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28.05.11 / »Feind der Weisheit« / Jean Henri Samuel Formey wurde von Friedrich dem Großen erst gefördert und dann ausgebremst

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-11 vom 28. Mai 2011

»Feind der Weisheit«
Jean Henri Samuel Formey wurde von Friedrich dem Großen erst gefördert und dann ausgebremst

Jean Henri Samuel Formey gehörte bereits zur dritten Generation der in Berlin ansässigen Réfugés. Der Prediger im Brandenburgischen kam 1737 als Lehrer an das französische Gymnasium in Berlin und wurde dort zwei Jahre später Professor. In eben jenem Jahr lernte der damalige preußische Kronprinz Fried­rich auf Vermittlung seines Freundes Charles Etienne Jordan Formey während einer von dessen Vorlesungen vor dem „Collège fran­çaise“ in Berlin kennen. Gleich nach seinem Regierungsantritt vom 31. Mai 1740 bestimmte Friedrich der Große Formey zum Re­dakteur des von ihm selbst projektierten „Journal de Berlin“, dessen erste Ausgabe am 2. Juli 1740 erschien. Als die Akademie der Wissenschaften neu gegründet wurde, zog Charles Etienne Jordan, der seit 1740 die Aufsicht über die Universitäten, die Akademien und die Gymnasien führte, Formey als Historiographen heran. Anfang 1748 ernannte ihn der erste Präsident der Akademie, Pierre-Louis Moreau de Maupertuis, zum „secrétaire perpétuelle“.

Formey war umfassend gebildet und verfügte über ein außerordentliches Gedächtnis, verbunden mit einer erstaunlichen Arbeitskraft. Nach seinem Tode sollen über 600 Titel und 40000 Briefe an 1800 Korrespondenten gezählt worden sein. Neben der Arbeit für die Akademie war er auch journalistisch tätig und verfasste zahlreiche Artikel für das „Journal encyclopédique“. In seinem umfangreichen Schrifttum, in dem er auch Modeströmungen, wie die Darstellung wesentlicher Erkenntnisse der Wissenschaften für Damen, aufnahm, vertrat er den Ansatz des Philosophen Christian Wolff, den der junge König gleich nach seiner Thronbesteigung nach Brandenburg zurückgerufen hatte.

Formey kam dann in seinen Beiträgen für die Encyclopädie in weltanschaulichen Gegensatz zu deren antireligiösen Konzeption – eine Position, die ihn in ihrer Verbindung von Wissenschaft und Glauben unweigerlich auch in Konfrontation zu Friedrich dem Großen brachte. Daher war das Verhältnis des Königs zu Formey nicht unkompliziert. Seine religiös determinierte Lebensphilosophie kollidierte auch mit den aufklärerischen Bestrebungen der Akademie, der Formey aber uneingeschränkt diente.

Im Jahre 1751 lud Friedrich den Sekretär seiner Akademie zweimal zu sich ein, aber dieser drück­te sich beide Male mit Ausflüchten. 1760 wurde der Name Formeys mit einem antifriderizianischen Pamphlet unter dem Titel „Antisanssouci“ in Verbindung gebracht. Der König konnte sich mitten im Siebenjährigen Krieg aber nicht weiter um die Angelegenheit kümmern. Formey erregte allerdings den Unmut des Monarchen, als er nach dem Siebenjährigen Krieg in zwei öffentlichen Festsitzungen der Akademie in den Jahren 1769 und 1771 die antireligiöse Ausrichtung der Akademie beklagte und eine Rückkehr zu der Leibniz’schen Konzeption anmahnte sowie seine Ausführungen auch noch in den Abhandlungen der Akademie in den Jahren 1769 und 1771 erscheinen ließ. Friedrich der Große machte daraufhin in einer Epistel, die er einem Brief an Jean-Baptiste le Rond d’Alembert  vom 27. April 1773 beilegte, abträgliche Bemerkungen über Formey, den er unter anderem als „Feind der Weisheit“ apostrophierte.

Die erste Begegnung Formeys mit dem König fand denn auch erst nach 30 Jahren Sekretärs-Tätigkeit statt: Im Jahre 1780 bat der König die wichtigen Repräsentanten seiner Akademie zu sich – diesmal konnte sich Formey der Einladung nicht entziehen. Über das Treffen gibt es keinen Bericht des Landesherren. Fest steht, dass Friedrich entgegen einem entsprechenden Vorschlag der Mitglieder Formey nicht zum Direktor der philosophischen Klasse der Akademie ernannte, als der bisherige Amts­inhaber Johann Georg Sulzer am 25. Februar 1779 verstarb. Dieses Amt erhielt er erst neun Jahre später nach dem Tode Friedrichs von dessen weniger aufklärerisch und stärker religiös geprägten Nachfolger Fried­rich Wilhelm II. Mit der Berufung in das neue Amt im Jahre 1788 ging die Ernennung zum Geheimen Rat einher. Weitere neun Jahre später, am 8. März 1797, starb Jean Henri Samuel Formey in Berlin.         Jürgen Ziechmann


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