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27.08.11 / Prevolution – Generation Facebook

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-11 vom 27. August 2011

Moment mal!
Prevolution – Generation Facebook
von Klaus Rainer Röhl

Nach dem Scheitern eines 40-jährigen CDU-Politikers aus Schleswig-Holstein an einer früheren Liebesgeschichte mit einer 16-Jährigen brachte „Bild“ eine seitenlange Reportage mit vielen fotogenen gleichaltrigen Mädchen von Flensburg bis zum Bodensee. Alle Befragten, gut gelaunt und fröhlich über die Möglichkeit, mit ihrem Foto auf Seite 14 des Millionenblattes zu erscheinen, sagten den Reportern übereinstimmend, für sie käme es nicht in Frage, sich mit so einem alten Kerl einzulassen, statt einen der vielen tollen Jungen aus ihrer eigenen Altersklasse zu wählen. Und alle hatten auch so einen netten jungen Typen und alle sagten, dass sie den bei Facebook kennengelernt hätten, wo man so viele tolle Freunde finden könne. Die meisten waren seit zwei Jahren (also mit 14) schon bei Facebook registriert, wo man jede Menge coole Freunde finden könne und viel Spaß. Das sagten alle. Alle, das sind in Deutschland 20 Millionen (Stand 31. Mai 2011). 90,8 Prozent der aktiven deutschen Mitglieder gehören zu der für die Werbung höchst interessanten „Zielgruppe“ der 14- bis 49-Jährigen. Allein 276820 der deutschen Facebook-Nutzer sind Jugendliche unter 13!

Haben wir, die Älteren, da was verpasst? Zwar haben wir, halb ungläubig, halb staunend, gelesen, dass die Revolte der tunesischen Stadtjugend (die „Jasmin-Revolution“) ebenso wie die monatelangen blutigen, viele Todesopfer fordernden aufstandsähnlichen Straßenunruhen ägyptischer Studenten gegen die Regierung Mubarak sowie alle Demonstrationen in anderen arabischen Staaten über Facebook zusammengetrommelt, gezielt organisiert und geleitet werden. Aber in Deutschland, in Europa? Langsam dämmert’s auch den Gutartigsten: Die überwiegende Anzahl der Brandstifter und Plünderer von London, viele davon unter 14 Jahren, hatten sich zu Zerstörungs- und Plünder-Aktionen mit einem Gesamtschaden von 1,2 Milliarden Euro per Facebook verabredet. Über Facebook verabreden sich die „Empörten“ ebenso in Athen wie in Madrid. Empört über ihre schlechte Lage. Jugendarbeitslosigkeit, keine Lehrstellen, keine Berufsaussichten.

Und in Berlin? Da gibt es viele „Empörte“, sehr Empörte sogar, und die verabreden sich schon seit je zum 1. Mai, Telefonzellen, Müllcontainer und Autos „abzufackeln“, wie es seit 1968 verniedlichend hieß: Autos mit Benzin zu übergießen und dann ausbrennen zu lassen. Wenn die Hitze und das Feuer das noch im Autotank vorhandene Benzin erreicht hat, knallt und zischt es besonders schön. Noch brennt nachts in der deutschen Hauptstadt eine selbst für die Versicherungen noch zu verkraftende Anzahl von zehn bis 15 Autos ab. Sie gehören oft der gehobenen Mittelklasse an, Mercedes, BMW, auch Audi. Hier ist also wohl ein leicht antikapitalistischer Zug auszumachen, der auch schon den Brandsätzen der frühen 70er Jahre eigen war, „Papitalismus muss putt!“, lernten die gern mitgebrachten Kinder und malten es mit Fingerfarben auf Transparente.

Facebook aber bringt endgültig Schwung in die Bewegung. Die letzten, ganze Straßenzüge in rauchende Trümmer verwandelnde Massen-Brandstiftungen mit anschließenden Plünderungen in London und anderen Städten wurden über Facebook geplant und verabredet. Jetzt erst wird langsam klar, dass auch die monatelangen Ausschreitungen mit Brandsätzen und Benzinbomben in Athen und Madrid weitgehend über Facebook organisiert und koordiniert waren.

Aktuell geworden und von den Oppositionsparteien endlich mal an die große Glocke gehängt ist die seit dem Mai nicht abreißende Brandstiftungs-Serie in Berlin, das „Abfackeln“ von auf der Straße abgestellten Autos durch Benzin-Bomben. Durch gute Absprache und Koordination besteht fast keine Gefahr, von der Polizei erwischt zu werden.

