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27.08.11 / Ernte aus dem Nichts / Schwindel mit angeblichen Bio-Betrieben in Polen nimmt zu 

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-11 vom 27. August 2011

Ernte aus dem Nichts
Schwindel mit angeblichen Bio-Betrieben in Polen nimmt zu 

Seit dem EU-Beitritt Polens hat die Zahl von sogenannten Bio-Betrieben in der Landwirtschaft explosionsartig zugenommen. Das auf vielen der hochsubventionierten Bauernhöfe alles andere als biologische Landwirtschaft betrieben wird, ist aufgrund der mangelhaften Gesetzgebung nicht einmal illegal. Glaubt man den Zahlen, dann hat sich Polen innerhalb weniger Jahre zu einer Hochburg der nach ökologischen Gesichtspunkten geführten Landwirtschaft entwickelt. Bis zum EU-Beitritt im Jahre 2004 gab es lediglich 3700 sogenannte Bio-Betriebe. Sieben Jahre später ist die Zahl bereits auf 21000 gestiegen – zumindest auf dem Papier.

Die Zahl dieser Betriebe ist damit inzwischen ähnlich hoch wie in Deutschland, mit einer wesentlich stärkeren Nachfrage nach Bio-Produkten. Auch mit der Fläche, die zumindest rein statistisch gesehen, nach ökologischen Grundsätzen bewirtschaftet wird, braucht sich die polnische Landwirtschaft vor den deutschen Bio-Bauern nicht zu verstecken. Immerhin 519000 Hektar werden mittlerweile der polnischen Öko-Landwirtschaft zugerechnet. Im Jahre 2008 wurden für Deutschland 900000 Hektar ausgewiesen. Wirklich erklärbar wird diese „Erfolgsgeschichte“ der ökologischen Landwirtschaft in Polen vor dem Hintergrund der gesetzlichen Regelungen in Warschau und den Fördergeldern im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik der EU. Die Brüsseler Fördermilliarden treffen auf gesetzliche Regelungen in Warschau, die praktisch eine Einladung zum Subventionsbetrug sind. Das polnische Landwirtschaftsministerium macht nahezu keine Vorgaben, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, wenn ein Betrieb die Bezeichnung „Bio“ verwenden will. Die Überprüfung ist Angelegenheit von Zertifizierungsunternehmen, denen bei ihrer Arbeit keinerlei gesetzliche Auflagen gemacht werden. Weder ist eine Überprüfung auf den Feldern beim Anbau noch während der Ernte gesetzlich vorgeschrieben. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es sich bei einer hohen Zahl von „Bio“-Betrieben entweder um ganz gewöhnlich betriebene Landwirtschaft handelt oder sogar nur um fiktive Betriebe, die lediglich auf dem Papier bestehen.

Um welche „Ernte“ es bei den „Bio-Höfen“ wirklich geht, wird auch daran deutlich, welche geringe Größenordnung der ökologische Anbau von Gemüse beispielsweise zur massiven Erzeugung von Bio-Nüssen aufweist. Während die Bio-Gemüsebauern fast ein Nischendasein fristen, gibt es eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Bio-Nuss­plantagen. Während beim Gemüseanbau 380 Euro pro Hektar und Jahr an Subventionen gezahlt werden, können mit einer Bio-Nuss­plantage bis zu 700000 Euro im Jahr an Subventionen von der „Agentur zur Umstrukturierung und Modernisierung der Landwirtschaft“ eingestrichen werden. So verwundert es denn auch nicht, dass es sich bei vielen der Inhaber entsprechend subventionierter Betriebe um Rechtsanwälte handelt, die weniger mit landwirtschaftlichem Fachwissen als mit Kenntnissen des Brüsseler und Warschauer Subventionssumpfes aufwarten können.

Dass von polnischer Seite eine Nachbesserung der mehr als mangelhaften gesetzlichen Regelungen erfolgen wird, sollte man bei der Vielzahl von Profiteuren, auch unter den politischen Eliten, besser nicht erwarten. Wie die Zeitung „Polityka“ berichtet, ist selbst von einem stellvertretenden Minister inzwischen bekannt geworden, dass er Inhaber eine fiktiven „Bio-Nuss­plantage“ ist.       Norman Hanert


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