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27.08.11 / Der Preis der Sicherheit / »Solvency II« soll Versicherungspleiten verhindern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-11 vom 27. August 2011

Der Preis der Sicherheit
»Solvency II« soll Versicherungspleiten verhindern

Während derzeit die „Euro-Rettung“ alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, herrscht hinter den Kulissen ein heftiges Tauziehen um eine bessere Kontrolle der Finanzinstitute. Denn Auslöser der Krise im Jahre 2008 war die Insolvenz von Großbanken, die dann teils mit Steuergeldern gestützt wurden oder kollabierten. In einer noch größeren Krise aber war die AIG, die größte Versicherungsgruppe der Welt, die „plötzlich“ ein Finanzloch von 100 Milliarden Dollar hatte – und verstaatlicht wurde. Auch hier hatte man sich mit hoch profitablen, doch extrem riskanten Derivaten auf Hypothekenpapiere verspekuliert.

Während bei der Schadensversicherung und der reinen Ablebensversicherung – vereinfacht gesagt – die hereinkommenden Prämien auf die Schadensfälle umverteilt werden, sind Erlebens- und kombinierte Erlebens-/Ablebensversicherung inklusive Rentenversicherung auch mit einem Sparvorgang verbunden – die eingehenden Prämien sind wie Bankeinlagen. Doch auch die Schadensversicherung muss Vorsorge für nicht kalkulierbare Situationen treffen, denn rückwirkende Prämienerhöhungen sind nicht möglich.

Die Verpflichtungen aus der Lebensversicherung und die Schadensrückstellungen sind für den Versicherer daher Fremdkapital, das so anzulegen ist, dass im Versicherungsfall geleistet werden kann. Die Anlage soll zugleich möglichst ertragreich sein. Bonus­pläne lassen das Management aber nur allzu leicht vergessen, dass es um treuhänderisch zu verwaltende Gelder geht – und die durch unbeschränkten Kapitalverkehr überhaupt erst ermöglichten Derivatspekulationen großen Stils sind eine gefährliche Versuchung.

Was für die Banken das über „Basel II“ hinausgehende Abkommen „Basel III“ bringen soll, nämlich Insolvenzrisiken und Schäden für die Kunden zu reduzieren, ist analog für Versicherungen geplant: Die  „Solvency I“ genannten Richtlinien der Europäischen Union aus dem Jahre 2002 sollen ab 2013 als „Solvency II“ verschärft werden. Kernpunkt ist wie bei den Banken eine Erhöhung der Mindestanteile von Eigenkapital und langfristigem Fremdkapital. Außerdem geht es um eine Verbesserung des Risikomanagements. Wie sich 2008 gezeigt hat, sind selbst Immobilien nicht sicher, denn sie können sich im Krisenfall katastrophal entwerten. Viele, die auf „Eigenvorsorge“ gesetzt hatten, muss-ten bereits Rentenkürzungen verkraften. Und in China droht eine riesige Immobilienblase zu platzen.

Die neuen Auflagen werden zwangsläufig die Renditen senken, was sich dann auch in Form von Prämienerhöhungen und Leistungskürzungen bemerkbar machen wird. Da aber nicht alle Versicherer groß genug sind, um die Kapitalauflagen zu erfüllen, ist auch mit einer weiteren „Konsolidierung“, also Konzentration auf noch weniger Konzerne, zu rechnen. Richard G. Kerschhofer


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