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28.05.11 / Revolte inszeniert / Die Folgen der ’68er

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-11 vom 28. Mai 2011

Revolte inszeniert
Die Folgen der ’68er

Autor Peter Horvath war in seinen jungen 1980er Jahren orthodoxer Kommunist, ab 1986 radikaler Antikommunist. Im vorliegenden Buch „Die inszenierte Revolte – Hinter den Kulissen von ’68“ geht es um den Mummenschanz, den die einen als Urknall westdeutscher Demokratie glorifizieren, andere als Einbruch von Drogenmissbrauch, sexueller Libertinage und Sprachvergröberung verdammen. Den zahlreichen Mythen zu „’68“ fügt Horvath den einer „inszenierten Revolte“ hinzu. Inszeniert von wem? Von „deutschen Kommunisten“, von der SED, nach einem „Masterplan aus dem Osten“, „dessen Fäden bis in die Führungsspitze der UdSSR reichten“. Wo sind die Beweise? Im Mai 2009 wurde der Berliner Ex-Polizist Karl-Heinz Kurras als Stasi-Agent enttarnt, der am 2. Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschoss. Diese Tötung „war der Beginn einer politischen Linksentwicklung, die die Geschichte der Bundesrepublik nachhaltig verändert hat“, schreibt Horvath, der Kurras’ Entlarvung als Bestätigung seiner „These vom maßgeblichen Einfluss der in der DDR herrschenden SED auf Entstehung und Weiterentwicklung der 68er-Revolte“ begrüßt. Solche Behauptungen füllen die ersten 20 Seiten des Buchs, die restlichen 250 dienen ihrer Untermauerung. Dahinter steckt immenser archivalischer Fleiß, wie sich vor allem bei Personendossiers (Kurras, Dutschke) zeigt, aber zu wenig Beweiskraft, um eine vollständig von außen gelenkte Revolte zu belegen.

„68er“ waren nicht ausschließlich, wie Horvaths Titelbild suggeriert, Krakeeler an fremden Marionettenfäden, sondern vor allem ein wild gemixter „politisch-psychedelischer Porno-Pop“, bei dem Lautstärke und Wirkungsmacht umgekehrt proportional waren. Übrig blieben ein, zwei Dutzend „K-Gruppen“, „Bünde“, „Revolutionäre Clubs“, die längst verschieden sind, deren einstige oft linksextremistische Protagonisten aber oft auf Personallisten der Parlamente, Regierungen, Vorstands-etagen überlebt haben und das Land dann doch in die von ihnen gewünschte Richtung mit formten.     Wolf Oschlies

Peter Horvath: „Die inszenierte Revolte – Hinter den Kulissen von ’68“, Herbig-Verlag, München 2010, 271 Seiten, gebunden, 19,95 Euro


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