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04.06.11 / Angriff aus dem Hinterland / Rotterdam und Antwerpen greifen nach dem Duisburger Hafen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 22-11 vom 04. Juni 2011

Angriff aus dem Hinterland
Rotterdam und Antwerpen greifen nach dem Duisburger Hafen

Europas führende Seehäfen haben ein weiteres Ziel im Kampf um weitere Marktanteile gefunden – den Duisburger Rheinhafen. Noch gehört der größte europäische Binnenhafen zu je einem Drittel dem Bund, Nordrhein-Westfalen und der Stadt Duisburg. Der Bund plant allerdings, sich von seinem Anteil an der Hafengesellschaft Duisport zu trennen.

Interesse an diesem Paket haben die Hafengesellschaft Rotterdam, im Eigentum der Stadt Rotterdam und des niederländischen Staates, und die Hafengesellschaft Antwerpen angemeldet. Nach einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ hat der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) in einem Brief an Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor den Folgen eines solchen Einstiegs gewarnt. Die Beteiligung könnte für eine Ladungslenkung zugunsten der niederländischen und belgischen Konkurrenz ausgenutzt werden. Waren für Süd- und Osteuropa könnten statt über Hamburg oder Bremen nach Rotterdam oder Antwerpen umgeleitet werden.

Die Befürchtung ist nicht unbegründet. Noch ist Rotterdam Europas größter Seehafen. Doch der Druck auf die Holländer wächst. Im Segment des Contai-nertransports hat der Hamburger Hafen entscheidende Vorteile, die sich langfristig auswirken werden. Die Containerterminals der Elbstadt liegen wesentlich dichter an den Absatzmärkten in Zentral- und Osteuropa als die der Konkurrenten. Dieser wichtige Vorteil soll sich durch den Aufbau weiterer Terminals für den Umschlag im Binnenland noch verstärken.

Schon im Jahr 2010 hat die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) Pläne zur Errichtung von bis zu zehn weiteren erteilerterminals im Hinterland bekannt gegeben. Diese sollen in verkehrsgünstiger Lage entstehen und mithilfe von Containerzügen in festen Taktzeiten für eine Verbindung mit Hamburg und Bremerhaven sorgen. Ein derartiges Frachtterminal wird auch im fernen Posen zur Anbindung an den osteuropäischen Markt gebaut.

Inwieweit die Pläne durch einen Einstieg von Rotterdam und Antwerpen beim Binnenhafen Duisburg beeinträchtigt wären, ist noch nicht abzuschätzen. Das in die Verhandlungen eingebunden Bundeswirtschaftsministerium unter bisheriger Führung von Rainer Brüderle (FDP) scheint dem Verkauf der Bundesanteile positiv gegenüberzustehen. Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe spricht in seinem Brief an Finanzminister Schäuble indes eindringlich „gegen Beteiligungen der öffentlichen Hand ausländischer Seehäfen am Duisburger Hafen.“

Beobachter halten es in der Tat für fraglich, ob der Übergang der Bundesanteile in das Eigentum der belgischen und niederländischen öffentlichen Hand zu fairen Wettbewerbsbedingungen führen wird. Bereits im Januar hatte die niederländische Tageszeitung „de Volkskrant“ einen Vorgeschmack gegeben, als sie berichtete, dass die potenziellen Miteigentümer planen, die Hafengebühren zugunsten des Gütertransports aus den Niederlanden und Belgien zu beeinflussen.             N. Hanert


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