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21.05.11 / Ein letztes Mal im Luisen-Theater / Die »Woche des zeitgenössischen deutschen Kinos« in Allenstein bot viel Neues

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 20-11 vom 21. Mai 2011

Ein letztes Mal im Luisen-Theater
Die »Woche des zeitgenössischen deutschen Kinos« in Allenstein bot viel Neues

Seit ein paar Jahren findet in einigen Städten der Republik Polen – außer in Elbing und Danzig auch in Allenstein – die „Woche des zeitgenössischen deutschen Kinos“ statt. Die Filmvorführungen werden gut angenommen, sowohl von den Filmliebhabern als auch von den an deutscher Kultur interessierten Germanisten. In diesem Jahr fand die Veranstaltung letztmalig in dem vor einem Jahrhundert gegründeten Luisen-Theater am Markt, dem heutigen „Awangarda“, statt. Bei dem Bau handelt es sich um eines der ältesten Kinogebäude auf dem Boden der heutigen Republik Polen.

Schon bald muss der bisherige Verwalter und Mieter, Konrad Lenkiewicz, dieses Lichtspielhaus an einen neuen Inhaber abtreten. Dies bedeutet wohl das Ende der allgemein als anspruchsvoll beurteilten Kulturaktivität dieser Einrichtung. Lenkiewicz, ein versierter Kenner der Filmgeschichte, stellte in den vergangenen Jahren nicht nur das unter seiner Obhut stehende Haus der Kinowoche zur Verfügung, sondern er gab gleichzeitig eine spannende Einleitung in die jeweilige Filmvorführung. Viele Allensteiner sind empört, dass eine nahezu 200000 Einwohner zählende Stadt bald nur noch ein einziges Multiplex-Kino hat, doch konnte dies die Entscheidung nicht mehr aufheben und das nahezu Kult gewordene „Awangarda“-Kino vor seiner Schließung retten.

Die diesjährige Filmreihe wurde, wie die neun früheren, von mehreren Trägern und Veranstaltern organisiert, vor allem aber vom Stuttgarter Institut für Auslandsbeziehungen und der deutschen Volksgruppe in der Republik Polen. Sie hat das Motto „Nachbarwelten“ und soll den 20. Jahrestag der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags über die nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen ehren. Deswegen wurden zwei herausragende Regisseure aus beiden Ländern, Volker Schlöndorff und Andrzej Wajda, gebeten, diese Initiative unter ihre Schirmherrschaft zu stellen.

Die feierliche Eröffnung der Filmvorführungen fand am 9. Mai statt. Danach standen Filme wie die deutsch-polnische Koproduktion „Wintertochter“ von Regisseur Johannes Schmidt auf dem Programm. Die Titel anderer Bildstreifen klingen ebenfalls vielversprechend: „Deutschland 09“, „Schröders wunderbare Welt“ und „Friendship!“ Letztere Produktion, in der auch die polnische Schauspielerin Alicja Bachleda-Curus spielte, zog 2010 mehr als anderthalb Millionen Besucher in die deutschen Kinos. Es ist zu hoffen, dass dieser erfolgreiche Spielfilm auch die nach Abwechslung dürstenden Zuschauer in Allenstein amüsieren wird. Unter den Regisseuren dieser Filme sind so bekannte Namen wie Fatih Akin, Wolfgang Becker und Romuald Karmakar.

Am zweiten Tag wurde ein Film über Irena Sendlerowa vorgeführt, eine Frau, die im Krieg mehrere jüdische Kinder aus dem Warschauer Getto rettete. Daran schloss sich eine Podiumsdiskussion an.

Die Judenverfolgung war auch am darauffolgenden Tag Thema. An jenem Mittwoch wurde nämlich der 1998 mit dem „Prix Europe“ in Berlin ausgezeichnete Dokumentarfilm von Dariusz Jabłonski über das Lodzer Getto gezeigt. Das Festival wurde vom Film „Renn, wenn Du kannst“ des jungen Regisseurs Dietrich Brüggemanns gekrönt.

Neben den Vorführungen im Kinosaal fehlte es nicht an Begleitveranstaltungen, die im Mendelsohn-Haus, auf dem Schloss, im Alten Rathaus und im frisch renovierten Otto-Naujack-Haus stattfanden. Nach den offiziellen Veranstaltungen gab es noch ein Konzert der jungen, aber bereits erfolgreichen Allensteiner Band „The Lollipops“. Diese Gruppe gilt als einer der führenden Exponenten der Musikszene im südlichen Ostpreußen.   Grzegorz Supady


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