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04.06.11 / Heuchelei als Versöhnung / Dreiergipfel in Königsberg: Westerwelle glänzte vor allem durch Sprechblasen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 22-11 vom 04. Juni 2011

Heuchelei als Versöhnung
Dreiergipfel in Königsberg: Westerwelle glänzte vor allem durch Sprechblasen

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass der amtierende deutsche Außenminister mit seinem Amt überfordert ist, Westerwelle hat ihn bei seinem Besuch in Königsberg erbracht. Dort war er zu einem trilateralen Treffen mit den Kollegen aus Russland und Polen zusammengekommen. Schwerpunktthema war der visafreie Grenzverkehr zwischen der russischen Exklave Königsberg und der benachbarten polnischen EU-Region Ermland und Masuren bis zu einer Tiefe von 50 Kilometern. Andiskutiert wurde eine entsprechende Regelung mit Litauen.

Westerwelle weiß, dass die Königsberg-Thematik in Deutschland aus gutem Grund hoch emotional betrachtet wird. Schließlich gehört die Pregelstadt zu den Orten, die mit den besten deutschen geistigen Traditionen verbunden sind. Zu Beginn des Treffens ehrten die Außenminis­ter mit Blumengebinden die bei der Erstürmung Königsbergs gefallenen sowjetischen Soldaten. Sicherlich hat sich Westerwelle diesem diplomatischen Ritual nicht entziehen können. Jedoch, wo waren seine Gedenken für die gefallenen deutschen Soldaten? In der Endphase des Krieges in Ostpreußen waren es Tausende. Die deutschen Soldatenfriedhöfe vor den Toren Königsbergs in Heiligenbeil und Pillau zeugen vom Opfergang der Wehrmachtsoldaten. Warum fand Westerwelle keine Zeit, den 80000 deutschen Ziviltoten, die zwischen 1945 und 1948 in Königsberg umkamen, eine Gedenkminute und ein Blumengebinde zu widmen?

Wir wissen, dass Russland und die Russen für eine zurückhaltende, aber gleichwohl patriotische Trauergeste Westerwelles für die deutschen Opfer Königsbergs Verständnis gehabt hätten. Den meisten heutigen Bewohnern Königsbergs ist klar, dass keine deutsche Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg so gelitten hat wie Königsberg. Bei seinem kurzen Besuch gemeinsam mit dem polnischen Kollegen Sikorski im Königsberger Dom wurde er mit einer Bach-Kantate und der deutschen Nationalhymne begrüßt. Das Ablegen eines Blumengebindes am Kant-Grabmal ist gut, aber keine Tat, die Mut erfordert. Das machen alle.

Wie gehabt die Westerwellschen Sprechblasen: „Kaliningrad“ stehe wie kaum eine zweite russische Stadt so symbolisch für die Verbundenheit von Polen, Russen und Deutschen. Westerwelles Geschichtslosigkeit ist peinlich und macht sprachlos. Königsberg hat in seiner 750-jährigen Geschichte nie zu Polen gehört.

Westerwelle tat kund, dass er den kleinen visafreien Grenzverkehr zwischen dem heutigen russischen Königsberg und den benachbarten EU-Regionen im Norden und Süden der Exklave befürwortet. Wo war sein Einsatz für deutsche Interessen? Sein Werben für den visafreien Reiseverkehr der vertriebenen deutschen Bewohner Königsbergs und deren Nachkommen, ja für alle Deutschen in die russische Ostsee-Exklave? Fehlanzeige! Der deutsche Außenminister führt ständig das Wort „Versöhnung“ auf den Lippen. Verständigung und Freundschaft ist ein Prozess des gegenseitigen Gebens und Nehmens. Westerwelle: Gewogen und für zu leicht befunden.

Wilhelm v. Gottberg

Foto: Blumen für die Sowjetsoldaten, aber kein Gedanke an deutsche Opfer: Guido Westerwelle und seine Amtskollegen


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