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27.08.11 / Falsche Fassade / Textilkonzern Hennes & Mauritz bekämpft Betriebsräte

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-11 vom 27. August 2011

Falsche Fassade
Textilkonzern Hennes & Mauritz bekämpft Betriebsräte

Der schwedische Textilkonzern Hennes und Mauritz (H&M) hat vor dem Berliner Arbeitsgericht versucht, den Betriebsrat der Filiale in der Berliner Friedrichstraße loszuwerden. Dort sind 63 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt. Insgesamt betreibt H&M in der Hauptstadt 28 Filialen. Der Betriebsrat hatte wiederholt seine zustimmende Unterschrift unter einen Personaleinsatzplan verweigert. Der Betriebsratsvorsitzende führte für die Ablehnung unzumutbare Arbeitsbedingungen ins Feld. Im Spätdienst sollten zwei Verkäuferinnen die Arbeit erledigen, für die sonst fünf vorgesehen sind. Erschöpfte Mitarbeiter, die am Ende ihrer Kräfte waren, bewogen den Betriebsrat zum Eingreifen. Die Geschäftsleitung sieht in dessen Verhalten eine grobe Verletzung der vertrauensvollen Zusammenarbeit.

Die Deutschlandzentrale in Hamburg soll die Maßregelung des örtlichen Betriebsrates angestrebt haben, vermutlich um ein Exempel zu statuieren. Vor Gericht wurde es dann dramatisch. Erst nach einer etwa 90-minütigen Beratung zogen die Juristen des weltweit operierenden Konzerns ihre Klage zurück und verzichteten darauf, sich eine Abfuhr zu holen. Offenbar hatte der Richter dringend dazu geraten. H&M ist um ein gutes Image bemüht und ist häufig bei Aktivitäten anzutreffen, wenn es die politische Korrektheit gebietet. So soll in den Produktionsstätten in der „Dritten Welt“ auf Kinderarbeit verzichtet werden. Der Konzern arbeitet nach eigenen Angaben nicht mit Drogen konsumierenden Models zusammen, hat sich zur Einhaltung von Kriterien zur sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit verpflichtet und 2006 seinen Betritt zur „Fair Labor Association“ erklärt. Stolz trägt das Unternehmen auch seine Zusammenarbeit mit Unicef, Water Aid und Terre des Hommes vor sich her. Die Betriebsrealität sieht allerdings anders aus. Kritiker meinen, dass sich hinter der Fassade des Gutmenschentums Menschenverachtung verbirgt und im Windschatten der politischen Korrektheit gnadenlose Gewinnmaximierung betrieben wird. Das konzernfreundliche Magazin „Capital“ lobte H&M als drittbester Arbeitgeber Deutschlands. H&M war bereits mehrfach Gegenstand kritischer Berichterstattung. „Report Mainz“ berichtete 2008 von sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen in einem Werk in Bangladesh. Arbeiterinnen klagten dort zudem über sexuelle Belästigung. 2006 wusste „Frontal 21“ von Fällen zu berichten, in denen das Unternehmen sich, zurückhaltend ausgedrückt, kritisch gegenüber der Arbeit seiner Betriebsräte verhielt. 2008 schrieb „Spiegel Online“ über Mobbing gegen Angestellte des Unternehmens. So scheint der jetzt gescheiterte Prozess vor dem Berliner Arbeitsgericht kein Einzelfall zu sein. Die Gewerkschaft Ver.di berichtet, dass schon früher versucht worden sei, Mitgliedern des Betriebsrates fristlos zu kündigen, obwohl solche Praktiken gegen die Bestimmungen des Betriebsverfassungsgesetzes verstoßen. Immer wieder komme es zu Versuchen, die Arbeitnehmervertretung zu schikanieren und einzuschüchtern. Ein ängstlicher Betriebsrat könnte veranlasst sein, Vereinbarungen hinzunehmen, die für die Mitarbeiter nachteilig sind. Die Bedingungen, unter denen die Betriebsräte von H&M arbeiten müssen, wurden von der Zeitschrift „Arbeitsrecht im Betrieb“ durch die Nominierung für den „Deutschen Betriebsrätepreis 2011“ gewürdigt.  Hans Lody


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