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04.06.11 / Morden für den Frieden? / DDR-Generale Kessler und Streletz präsentieren ihre Wahrheit

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 22-11 vom 04. Juni 2011

Morden für den Frieden?
DDR-Generale Kessler und Streletz präsentieren ihre Wahrheit

Die DDR-Generale Heinz Kessler (91) und Fritz Streletz (84) sind alte Kameraden. Sie genossen sichtlich ihren Auftritt vor den Fernsehkameras. Am Freitag, dem 20. Mai hatten beide ihr gemeinsames Buch mit dem provozierenden Titel: „Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben“ in einer Lokalität in Berlin-Lichtenberg vorgestellt.

Streletz stellte die zentralen Thesen des Buches vor: „Nicht SED-Chef Walter Ulbricht, sondern Sowjet-Chef Nikita Chruschtschow wollte die Mauer“, unterwies er die Anwesenden, und raunte düster: „Ohne Mauer hätte es Krieg gegeben“, und schließlich: „Die Menschen liefen der DDR nur wegen des Wohlstands im Westen weg.“ Dass den Menschen in der DDR Bürger- und Menschenrechte egal gewesen seien, widerlegen Zigtausende SED-Verfolgte. Ausgemacht ist für den General a. D. indes, dass die Kriegsgefahr vom Westen ausging. Warum aber hätte der die Waffen zücken sollen, weil der DDR die Menschen weglaufen? Eher wäre das für den Osten ein Grund gewesen, die Notbremse zu ziehen. Wer jedoch die Mauer mit ihren über tausend unschuldigen Opfern zum Friedenswerk umdichten kann, der kommt mit solchen Widersprüchen zurecht.

Es war unübersehbar: Kessler und Streletz wollen offenkundig nicht von Lebenslügen lassen, an die sie sich ihr Leben lang klammerten. Streletz verkündete, er sei stolz darauf, einen „Beitrag zum Frieden geleistet“ zu haben. Immerhin wurden beide Buchautoren wegen der Mauertoten zu Haftstrafen verurteilt.

Seltsam war die Präsentierung der Buchvorstellung durch den staatlichen Sender „Rundfunk Berlin-Brandenburg“ RBB). Dort wollte man auf jedwede Kommentierung verzichten. Eine Art der Neutralität, die man bei dieser Funkstation zu anderen „umstrittenen“ Themen vermisst.

Draußen vor der Tür demonstrierte der Verband der Opfer des Stalinismus. Vize-Chef Ronald Lässig: „Es ist unerträglich, dass ausgerechnet die Stützen der DDR-Diktatur die Geschichte umschreiben wollen.“ Drinnen bekamen die wenigen kritischen Geister Worte an den Kopf geknallt, die früher im „Schwarzen Kanal“ gebräuchlich waren: „Hampelmänner von der Westpresse“ oder „Störer“. Einen der Höhepunkte bereitete Streletz seinen Zuhörern mit dem Bekenntnis: „Wir sind dem Humanismus verpflichtet.“ Erich Mielke hatte das in seiner letzten Volkskammerrede ähnlich formuliert.           Hans Lody


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