19.01.2022

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Suchen und finden
28.05.11 / Die ostpreußische Familie / Leser helfen Lesern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-11 vom 28. Mai 2011

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied,           
liebe Familienfreunde,

„Auf Wiedersehen!“ haben wir vor drei Jahren in Berlin gesagt, und nun ist es da, das große Deutschlandtreffen in Erfurt. Und es wird wieder ein Suchen und Finden geben, alte Verbindungen werden gefestigt, neue geknüpft. Und auch Enttäuschungen müssen verkraftet werden, wenn das erhoffte Wiedersehen nicht zustande kommt, weil die erwarteten Partner nicht teilnehmen können, die Zeit verlangt eben ihren Tribut. Aber es wird neue oft überraschende Begegnungen geben, dafür ist unser Ostpreußentreffen immer gut, denn nichts verbindet so stark wie die gemeinsame Liebe und Treue zur Heimat, die auch in unserer Sprache ihren Ausdruck findet. Mal so richtig plachandern zu können, das ist nach alter ostpreußischer Weisheit „Ölke oppet Seelke“. Und das pflegen wir ja in jeder Folge unserer „Ostpreußischen Familie“ zu tun, die Woche für Woche für alle Fragen und Wünsche bereit steht, die sonst keine Plattform finden. Was einmal vor über 40 Jahren als kleine Spalte im Ostpreußenblatt begann, hat sich zu einer fast ganzseitigen Kolumne entwickelt, die Neuleser durch ihre Vielfalt überraschen wird. Wir können hier nicht die ganze Palette der Fragen und Wünsche, der kleinen und großen Erfolge auffächern, die unsere Ostpreußische Familie zu einem weit bekannten und anerkannten Forum machen. Aber wir wollen in unserer heutigen Kolumne einen Einblick in diese, von unseren Leserinnen und Lesern mitgetragene Arbeit geben, die trotz oder gerade wegen der fortgeschrittenen Zeit immer stärker an Bedeutung gewinnt, weil sie die Vergangenheit transparent macht.

Es ist vor allem die Familienforschung, die immer mehr an Stellenwert gewinnt und dies bei allen Generationen. Die Älteren, die noch in der Heimat einen Teil ihrer Kindheit und Jugend verbracht haben, wollen ihre Erinnerungen für die Nachwelt bewahren. Die Jüngeren suchen, unbehindert von Erlebnissen und Emotionen, die Wurzeln ihrer Familie. Über die manchmal Eltern und Großeltern geschwiegen haben, weil sie nicht darüber sprechen wollten oder konnten. Das ist für die Spurensuche erschwerend, weil es manchmal kaum verwertbare Dokumente und andere brauchbare Unterlagen gibt. Hinzu kommen die Schwierigkeiten durch die vielfache Änderung der Orts- und Familiennamen im vergangenen Jahrhundert. Hier versucht die Ostpreußische Familie zu helfen – obgleich wir über keine vollständige Namenskartei der ostpreußischen Bevölkerung verfügen, wie manche Anfragenden glauben – durch Prüfung der Angaben, wobei manche schon nach der ersten Durchsicht direkt berichtigt werden, ehe sie durch Veröffentlichung in unserer Kolumne die Leserschaft erreichen. Aus der dann manchmal überraschende Hinweise oder sogar konkrete Angaben kommen, die bis zum Auffinden von Verwandten führen können.

