28.01.2022

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27.08.11 / Schlampen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-11 vom 27. August 2011

Schlampen
von Theo Maass

Wochentags am frühen Nachmittag steige ich aus der U-Bahn. Jugendliche kommen mir entgegen. Die Schule ist aus. Im typischen „Immigrantendeutsch“ grölen sie ihren weiblichen Mitschülern Bemerkungen über Huren und Schlampen (Mädchen ohne Kopftuch) zu. Es folgen Bekundungen über die eigenen anatomischen Vorzüge. Widerworte der Geschmähten? Fehlanzeige. Passanten greifen auch nicht ein. Die Mädchen verschwinden schließlich in einem Hauseingang. Ort des Geschehens: das bürgerliche Tempelhof – nicht etwa Kreuzberg oder Nordneukölln. Auch ich selbst blieb „feige“, zeigte keine „Zivilcourage“. Schließlich habe ich Verantwortung für drei Kinder und will nicht so schnell ins Leichenschauhaus oder auf die Intensivstation. Was bleibt, ist die Sorge um meine fast erwachsenen Töchter.

Interessiert las ich daher die Ankündigungen einer Demonstration gegen „sexuelle Gewalt und Verharmlosung von Vergewaltigungen“. Beim sogenannten „Slutwalk“ würde ich Gleichgesinnte treffen, dachte ich. Wir würden ein Zeichen setzen. Erwartungsfroh entstieg ich dem U-Bahnschacht und bekam halbnackte 60-Jährige zu sehen. Ein freundlicher, stark behaarter Transvestit mit rosa Strapsen und knallgelbem BH trat auf mich zu und reichte mir ein Infoblatt. Von Kapitalismus, Sozialismus, Nationalismus, Rassismus, Zwangsherrschaft und Patriarchat war da die Rede. Verwirrt fischte ich aus dem Papierkorb die aktuelle Ausgabe des „Tagesspiegel“ heraus, um mich zu informieren. „Slutwalk“ bedeutet Schlampenmarsch und sei ein Protest gegen den Sexismus in der  Gesellschaft. Attraktive Frauen seien kein Freiwild. Sie wollten daher heute mit kurzen Röcken und tiefen Dekolletés dagegen protestieren. Auch politische Prominenz würde  erwartet. Katrin Lomscher und Klaus Lederer von der Linkspartei würden kommen. Die beiden SED-Erben hatten sich für den 13. August offenbar lieber etwas Angenehmeres vorgenommen, als sich an Schuld und Verantwortung für den Mauerbau vor 50 Jahren erinnern zu lassen.

Schließlich begann die Kundgebung. Hellhörig wurde ich bei der Forderung einer Rednerin nach der Produktion feministischer Pornofilme. Jetzt hatte ich genug. Im Gehen hatte ich noch Grund zum Schmunzeln. Martin Sonneborn von der Satirepartei „Die Partei“ hatte sich mit seinen Aktivisten unter das Protestvolk gemischt. „Da passt er auch hin“, murmelte ich in mich hinein. Eine zeternde Emanze verlangte von der Polizei die Entfernung des offenbar ungebetenen Sonneborn.

Am Abend bestaunte ich dann die Bilder von dem Ereignis in den Medien. Wo kamen nur die beiden attraktiven Endzwanzigerinnen her? Waren die mir gar nicht aufgefallen? Oder waren ARD, ZDF und RTL auf einer  anderen Veranstaltung?


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