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27.08.11 / Miserables Zeugnis für Rot-Rot / »Bildungsmonitor«: Niveau von Brandenburgs Schulen stagniert weit unter Bundesschnitt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-11 vom 27. August 2011

Miserables Zeugnis für Rot-Rot
»Bildungsmonitor«: Niveau von Brandenburgs Schulen stagniert weit unter Bundesschnitt

Brandenburg schneidet im aktuellen „Bildungsmonitor“ der arbeitgebernahen „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)“ schlecht ab: Rang 13, viertletzter Platz aller Bundesländer. In den Kategorien „Bildungsgerechtigkeit“ und „Internationalisierung“ holt die Mark demnach zwar auf, doch gerade bei der beruflichen Bildung hat das Land die wenigsten Abschlüsse.

Der deutsche Bildungsföderalismus mit seinem von Bundesland zu Bundesland verschiedenen Systemen lädt zum Leistungsvergleich geradezu ein. Das INSM erhebt daher seit 2004 den „Bildungsmonitor“, um zu testen, „inwieweit das Bildungssystem eines Bundeslandes Fortschritte auf dem Weg zu mehr Wachstum und Bildungsgerechtigkeit“ erzielt, kurzum, was Schüler und Wirtschaft mit den von der Politik gesetzten Prioritäten anfangen können.

Brandenburg hat laut der neuesten, vom Institut der Deutschen Wirtschaft wissenschaftlich umgesetzten Studie viel Nachholbedarf. Das schlechte Ergebnis begleitet die jüngsten Sparmaßnahmen der rot-roten Landesregierung im Bildungssektor und deren andauernden Kampf mit privaten Schulträgern. Während der Sparhaushalt bei der Bildung 25 Millionen Euro und bei der Wissenschaft nochmals 20 Millionen an Kürzungen vorsieht, genießen beide Ressorts vergleichsweise sogar Priorität. Im Januar hatte die rot-rote Regierung noch angekündigt, bei Bildung sogar 20 Prozent der Ausgaben zu kürzen.

Erst im Juli erbrachte eine parlamentarische Anfrage, dass Brandenburg im Ländervergleich bei Grundschülern am zweitwenigsten Geld aufwendet. Bildungsministerin Martina Münch (SPD) räumte ein, dass 2008 gerade 4000 Euro je Schüler ausgegeben wurden, das sind rund 400 Euro weniger, als die anderen neuen Länder durchschnittlich für Grundschüler zahlten. Nur Nordrhein-Westfalen gab mit 3900 Euro je Grundschüler noch weniger aus. Schon 2010 kritisierte Brandenburgs FDP, dass die öffentlichen Bildungsausgaben bei „lediglich 18 Prozent des Gesamthaushaltes“ liegen – „weit weniger als in jedem anderen Bundesland“.

Die neuesten Ergebnisse erweitern das schlechte Zeugnis für Rot-Rot: „Bedenklich“, so das jetzige Papier, sei „die im Jahr 2009 mit 82,3 Prozent bundesweit  niedrigste Erfolgsquote bei den Ab­schlussprüfungen der dualen Ausbildung“. Soll heißen, mehr Menschen brechen in der Mark die berufliche Ausbildung ab als sonst irgendwo in Deutschland. Das Stellenangebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen sei „in Relation zur Größe der Bevölkerung das drittniedrigste in Deutschland“.

Beim Lehrpersonal und dessen Alter reicht es ebenfalls nur für hinterste Plätze: „In den beruflichen Schulen war die Struktur im Jahr 2009 in keinem Land unausgewogener, bei allgemeinbildenden Schulen wurde der vorletzte Platz erreicht.“ Auch bei der Zeiteffizienz von Ausbildung versage Brandenburg. Viele Ausbildungsverträge würden zudem vorzeitig gelöst, und „hoch war der Anteil verspätet eingeschulter Kinder“.

Punkten konnte Rot-Rot nur in den Bereichen „Internationalisierung“, „Integration“ und „Förderinfrastruktur“. Die Macher der Studie verzeichneten einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Berufsschülern, die 2009 eine Fremdsprache lernten (90,8 Prozent bei nur 31,2 im Bundesschnitt). Zudem: „Ein höherer Anteil an Kindern und Jugendlichen als im Bundesdurchschnitt wurde ganztägig in Kitas und Grundschulen betreut“, lobt das Papier die Förderinfrastruktur.

Allerdings ließe sich dieses Ergebnis auch anders deuten – nämlich, dass Rot-Rot lieber in Ganztagsbetreuung investiert als in die Qualität von Bildung. Beim Lieblingsthema Integration gab es ebenfalls gute Ergebnisse: „Nur 5,1 Prozent der ausländischen Schulabsolventen hatten im Jahr 2009 keinen Abschluss.“ Zumindest diese Quote fiel besser aus, als „in allen anderen Bundesländern“.

Das Fazit der Studie: „Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg bilden das Spitzentrio im Bildungsmonitor.“ Und damit liegen wieder einmal die Länder vorn, die ein traditionelles, mehrgliedriges Schulsystem im Gegensatz zur rot-roten Schulpolitik ausdrücklich erhalten wollen. „Fortschritte im Bildungssystem“ habe es auch in der Mark gegeben, so das Fazit weiter, und diese hätten „in den letzten Jahren auch zu einer Stärkung der Wachstumskräfte im Land beigetragen“. Die rot-rote Bildungspolitik bleibe aber in den Kernbereichen weit hinter den anderen Ländern zurück.

Die Studie beweist, dass Brandenburgs Schwierigkeiten kein spezifisches Problem der neuen Länder sind. Auch rechnet sie der Mark sogar manches zugute, was bei näherer Betrachtung eher kosmetischen Charakter hat: Mehr formale Zugangsberechtigungen zu Hochschulen beispielsweise.

Sogar die Landtagsfraktion der Linkspartei räumt mittlerweile ein, dass „das brandenburgische Schulsystem chronisch unterfinanziert ist“. Als Reaktion auf die Studie kündigte Bildungsministerin Münch (SPD) nun Neueinstellungen von 2000 Pädagogen noch in dieser Wahlperiode an. Die CDU-Opposition fordert hingegen, es müsse endlich Schulfrieden einkehren und der Gedanke der Einheitsschule vom Tisch. Berlins rot-rote Schulpolitik erzielte jedenfalls den „letzten Rang“ unter anderem deshalb, weil dort ähnlich wie in Brandenburg „im Bildungssystem vergleichsweise viel Zeit verloren“ geht – keine guten Noten für rot-rote Bildungsansprüche also.          SV

Foto: Qualität von Bildung Fehlanzeige: Brandenburgs Politik hat aus ihren Fehlern nichts gelernt


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