In diesem Sektor ist unsere heutige Suchfrage einzuordnen, die Frau Christel Thielker aus Bochum stellt. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit der Erforschung ihrer ostpreußischen Vorfahren und ist da schon gut vorangekommen. Es gibt aber doch Lücken, und die finden sich in der Linie Joswig (Johswig) aus Sokollken, Kreis Treuburg. Ihr Großvater Gustav Michael Joswig, *1874 in Sokollken, war der Sohn von Johann Johswig, Losmann in Sokollken. Bei Namen und Herkunft von dessen Ehefrau driften die Urkunden auseinander, in einer wird der Name seiner Ehefrau mit Marie geborene Grell angegeben, in einer anderen mit Wilhelmine geborene Gröll, Tochter des Wirtssohnes Friedrich Groell und Caroline Zakowski aus Mlinicken. Die Eltern von Johann Johswig, *1829, waren der Wirt Friedrich Johswich und Catharina geborene Prysas aus Barannen. Hier gibt es Unklarheiten, die aber nicht den eigentlichen Kern der Suchfrage von Frau Thielker betreffen: Es handelt sich um eventuelle Geschwister ihres Großvaters, nach denen sie forscht. Eine Schwester soll mit einem „Recklies“ verheiratet gewesen sein. Nun bekam Frau Thielker durch Zufall einen Zeitungsausschnitt von 1941 mit einer Anzeige in die Hand, in der Irene Recklies geborene Herr und Horst-Werner Recklies, Spielleiter am Reichssender Königsberg, die Geburt ihrer Tochter Monika-Irene verkünden. Auf der Suche im Internet fand sie diesen Namen in einem Bericht über ein 2001 von mir geleitetes Seminar über den Reichssender Königsberg im Ostheim in Bad Pyrmont, an dem Irene Recklies als Referentin teilgenommen hatte. Frau Thielker bat um Verbindung zu Frau Recklies oder ihrer Tochter Irene, aber ich musste leider erfahren, dass Irene vor einigen Jahren verstorben ist. Ihre Tochter konnte zwar bestätigen, dass ihre Großmutter eine geborene Joswig war, aber nicht, dass es sich um die Schwester von Frau Thielkers Großvater handelte. So bleibt die Frage nach den Geschwistern von Gustav Michael Joswig offen und findet vielleicht in unserem Leserkreis Resonanz, dem wir nun die Frage vorlegen: Wer ist mit der Familie Joswig aus Sokollken, Kreis Treuburg, (später Halldorf) verwandt oder kann über diese Linie etwas aussagen? (Christel Thielker, An der Holtbrügge 20 in 44795 Bochum, Telefon 0234/861760.)

Widersprüchlich waren die Angaben, die Hermann Spannekrebs im Jahr 1948 gegenüber dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) machte, als er seine Frau Elisabeth suchte. Vielleicht lag es daran, dass ihr Schicksal und das ihrer Kinder bis heute nicht geklärt werden konnten. Nun ist seine Enkelin Anke Zschiesche aus Berlin auf der Suche nach den vermissten Angehörigen. Dazu gehören die Kinder ihrer Stiefgroßmutter Elisabeth Spannekrebs geborene Perkuhn, *25. November 1903 in Klein Schrankheim. Es handelt sich um die Schwestern Gertrud, *28. März 1930, Edith, *8. März 1931, Anneliese, *20. Februar 1933, und Hildegard Spannekrebs *20. Dezember 1934 in Schakenhof, Kreis Gerdauen. Niemand weiß, wo sie geblieben sind, ob sie flüchteten, ob sie in der Heimat verblieben, ob sie dort starben oder verschleppt wurden. Auch die Enkelin des ehemaligen Besitzers des Gutes Schakenhof konnte keine Auskunft geben. Erinnert sich jemand an die bei Kriegs­ende 41-jährige Frau, war mit ihr und ihren Kindern irgendwo zusammen? Der selten vorkommende Name hilft vielleicht weiter. (Anke Zschiesche, Marienstraße 15 in 12459 Berlin, Telefon 030/74768246.)

Der Mädchenname der Frau Spannekrebs wird unseren Landsmann Knut Walter Perkuhn alarmiert haben, forscht er doch unentwegt nach Angehörigen dieser weit verzweigten altpreußischen Sippe. In einem Fall kommt er trotz jahrelangen Bemühens einfach nicht weiter. Es handelt sich um die Familie Perkuhn aus Skuldeinen bei Kuckerneese in der Elchniederung. Der letzte Besitzer des nur zwei Kilometer von dem großen Marktort entfernten 26-Hektar-Hofes war Rudolf Perkuhn, der Name seiner Frau ist unbekannt. Es fehlen auch sämtliche Angaben über Kinder oder weitere Angehörige. Aber es muss doch Landsleute geben, die diese Familie gekannt haben und etwas über ihren Verbleib sagen können. Dies ist wirklich der letzte Versuch, und vielleicht ergibt sich jetzt beim Deutschlandtreffen ein Hinweis. (Knut Walter Perkuhn, Bergstraße 25 in 29565 Wriedel-Brockhöfe, Telefon 05829/1668.)