Facebook ist schon seit vielen Jahren in Deutschland aktiv. Fragen Sie in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis mal nach. Kaum einer der Eltern oder Großeltern hat eine Ahnung davon, was die lieben Kleinen an ihrem geliebten Bildschirm da so treiben und wohin sie fröhlichen Herzens und immer auf der Suche nach neuen Freunden und neuen Freuden getrieben werden. Deshalb machen wir uns heute mal schlau: Was ist Facebook? Ein amerikanisches Unternehmen mit einem Milliarden-Umsatz durch Werbeeinnahmen. Eine Firma, die heute 50 Milliarden US-Dollar wert sein soll. Der Marktwert kann nur grob ermittelt werden, da Facebook (noch) nicht börsennotiert ist.

Erfunden wurde das Unternehmen von einem Studenten der Harvard University namens Mark Zuckerberg. Der Name der Firma bezieht sich auf die sogenannten Facebooks, die Erstsemesterstudenten an amerikanischen Colleges erhielten, mit Fotos ihrer Mitstudenten, um die gegenseitige Orientierung zu erleichtern. Mark Zuckerberg und einige Freunde übertrugen die Idee auf eine Internet-Plattform. Jeder Internet-Nutzer kann sich kostenlos anmelden und die übrigen (Millionen) Mitglieder kennenlernen, unter Angabe einiger persönlicher Daten. Rein geht es sofort, raus nur unter sehr beschwerlichen Umständen. Gute Freunde lassen sich nicht gern verlassen. Facebook hat in mehreren Finanzierungsschritten rund 1,24 Milliarden US-Dollar Kapital eingesammelt, die uns noch so gut in Erinnerung gebliebene Firma Goldmann-Sachs legte beispielsweise im Januar 2011 mal eben 450 Millionen Dollar an.

Hat die kluge Erfindung aus den USA mit einem Umsatz von 2,4 Milliarden US-Dollar im letzten Jahr die Situation verändert? Ist an den Lagerfeuern vom Platz der Gerechtigkeit in Kairo und den Dauerfeuern in Madrid, London und Berlin mehr soziale Gerechtigkeit entstanden? Müssen wir besorgt sein über Facebook? Kommt da ein neuer Linkstrend zum Vorschein, eine neue massenhafte Anti-Stimmung, wie sie am Vorabend der 68er-Revolte ab 1960 sichtbar wurde? Präzise gefragt, ist die Facebook-Generation „links“? Hat sie noch irgendetwas mit den politischen Hetzkampagnen der politisch Korrekten und ökologisch Radikalen zu tun, mit den entflammten Ökologen, die fremde Gene nicht auf unseren Äckern dulden wollten und die Felder mit „artfremdem“ Saatgut gern mal abbrannten – auch hier die Freude an den schönen, hell lodernden Flammen?

Oder sind die Facebook-Nutzer die Vorboten einer ganz anderen Revolution, sozusagen die „Prevolution“ wie die der durch Medikamente gehirnzerstörten Versuchstiere in dem neuen Film „Planet der Affen“? Eine Prevolution – wovon? Tatsächlich kommt hier offenkundig etwas ganz Neues auf uns zu. Eine Generation der ständig guten Laune oder eine der permanenten Unzufriedenheit? Ist „Facebook“ nur eine Art Rauchmelder, oder ist es ein Brandbeschleuniger für einen gigantischen Weltenbrand?

Wohltätig ist des Feuers Macht ... wer noch auswendig weiß, wie es weitergeht bei Schiller, ahnt nichts Gutes. Was ist zu tun? Wie sollten wir uns verhalten, die wir immerhin bis jetzt noch die Mehrheit bilden? Zunächst doch einmal so wie der britische Premierminister David Cameron: Viel Spaß und Freude, liebe Leute, aber wer alt genug ist für lebensgefährdende Brandstiftung und Plünderung, ist auch alt genug für harte Strafen. Null-Toleranz für Zerstörungswut, das verkündete einst der knochenharte Super-Cop von Boston, Los Angeles und New York namens Bill Bratton, der aufräumte mit den jugendlichen Banden und ihren Verbrechen in seinen Städten und den Cameron ab Oktober nach London holt, als Berater. Aber wo ist der Cameron von Berlin?


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