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28.05.11 / Steinerner Gast aus dem Weltall / Meteorit schlug in Masuren ein – Ausstellung in Breslau oder Allenstein geplant

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-11 vom 28. Mai 2011

Steinerner Gast aus dem Weltall
Meteorit schlug in Masuren ein – Ausstellung in Breslau oder Allenstein geplant

Ein Meteorit ist in das kleine masurische Dorf Soltmahnen bei Lötzen eingeschlagen. Er flog beinahe senkrecht und durchschlug das Dach eines Gebäudes einer der dortigen Bauerngehöfte. Für dieses Jahr handelt es sich um eine weltweite Premiere. Nach einer ersten Begutachtung stellte der Professor Tadeusz Przylibski von der Technischen Hochschule in Breslau fest, dass es sich um ein gemeines Chondrit-Gestein handelt.

Der Meteorit stürzte mit großer Wucht auf eine Betonstufe des Wirtschaftsgebäudes auf dem Hof der Familie Lewandowski. Die Folge der unweichen Landung war, dass er zumindest teilweise zerbrach. Zum Glück für die Wissenschaft traf er vorher auf die Eternitbedachung, wodurch er abgebremst wurde. Sonst wäre er in mehrere Bruchstücke und Splitter auseinander gefallen und hätte dadurch seinen einmaligen Wert verloren.

Die rechtliche Besitzerin des Meteoriten, Alfreda Lewandowska, beschreibt den entscheidenden Moment des Einschlags folgendermaßen: „Ich machte das Fenster auf, um die Küche nicht mit dem Zigarettenrauch zu verqualmen. Da vernahm ich ein Pfeifen, dann ein Getöse, als ob gerade eine Bombe gefallen wäre, dann ließ sich ein langes Krachen hören. Mein Sohn war im Badezimmer und konnte es ebenfalls vernehmen. Beide liefen wir hinaus und stellten ein klaffendes Loch fest. Wir schauten in den Himmel, da über uns hin und wieder Flugzeuge vorbeiziehen, und dachten dabei, vielleicht warf eines etwas hinunter. Doch es gab keine Maschinen, der Himmel war wolkenlos und die Sonne schien noch nicht so stark“. Nach einem Austausch mit ihrer Tochter wurde Lewandowska klar, dass sie in Besitz eines seltenen, steinernen Gastes aus dem Weltall gelangt war. Aus diesem Grunde benachrichtigte sie dann einen Journalisten der örtlichen Zeitung, der „Gazeta Gizycka“. Daraufhin wurden auch die zuständigen wissenschaftlichen Einrichtungen und die Sternwarten in Allenstein und in Frauenburg kontaktiert. Deren begeisterten Mitarbeiter fingen an, dafür zu werben, dass dieser Fund in der Woiwodschaft Ermland-Masuren als Schaustück bleibt und schnellstens naturwissenschaftlichen Untersuchungen unterzogen wird. Gemäß polnischem Recht kann die jetzige Inhaberin über den Meteorit frei verfügen. Sie kann ihn zum Beispiel sehr günstig an einen der vielen privaten Anbieter, die sich schon jetzt in großer Zahl melden, veräußern. Zurzeit wird sogar um dessen potenziellen Verkaufspreis gefeilscht, und so erinnert der Stein ein bisschen an den Goldklumpen aus dem bekannten Märchen der Brüder Grimm „Hans im Glück“. Der Markt der Meteoriten gleicht dem Handel mit Kunstwerken. Vor diesem Hintergrund appellieren sowohl die Astronomen aus Frauenburg und Allenstein als auch die Vertreter der Polnischen Meteoritengesellschaft, dass der Fund aus Soltmahnen nicht ins Ausland beziehungsweise eine andere Region verkauft wird. Trotz des von Tag zu Tag wachsenden Interesses am Meteoriten beteuert Lewandowska, der Stein werde entweder in einem Breslauer oder in einem Allensteiner Museum ausgestellt. Ein kleines Bruchstück wolle sie aber in eine Wand ihres Hauses einmauern, damit auch die Einheimischen ihn künftig an seinem Fundort bewundern können. Denn sie empfindet die unerwartete Schenkung nahezu als eine Himmelsgabe und eine Botschaft ihres vor einem Jahr verstorbenen Mannes und ihres ein Jahr zuvor verschiedenen Vaters. Grzegorz Supady


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