28.01.2022

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27.08.11 / Die ostpreußische Familie / Leser helfen Lesern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-11 vom 27. August 2011

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied,

liebe Familienfreunde,

Ihr habt es rot auf weiß in der letzten Folge der „Ostpreußischen Familie“ gelesen, was da auf dem Sektor der elektronischen Kommunikation geschehen ist, knapp und kurz, aber informativ, sodass sich die mit diesem Medium vertrauten Leser schon ein Bild machen konnten. Ich dagegen nicht, als ich von einem zweiten E-Mail-Postfach hörte, das auf meinen Namen eingerichtet worden war – aber nicht abgerufen wurde. Das Ergebnis: Eine Unzahl von E-Mails blieb ungelesen! Was das für unsere Ostpreußische Familie bedeutet, wurde mir erst so langsam klar, als ich den Stapel von Briefen, die allein in der letzten Zeit dort eingingen, erhielt: Eine Aufarbeitung auch der wichtigsten Zuschriften aus früheren Jahren ist unmöglich! Und so bleibt mir nur eines übrig: Unsere Leserinnen und Leser, deren Fragen und Wünsche nicht berücksichtigt wurden, zu bitten, diese – wenn sie noch aktuell sind – uns noch einmal zuzusenden. Und möglichst auch ihre Telefonnummer mitzuteilen, damit ich mit den Betreffenden bei notwendigen Nachfragen direkt sprechen kann. Damit es keine weiteren Verzögerungen gibt, will ich jetzt den Gaul von hinten aufzäumen, also mit den letzten Eingängen beginnen.

Die Erinnerung an eine unvergessene Jugendliebe, die wir in Folge 30 brachten, hat wohl auch Frau Uta Pohle aus Büchen mit veranlasst, an uns zu schreiben. Denn auch ihr Onkel Herbert Backhaus hat eine solche erlebt, und sie blieb ebenfalls in seiner Erinnerung – bis heute. Obgleich es 66 Jahre her ist, seit er das letzte Lebenszeichen von ihr bekommen hat, hofft er immer noch, endlich zu erfahren, wie ihr weiteres Schicksal verlief, das sich in dem furchtbaren Geschehen der letzten Kriegswochen verliert. Frau Pohle hat nun den Suchweg über uns gewählt, und es könnte sein, dass doch noch einige Spuren zu der Frau führen, die der aus Mecklenburg stammende Herbert

Back­haus als 19-jähriger Soldat in Elbing kennen und lieben lernte. Sie hieß Sonja Werny, war in Elbing geboren und etwa gleichaltrig mit ihrem Freund, der zeitweilig auf einer Waffenschule in Großborn bei Allenstein war. Sonja Werny wohnte in der Hochstraße 73(?) und arbeitete als Technische Zeichnerin in der Schichauwerft. Wenn sie getrennt waren, schrieben sie sich fast täglich. In dem letzten Brief, den Herbert von Sonja erhalten und den er bis heute bewahrt hat, bedauert sie, dass sie an diesem Tag – es war der 19. Januar 1945! – keine Post von ihm erhalten hätte, aber er sollte wie immer einen Brief von „seinem Mädel“ bekommen. Zwar erwähnt Sonja, dass jetzt im Büro „was los sei“, ein Mitarbeiter nach dem andern werde eingezogen, es würde geflüstert, dass das Büro in das Waffenamt nach Berlin verlegt werden sollte, aber sie war sich wohl nicht der großen Gefahr bewusst, die doch schon auf der Schwelle stand. Denn sie schreibt: „Ich bin ja so gespannt, was sich jetzt in Elbing tut, das kannst Du Dir sicher vorstellen. Das Beste ist, Du kommst Elbing verteidigen, dann sind wir wenigstens zusammen. Aber was nützt das blöde Gequatsche, wir werden uns überraschen lassen.“ Was dann kam, war das Inferno, von dem Sonja wohl sofort mitgerissen wurde, denn es hat sich nie eine Spur von ihrem weiteren Schicksalsweg ergeben. Immer wieder hat Herbert Backhaus nach Sonja gesucht, aber selbst ihre damalige Freundin Ilse, die er nach dem Krieg traf, konnte nichts über ihren Verbleib in Erfahrung bringen. Da Sonja auf der Schichauwerft tätig war, ist es wahrscheinlich, dass sie als Zivilgefangene verschleppt wurde, falls sie überhaupt die Gräuel in Elbing überlebte. Oder gab es doch noch Versuche, die Dienststelle nach Berlin zu verlegen, die dann irgendwo scheiterten? Vielleicht finden sich noch ehemalige Elbinger – auch Nachbarn aus der Hochstraße – oder mögliche Lagergefährtinnen, die sich an Sonja Werny oder ihre Familie erinnern, damit ihr 86-jähriger Freund an seinem Lebensabend wenigstens etwas Klarheit über ihr Schicksal erhält und seine auf Video aufgezeichneten Lebenserinnerungen ergänzen kann. Dies ist die letzte Möglichkeit – so schreibt seine Nichte, und sie hat Recht. (Uta Pohle, Theodor-Körner-Straße 5 in 21514 Büchen, Telefon 04155/498222.)

