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28.05.11 / Im Dienste Preußens / Den Historiker Hans-Joachim Schoeps in neuer Monographie gewürdigt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-11 vom 28. Mai 2011

Im Dienste Preußens
Den Historiker Hans-Joachim Schoeps in neuer Monographie gewürdigt

Frank-Lothar Kroll, einer der profiliertesten und fachkundigsten Historiker des deutschen Konservativismus, widmet sich dem den Nachkriegskonservatismus par excellence repräsentierenden Hans-Joachim Schoeps (1909–1980). Diese schillernde Persönlichkeit findet in Kroll, führender Kopf der preußischen Gegenwartsforschung, einen glänzenden Laudator, der die in Schoeps geradezu kulminierende deutsch- beziehungsweise preußisch-jüdische Symbiose in dem vorliegenden Band „Geschichtswissenschaft in politscher Absicht“ pointiert und klar strukturiert herausarbeitet. Neben dem imposanten Quellen- und Literaturverzeichnis sowie den geistesgeschichtlich höchst erkenntnis- und detailreichen Ausführungen im Anmerkungsapparat wartet der Band außerdem mit teilweise bislang unveröffentlichten Texten und Briefen auf.

Krolls Monographie integriert kultur-, ideen- und wissenschaftsgeschichtliche Ansätze kenntnisreich und quellengesättigt in die biographischen Stationen von Schoeps, wobei die im Untertitel anklingende, erkenntnisleitende Fragestellung nach „Hans-Joachim Schoeps und Preußen“ den Bezugspunkt aller Kapitel und Abschnitte darstellt. Nach einleitenden Worten über den historiographischen sowie politischen Umgang mit dem „Streitfall Preußen“ (Kap. I) im bundesrepublikanischen Deutschland nach 1945 wendet sich der Autor in Kapitel II Schoeps „biographischen Verortungen“ zu: die Verbindung von Preußentum und Judentum „als die für seine gesamte Lebensgeschichte konstitutiven Bestimmungsfaktoren“ wird vor dem sozio-kulturellen Hintergrund einer royalistisch gesinnten, staatsloyalen und zutiefst „schwarz-weiß“ denkenden Familie ausgebildet, um in Schoeps den „Typus des konservativen preußischen Juden“ zu verorten.

Schoeps verfasste zahlreiche biographische und monographische Studien, „die der wissenschaftlichen Rekonstruktion dieses Typs gewidmet waren“ und ihren Ausdruck beispielsweise in Abhandlungen über Friedrich-Julius Stahl (1802–1855), Salomon Ludwig Steinheim (1789–1866), Gabriel Riesser (1806–1863) oder zu jüdischen Mitgliedern der „Konservativen Partei“ in Preußen fanden. Intention dieser Studien war stets der Existenznachweis eines genuin konservativ geprägten und gesinnten preußischen Judentums, womit Knoll implizit und Schoeps „explizit einer Sichtweise [widersprach], die im Blick auf die Geschichte des deutschen Judentums ausschließlich dessen progressive, emanzipatorisch-liberale und linksintellektuelle Ausrichtung betonte“.

Den Willen zur Erneuerung und Revitalisierung der preußischen Idee, des preußischen Stils auf Grundlage „bewahrenswerte[r] Aktivposten der Geschichte Preußens“ stellte Schoeps – trotz durchaus vorhandener Komplementärelemente wie Rechtsstaatlichkeit, Toleranz und Beamtentum – bewusst in Gegensatz zu den in der Bundesrepublik hofierten Grundsätzen der „westlichen“ Massendemokratie, der das elitebezogene Ordnungsmodell eines autoritären, hierarchisch gegliederten und anti-individualistischen Staates in Zeiten von „Amerikanisierung“ und „Verwestlichung“ zutiefst widerstrebte.

Dies gilt ebenso für die zeitlebens aufrechterhaltene Forderung nach einer Restauration der monarchischen Staatsform, wobei Schoeps „die Implantierung der Monarchie ins politische System Deutschlands mittels einer Verfassungsrevision“ auf parlamentarischer Grundlage und in Form einer rein repräsentativen Staatsspitze mit moralischer Autorität verfocht.

Eine weitere politische Zielvorgabe Schoeps manifestierte sich in dem Wunsch, eine Wiedererrichtung Preußens, genauer die Wiederkehr des preußischen Staates und der monarchischen Staatsform zu realisieren. Als Grundvoraussetzung hierfür galt Schoeps die gesamtdeutsche Wiedervereinigung, auf deren Basis die Restrukturierung und Begründung eines „Kleinst“-Preußen erfolgen sollte.

Die hier vorliegende Würdigung eines der bedeutendsten Historiographen Preußens verdient selbst eine Würdigung. Frank-Lothar Kroll vereint biographische und wissenschaftliche Lebensstationen mit politischen und publizistischen Wegmarken zu einer ideengeschichtlichen Symbiose par excellence und setzt mit diesem Band Hans-Joachim Schoeps ein bleibendes Denkmal.          Sebastian Pella

Frank-Lothar Kroll: „Geschichtswissenschaft in politischer Absicht – Hans-Joachim Schoeps und Preußen“. Duncker & Humblot, Berlin 2010, 144 Seiten, 24 Euro


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