels verbessern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 20-11 vom 21. Mai 2011

Eine Feier rund um den Drahtesel
»Tag des (Fahr)Rads« in Königsberg sollte Image des vermeintlichen Arme-Leute-Verkehrsmittels verbessern

Radrennen gelten in Königsberg als Sensation. Überhaupt ist die Fortbewegung mit einem Fahrrad für die meisten Russen völlig exotisch. Während im Westen das Fahrrad ein beliebtes Verkehrsmittel als Alternative zum Auto ist, wird im Königsberger Gebiet das Rad erst allmählich als Transportmittel und Freizeitobjekt entdeckt.

Am 8. Mai hat der Königsberger Radsportverein erstmals einen „Tag des (Fahr)Rads“ organisiert. Der Vorsitzende des Vereins, Gennadij Michailow, begründete die Ausrichtung des Festes durch seine Organisation damit, dass der Königsberger Regierung auf diese Weise die Relevanz dieses Fortbewegungsmittels vor Augen geführt und auf das Fehlen von Radwegen in der Stadt aufmerksam gemacht werden solle.

Die Stadt unterstützte die Initiative. Während Gouverneur Nikolaj Zukanow im Rahmen der Feierlichkeiten zum Sieg über Deutschland am 9. Mai gemeinsam mit den Radsportlern einen Abstecher auf die polnische Seite der innerostpreußischen Grenze unternahm, beteiligte sich Bürgermeister Alexander Jaroschuk an der am „Tag des (Fahr)Rads“ durchgeführten Radwanderung. Als Route wurde die ruhige Kutusow-Straße (Körteallee) ausgewählt. Der ruhige Stadtteil in bevorzugter Lage war schon vor dem Zweiten Weltkrieg eine Prestigeadresse. Schon früh am Morgen wurde die Straße für den Autoverkehr gesperrt und die Teilnehmer versammelten sich bei einer speziell aufgestellten Bühne. Unter den Teilnehmern waren überwiegend Radsportler, aber auch einfache Radfans meist jugendlichen Alters nahmen teil.

Die Feier begann mit kurzen Ansprachen von Stadtvertretern, Geschäftsleuten, Sportlern und Kulturschaffenden. Die Teilnahme des Bürgermeisters hatte viele Neugierige angelockt. Als Sieger eines sogenannten Freundschaftsrennens ging Fußballstar Alexander Gwardis vom Klub „Baltika“ hervor. Nach den Profisportlern starteten Freizeitsportler verschiedener Sportvereine, die sich voll ins Zeug legten und die Bewunderung der Zuschauer auf sich zogen. Auch viele Kinder, vor allem kleine, versuchten sich mit Dreirädern auf der Strecke. Die Kleinkinder erfreuten sich besonderer Aufmerksamkeit, was nicht verwundert, da ihre Eltern und Verwandten ihnen zusahen. Künstler und Clowns rundeten den Festivalcharakter des Ganzen ab. Der Direktor des Königsberger Puppentheaters, Alexander Perebejnos, hatte die Leitung des Unterhaltungsteils übernommen.

Aus der benachbarten Republik Polen führten Radfahrer ihre Tandems vor. Im Rahmen der Feier fand auch ein Rennen mit dem Titel „Baltische Tour“ statt, das den Status eines offenen Wettbewerbs im Königsberger Gebiet hat. Die Sportler mussten dabei eine 2,6 Kilometer lange Rundstrecke im Stadtzentrum 20-mal abfahren.

Die Organisatoren bemühten sich, den Besuchern einen unvergesslichen Tag zu bereiten, was ihnen im Großen und Ganzen auch gelang. Doch statt der erwarteten mehreren tausend Besucher waren lediglich 500 gekommen, darunter überwiegend Eltern, Verwandte und Freunde der Radfahrer.

Zurzeit ist Radfahren in Königsberg noch nicht „in“. Jemand, der nicht mit dem Auto unterwegs ist, gilt als arm und erfolglos. Es gibt zwar viele Familien, in denen zumindest ein Fahrrad im Haushalt vorhanden ist, aber meist wird es nur in der Freizeit genutzt, außerhalb der Stadt. In Königsberg gibt es bislang nur einen einzigen Radweg, der um den Oberteich führt. Vielleicht geht die Rechnung der Radaktivisten auf und die Königsberger erkennen Radfahren als gesunde und umweltschonende Fortbewegungsart an.   Jurij Tschernyschew


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