14.03.2026

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25.06.11 / Heimatmuseum / Mit dem Rad zum Käthe-Kollwitz-Raum

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 25-11 vom 25. Juni 2011

Heimatmuseum
Mit dem Rad zum Käthe-Kollwitz-Raum

In der Zeitung steht ein Hinweis auf eine Ausstellung von Werken der jungen Käthe Kollwitz in der Ostdeutschen Heimatstube in Bad Zwischenahn, und weil ich heute gut drauf bin und mir die 16 Kilometer mit dem Rad zutraue, fahre ich sofort nach dem Mittag­essen los.

Wie lange will ich nicht schon das Museum besuchen und immer wurde nichts daraus. Nun aber freue ich mich, dass ich es schaffe, und als das Zwischenahner „Meer“ auftaucht, bin ich fast glücklich. Weil das Museum erst um 15 Uhr öffnet, bestelle ich mir erst mal ein Stück Plunder und Kaffee im Café am See, der zwar nicht so romantisch wie der heimatliche Spirdingsee ist, aber immerhin befährt ihn sogar eine „weiße Flotte“.

Jetzt zur Heimatstube, die auf dem Winkel sein soll, und tatsächlich, da ist das Haus. Eintritt 2 Euro, ermäßigt 1 Euro. Das ist doch mal ein Preis. Dann die große Überraschung, in dem kleinen netten Museum präsentieren sich viele Exponate aus der Heimat, und ich sehe schon, ich werde öfter kommen müssen.

Käthe Kollwitz ist ein ganzer Raum vorbehalten, und schon gleich auf dem Flur geht es mit ihren Werken los. In einer Ecke ganz beeindruckend ihre Piéta, die sie anlässlich des Todes ihres gefallenen Sohnes geschaffen hat. An den Wänden hängen viele Bilder von ihr, darunter ein Zyklus zu den „Webern“ von Gerhart Hauptmann. Die Bilder rühren mich tief an.

Mir fällt der Roman „Heimatmuseum“ von Siegfried Lenz ein, und ich spreche darauf die Leiterin des Heimatmuseums an. Wie ich höre, wird alles ehrenamtlich gemacht. Toll. Respekt und Hochachtung. Sie führt mich durch die übrigen Räume, macht mich auf das Prunkstück des Monats aufmerksam: eine Bluse der Kaschuben, bestickt in den typischen Farben. Wunderschön. An den Wänden viele alte Postkarten und Fotografien, in Vitrinen allerlei alter Kram und Kleinkram, bei dem mir der alte Bierflaschenverschluss von der Kinderhöfer Brauerei aus Gerdauen einfällt, den ich einem kleinen Russenjungen für fünf „Marka“ abkaufte. Den ganzen Tag wich er mir nicht von der Seite.

Weil sich niemand so recht für meine Heimatschätze begeistern kann, habe ich die Erleuchtung und frage, ob die Heimatstube nicht daran interessiert ist, denn ich bin alt und würde mich freuen, wenn die Stücke ihren Platz finden würden. Und ob, die Dame ist begeistert.

Ich verspreche, bald zu kommen, aber erst noch einmal zu Käthe Kollwitz zurück und während ich die Bilder erneut auf mich einwirken lasse, erfasst mich tiefe Dankbarkeit, dass alles so ist, wie es ist. Da kommt mir plötzlich das Lied in den Sinn, das wir als Kinder sangen, wenn wir sammelnd unterwegs waren „… Lumpen, Eisen, Knochen und Papier, ausgeschlagne Zähne sammeln wir, Lumpen, Eisen, Knochen und Papier, ja das sammeln wir für Adolf …“ na und so weiter. Was haben wir uns wohl bei den ausgeschlagenen Zähnen gedacht? Vergiss es.

Muss man erst über das tauende Haff gegangen sein, alles verloren haben, was im weitesten Sinne Heimat ausmachte, um etwas zu verstehen und zu begreifen?

Jetzt aber nach Hause. Mit Wind im Rücken fährt es sich wie von selbst. Gedanken kommen und gehen. 16 Kilometer betrug auch die Entfernung zwischen Barten und Gerdauen, wo ich zur Schule ging, und wie gern wäre ich diese Strecke jetzt, wo sich der Ring schließt, noch einmal gefahren mit dem Fahrrad. Leider nicht möglich, weil genau zwischen den mir so vertrauten Orten die Grenze verläuft.

Fazit dieses Nachmittages: So ’n Heimatmuseum hat was! – Christel Bethke


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