Und damit sind wir in Erfurt. Was hier und heute geschieht, wird auch in unserer Ostpreußischen Familie seinen Widerhall finden wie nach jedem großen Ostpreußentreffen. So wie schon im Voraus viele Hinweise auf erhoffte Gespräche kamen, auf Wünsche, die persönlich vorgetragen werden. Landsleute, mit denen wir in der letzten Zeit in Verbindung standen, signalisierten: Auf Wiedersehen in Erfurt! Leider kann ich wohl diesmal nicht dabei sein, das liegt vor allem an dem Berg von Post auf meinem Schreibtisch, der kontinuierlich abgebaut werden muss, damit die „Ostpreußische Familie“ in wöchentlicher Regelmäßigkeit und im gewohnten Umfang erscheinen kann. Und auch die Erfüllung der nicht so schwerwiegenden Wünsche, die auf heimatlichen Erinnerungen beruhen, darf nicht auf die lange Bank geschoben werden, denn sie werden gerade von älteren Leserinnen und Lesern gestellt, die nicht mehr an einem Treffen teilnehmen und damit keine direkten Gespräche führen können. Wenn es manchmal auch nur ein gefundenes Gedicht ist, ein heiteres Poem wie das von dem Hering und der Pellkartoffel, das Frau Hanna Büchele aus Backnang suchte. Sie hat es bekommen und es entpuppte sich als „Ballade von Paul Linke“! Also kein heimatliches Poem wie vermutet. Ein solches übersandte uns Herr Klaus Hardt aus Berlin, es ist in ostpreußischem Platt, spielt „Anne Fischbrück“ und hat unseren Leser mit den deftigen Ausdrücken der einstmals berühmt-berüchtigten „Fischweiber“ amüsiert, wobei ihm das Schimpfwort „Klammersacksche“ besonders gefiel. Womit wir wieder beim Plachandern wären. Und damit in Erfurt.

Unsere „Ostpreußische Familie“ wird überall spürbar sein. So ist einer unser eifrigsten Mithelfer, Herr Frank Schneidewind aus Olpe, gerne bereit, am Info-Stand der Heimatkreisgemeinschaft Braunsberg bei Suchfragen seine Erfahrungen einzubringen. In letzter Zeit erhielt er von älteren Landsleuten erneut gerettete Gegenstände aus den Vertriebenengebieten und ist gerne bereit, sie jüngeren Interessenten zu überlassen, so zwei wunderschöne Porzellanteller der ostdeutschen Manufakturen Tiefenfurt und Königszelt. Für Herrn Dr. Wolfgang Fiedler aus Richtenberg ist das Treffen besonders wichtig, um Kontakt zu den ostpreußischen Kreisen zu gewinnen, in deren alten Kirchen sich Taufengel befanden oder sogar noch befinden. Wie in der evangelischen Kirche von Sorquitten, wo der barocke Taufengel mit seinen goldenen Schwingen die Taufschale in den Händen hält. Eine Stunde der Besinnung und Andacht in diesem lichten Gotteshaus in der masurischen Seelandschaft vermittelt dem Heimatsuchenden ein wunderbares Gefühl der Geborgenheit, ich habe es selbst erleben dürfen. Herr Dr. Fiedler übersandte uns das Bild als Dank für die Hilfe auf der Suche nach Taufengeln in Ostpreußen – 75 Kirchen wurden ihm aus unserem Leserkreis genannt. Und mein ganz besonderer Gruß gilt der Gruppe ehemaliger Königsberger Kinder, die sich hier treffen wollen, denen unsere Ostpreußische Familie Halt und Mut gegeben hat, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Dazu will auch die russische Radiomoderatorin Spesivisev Ilya helfen, die mich um Beiträge für deutschsprachige Sendungen für den Königsberger Sender gebeten hatte. Ich habe ihr einige Aufnahmen mit Gedichten und Geschichten aus dem alten Ostpreußen – denn solche wollte sie haben – zugestellt, und sie hat sich herzlich bedankt, in deutscher Sprache und sogar in Reimen: „Vielen Dank für Rundfunkstimme. Es ist aktuell wie immer. Wünsche sehr, sie zu sehen und ein Plaudern zu drehen. Zwischen heute und gestern eine Brücke zu stellen. Darauf wartet auch die Reise, ja nach Erfurt liegen Gleise …“

Vielleicht verspüren nach diesem Einblick in unsere Familienarbeit manche Teilnehmer des Deutschlandtreffens, die bisher die PAZ/Das Ostpreußenblatt nicht oder nur flüchtig kannten, den Wunsch, sich auch an uns zu wenden. Dafür steht auf dem Stand der PAZ-Redaktion ein Briefkasten für schriftlich formulierte Anliegen bereit. Bitte immer die volle Anschrift möglichst mit Telefonnummer angeben und das Einverständnis für eine Veröffentlichung.

Eure Ruth Geede


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