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27.08.11 / Bankriesen in der Klemme / US-Geldmarktfonds ziehen Kapital aus Euro-Raum ab

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-11 vom 27. August 2011

Bankriesen in der Klemme
US-Geldmarktfonds ziehen Kapital aus Euro-Raum ab

Für viele europäische Banken beginnen die klassischen Refinanzierungsmöglichkeiten zunehmend zu versiegen. Sollte es zu einer überraschenden Liquiditätsklemme einer Bank kommen, könnte das angesichts hoch nervöser Märkte in kürzester Zeit zu einer Kettenreaktion mit schweren Folgen führen. „Bank Run“ – bei vielen Menschen weckt der Begriff Erinnerungen an Bilder aus den 30er Jahren: Sparer stehen vor Banken Schlange, um ihre Einlagen abzuheben. Sollte es zu einer Wiederholung eines solchen Sturms auf Banken in der heutigen Zeit kommen, würde sich das wahrscheinlich weniger spektakulär auf den Straßen abspielen, sondern von der Öffentlichkeit zunächst unbemerkt. Die Rolle der Sparer würde sehr wahrscheinlich von Geldmarktfonds, Investoren und anderen Banken eingenommen, die in kürzester Zeit versuchen würden, ihr Kapital in Sicherheit zu bringen, sobald sich bei einer Bank eine Schieflage abzeichnet.

Eine derartige Situation war im Herbst 2008 als Nachwirkung des Kollapses der Investment-Bank Lehman Brothers bereits in einigen Ländern ansatzweise im Entstehen. Bereits seit einigen Wochen beginnt die Nervosität an den Märkten nun wieder allmählich zu steigen. Bekannt geworden ist, dass US-Geldmarktfonds angesichts der Krise der Euro-Zone es bereits zu Ende Juli aufgegeben haben, einige italienische und spanische Großbanken weiterhin mit Liquidität zu versorgen. Ähnliche Berichte beziehen sich auf französische Banken, deren Kreditlinien zwar nicht komplett gekündigt, aber zurückgefahren werden. Gerade französische Banken gelten als besonders gefährdet, sollten die Probleme mit der Liquiditätsbeschaffung anhalten. Noch ist die Geldzufuhr durch Investoren nicht völlig versiegt, allerdings sind diese immer weniger bereit, Gelder länger als eine Woche an europäische Institute zu verleihen.

Auch unter den Banken selbst wächst das Misstrauen wieder – über Nacht wird Liquidität immer öfter bei der Europäischen Zentralbank geparkt, statt an andere Banken verliehen. Die zunehmende Liquiditätskrise europäischer Banken macht inzwischen auch der US-Zentralbank FED Sorgen. Ihre Befürchtung: Europäische Institute mit Niederlassungen in den USA könnten im Notfall Gelder vom US-Finanzmarkt abziehen und damit dort Verwerfungen auslösen. Wie labil die Märkte inzwischen wieder sind, lässt sich am Kurssturz der französischen Société Générale ablesen. Das nicht zutreffende Gerücht, dass die Bank sehr hohe Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen zu verkraften hätte und deshalb bereits zu wanken anfange, reichte für Kurseinbrüche von über 20 Prozent an einem einzigen Tag. Dass es wie in diesem Fall bei Gerüchten bleibt, wird von Beobachtern immer mehr bezweifelt. Einer der Skeptiker ist der US-Analyst Reggie Middleton. Er hatte im Jahr 2008 sowohl den Zusammenbruch von Lehman Brothers als auch der Investmentbank Bear Stears Monate im Voraus vorhergesagt. In der derzeitigen Lage hält er eine ausgemachte Bankenkrise, ausgelöst durch eine europäische Bank, die in Schieflage gerät, nicht nur für wahrscheinlich, sondern sogar nur noch für schwer zu vermeiden.           N.H.


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