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28.05.11 / Notwendig / Ein deutsches Schicksal

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-11 vom 28. Mai 2011

Notwendig
Ein deutsches Schicksal

Gerhard Wolter veröffentlicht seine „Erinnerungen eines Westpreußen“ Ende 2010. Er schreibt: „Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges mussten die Eltern ihren Hof und alles, was sie in dem Ort Wengrow in Masowien besaßen, verkaufen; denn die deutschstämmige Bevölkerung in diesem damals russischen Gebiet wurde, nach Männern und Frauen / Kindern getrennt, in Konzentrationslager auf die in der Karasee zwischen dem 71. und 77. Breitengrad gelegene Insel Novaja Semlja gebracht. Für die Verpflegung während des Transports dorthin mussten die Betroffenen selbst Sorge tragen.“

Nach Ende des Krieges durfte dieser Personenkreis zurück-kehren. Die Familie Wolter ließ sich bei Schönsee in Westpreußen nieder.

Nun beginnt die Lebensgeschichte des Autors. Nach dem Versailler Friedensvertrag wurde Westpreußen Polen zugeschlagen. Deutsch durfte offiziell nicht mehr gesprochen werden, damit alle einzuschulenden deutschen Kinder recht schnell die polnische Sprache erlernten, wenn sie in der Schule mitkommen wollten. Dennoch verlief das bäuerliche Landleben zwischen Polen und Deutschen recht harmonisch, bis unter Rydz-Smigly, dem ab 1935 amtierenden Regierungschef Polens, eine wahre Deutschenhetze einsetzte.

Noch bevor es zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kam, fiel die polnische Kavallerie immer wieder in Ostpreußen ein, um dort einzelne Dörfer oder Gehöfte anzugreifen, niederzubrennen und die Bewohner zu ermorden. Auch wird berichtet, dass bereits vor dem 1. September 1939 für die polnische Armee die Generalmobilmachung ausgerufen wurde, obwohl diese Armee schlecht ausgerüstet war.

Weitere Stationen in Wolters Schilderung sind: der Ausbruch des Krieges, die Kriegsjahre, Kriegsgefangenschaft, Bericht über die Flüchtlingstrecks, die  von Rotarmisten auf ihrem Weg gen Westen beschossen wurden, Verlusterfahrung, Neubeginn nach Ende des Krieges und Einsetzen der Wirtschaftswunderjahre. 1976 findet der erste Heimatbesuch statt. Auch hier bietet Gerhard Wolters sehr persönliche, jedoch repräsentative Schilderungen.

Die politisch motivierte Ablehnung der Deutschen seit 1920 wird vom Autor mit einer versöhnlichen Grundhaltung referiert. Er schweigt aber nicht darüber, dass Polen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs soviel Land besitzt wie nie zuvor.

Entstanden ist ein notwendiges Buch, reich an Schilderungen persönlicher Erfahrungen. Es tradiert christliche Werte und weckt das Bedürfnis danach, wieder so zu leben, denn diese Werte gingen während der Wirtschaftswunderjahre weitgehend verloren. Daher auch und nicht zuletzt in besonderem Maße an authentischer Geschichtsschilderung interessierten Jugendlichen zu empfehlen. Ilona Dubalski-Westhof

Wolter, Gerhard: „Erinnerungen eines Westpreußen“, Edition Heimat- und Jägerleben, Verlag J. Neumann AG, Melsungen 2011, 477 Seiten, broschiert, 19,95 Euro


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