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21.05.11 / In der Welt des Adels / Sonderausstellung mit »Schlossgeschichten« in Ratingen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 20-11 vom 21. Mai 2011

In der Welt des Adels
Sonderausstellung mit »Schlossgeschichten« in Ratingen

Das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen lädt zu einem Streifzug in eine vergangene, aber nicht vergessene Welt des Adels ein. Seit kurzem ist das Ratinger Museumsgebäude von wehenden Fahnen mit der Silhouette von Schloss Plawniowitz / Pławniowice im Kreis Gleiwitz umgeben und über dem Eingang prangt ein riesiges Plakat. Die Passanten werden so rein optisch auf die Sonderausstellung „Schlossgeschichten–Adel in Schlesien“ aufmerksam gemacht, die am

8. Mai feierlich eröffnet wurde. Erstmals ist in Deutschland eine komplexe Darstellung des schlesischen Adels in einer thematischen Ausstellung zu sehen, die als größtes Ereignis im Oberschlesischen Landesmuseum in diesem Jahr gilt. Zu der vom Bläserchor St. Hubertus Ratingen musikalisch umrahmten Vernissage waren zahlreiche Besucher von nah und fern gekommen. Zu den Ehrengästen gehörten Peter Beyer, Bundestagsabgeordneter, Marciej Klusz, Direktor des Museums Schloss Pless (Pszczyna), Nikolaus von Ballestrem, Berlin, Hans Ulrich Graf von Schaffgotsch und Sohn Alexander, Frankfurt, sowie die Familie von Bila, S.K.H. Ferdinand Herzog von Württemberg, Friedrichshafen, Ihre Hoheit Fürstin Sophie von Hatzfeldt, Köln, und Sebastian Graf von Hatzfeldt, Offenbach. Die Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, Angelica Schwall-Düren, sprach ein Grußwort.

Wer die Ausstellung besucht, erlebt eine Zeitreise in eine prunkvolle Welt des schlesischen Adels, die durch den Ersten Weltkrieg gravierende Einschnitte erlebte und nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Der Bereich „Adel heute“ stellt über Videointerviews mit Angehörigen des schlesischen Adels Bezüge zur Gegenwart her. Beeindruckend ist die Vielfalt der Exponate und Objekte, die vor allem an die prunkvolle Zeit der schlesischen Adelslandschaften erinnern. Aus den Beständen des Erzbischöflichen Diözesanmuseums Kattowitz kommt das reich verzierte Frührokoko-Ziborium in Form der Bundeslade, das im Jahre 1762 vermutlich in Süddeutschland geschaffen wurde. Stellvertretend für die zahlreichen Grußbotschaften, die Herzog Viktor I. anlässlich des im Herbst 1890 gefeierten 50. Jubiläums der Erhebung des Herzogtums Ratibor durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erhielt, ist eine prunkvoll gestaltete Gratulation aus den Beständen der Fürstlichen Bibliothek Corvey in vergrößerter Reproduktion zu sehen.

Bei einem Rundgang durch die Museumsräume wird schnell deutlich, dass die Schlösser und Gutshöfe als Mittelpunkt des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, kulturellen und geselligen Lebens galten.

Da viele Adlige in Porträts und in der Literatur verewigt wurden, sind zahlreiche Malereien, Graphiken und Bücher ausgestellt. Ein weiterer Ausstellungsschwerpunkt ist der Viehzucht und dem Ackerbau gewidmet – Bereiche, die das Leben vieler Schlossbewohner und ihrer Bediensteten weitgehend prägten. Andere Adelsgeschlechter hingegen gelangten über familieneigene Hütten und Stahlwerke zu großem Reichtum. Dokumente belegen, dass Namen wie Ballestrem, Collonna, Henckel-Donnersmarck, Larisch-Mönnich, Schaffgotsch oder Tiele-Winckler mit der Entwicklung der Industriereviere in den preußischen und österreichischen Teilen Oberschlesiens eng verbunden waren. In den Familien der Fürsten von Lichtenstein, von Lichnowsky, von Pless oder bei den Herzögen von Ratibor wiederum überwogen traditionelle Aufgaben im Dienste der Landesherren.

Neben privaten Leihgebern beteiligen sich auch deutsche, polnische und tschechische Kulturinstitutionen sowie Partner des Oberschlesischen Landesmuseums mit mehreren herausragenden Exponaten an der Adelsschau. Das Schlossmuseum Pless hat unter anderem Ausstellungsstücke zur Veranschaulichung der Jagdtradition zur Verfügung gestellt. Aus dem oberschlesischen Pless stammt das eindrucksvolle Präparat eines Wisentbullen. Hans Heinrich XI. von Pless – bekannt als Obersthofjäger des Deutschen Kaisers – organisierte in seinen Wäldern groß angelegte Jagden. Ein Reiterporträt des Fürsten, das der Berliner Maler Carl Steffeck (von 1880 bis 1890 Direktor der Königsberger Kunstakademie) im Jahre 1859 in Öl auf Leinwand gemalt hat, erinnert an diese Zeit.

In Pless, heute Pszczyna, steht übrigens gegenwärtig das einzige Schloss in den polnischen Teilen Schlesiens, das als Museum mit originaler Ausstattung besichtigt werden kann. Weitere Gemälde, Epitaphien und Waffen sind Leihgaben der Museen aus Gleiwitz  (Gliwice) und Neisse (Nysa). Letzteres hat ein böhmisch beschriftetes Epitaph zur Verfügung gestellt, das in einer schlesischen Werkstatt im 17. Jahrhundert gestaltet wurde.

Die inszenierte Adel-Ausstellung im Oberschlesischen Landesmuseum von Ratingen-Hösel ist bis zum 8. Januar 2012 geöffnet. Dieter Göllner


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