Ich freue mich immer wieder über Bestätigungen unserer Arbeit, und da hat Frau Waltraut Schlüter aus Wuppertal eine neue Formulierung gefunden: Unsere Ostpreußische Familie bringt Licht in die helle und dunkle Vergangenheit. Und ihre eigene Familie betreffend möchte sie diese noch stärker durchleuchtet haben, denn sie ist ein Nachkriegskind, 1949 in Schleswig-Holstein geboren, und weiß viel zu wenig von der Vorgeschichte der Heimat ihrer Vorfahren: Masuren. Ihr Vater Paul Lask wurde 1911 in Niedzwetzken (Bärengrund) Kreis Treuburg geboren, Großvater Johann Lask in Sartycken, Großmutter Wilhelmine geborene Lyss in Wielitzken. Diese Orte fand Frau Schlüter zwar auf einer alten Landkarte, aber sie weiß nichts Näheres und hätte gerne mehr gewusst, ebenso über den Heimatort ihrer Mutter Hedwig Lask geborene Dzierma, die in Millau, Kreis Lyck geboren wurde. Immerhin konnte sie dieses Dorf am Skomantsee geografisch einordnen, aber nicht den Herkunftsort ihrer Großeltern mütterlicherseits, Gottlied Dzierma, *1878, und Marie geborene Mrowka, *1884 in Lobkau. Wer kann über diesen Ort etwas aussagen? Wenn es ihn überhaupt gab, denn er ist selbst auf alten Landkarten nicht zu finden. Ähnlich klingende Ortsnamen sind Lobau, Kreis Marienburg und Lokau, Kreis Rößel. Gerne hätte Frau Schlüter etwas über Verwandte aus dieser Linie erfahren, da sie so gut wie nichts über ihre Familie weiß. (Waltraut Schlüter, Rheinstraße 47 in 42107 Wuppertal)

In die „helle“ Vergangenheit unserer Heimat führt die Anfrage von Herrn Christian-Jörg Heidenreich aus Kremperheide, stellvertretender Kreisvertreter der Kreisgemeinschaft Schloßberg. Bei der Erstellung des nächsten Heimatbriefes, der Weihnachten 2011 herauskommt, fand er alte Unterlagen über eine Episode, die von dem Lasdehner Pfarrer Lengnick dokumentiert wurde. Seine Aufzeichnungen enthalten aber noch Hinweise auf weitere Ereignisse, darunter auf eine Geschichte, die Herrn Heidenreich besonders interessiert. Er bittet uns, seine Frage nach weiteren Informationen an unsere Leserschaft weiterzugeben, was wir gerne tun. Herr Heidenreich schreibt:

„Wer hat Episoden von Pfarrer Johann Ernst Lengnick (1760–1826), Pfarrer in Lasdehnen von 1789 bis zu seinem Tode am 26. August 1826? Wie mir bekannt wurde, hat Pfarrer Langnick viele Aufzeichnungen hinterlassen, Episoden aus Lasdehnen. Mir liegt lediglich die Geschichte ,Plötzliche Hochzeit in Lasdehnen‘ vor, die ich im Heimatbrief 2011 veröffentlichen werde. Es soll viele weitere Geschichten von Pfarrer Lengnick geben. Über eine Episode, die mich besonders interessiert, fand ich einen kurzen Hinweis. Danach geht es um folgendes Missgeschick: Das Preußische Königspaar war im Lasdehner Pfarrhaus abgestiegen. Zugegen war auch ein befreundeter russischer Großfürst, dessen Küche aus irgendwelchen Gründen in den Bach ging, das heißt in das treibende Eis der Scheschuppe. Pfarrer Lengnick soll an dem Missgeschick beteiligt gewesen sein, wenn auch gewiss nicht gerne. Wer kann mit dieser und anderen Episoden, die ich im Schloßberger Heimatbrief bringen möchte, weiterhelfen?“

Soweit die Bitte von Herrn Heidenreich, die sicherlich Resonanz finden wird. (Ch.-Jörg Heidenreich, Rockwischer Weg 22 in 25569 Kremperheide, Telefon 0481/8881580, Fax 04821/8881581, E-Mail: joergheidenreich@gmail.com)

Da wir schon bei dem Thema „Heimatgeschichte“ sind: Hier das freundliche Angebot einer Leserin, von dem sicherlich umgehend Gebrauch gemacht wird, denn für Heimatforscher dürfte es sich als Fundgrube erweisen. Frau Elisabet Grimm aus Solingen erhielt kürzlich von Bekannten die Fotokopie einer Chronik der Stadt Schippenbeil in Buchform, weinrot gebunden in Leder oder lederartigem Bezug. Auf der Innenseite steht: „Die Stadt Schippenbeil mit Berück­sichtigung des Kirchspiels und Umgebung, von Gustav Liek. Mit sechs Holzschnitten.“ Es folgen das Siegel der Stadt, Datum und Ort der Herausgabe (Königsberg 1874) und Verlag (Commissionsverlag von Braun & Weber). Wer Interesse hat, melde sich bitte bei Frau Grimm telefonisch. (Elisabet Grimm, Halfeshof 33 in 42651 Solingen, Telefon 0212/43299.)

Ein ganz besonderes Relikt aus der Vorkriegszeit konnte Herr Siegfried Neckritz aus Osnabrück entdecken, als er vor drei Jahren das Museum in Osterode besuchte. Und dass es wieder an die Stelle zurückkehrt, für die es bestimmt war, wird auf seine Initiative hin erfolgen. Es handelt sich um eine Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus Seegerswalde [Zajezierze], eine im Kreis Mohrungen bei Maldeuten gelegene kleine Ortschaft, früher Seegertswalde. Auf dieser Tafel sind die Namen von 15 Gefallenen verzeichnet mit Angaben über den Truppenteil, Datum ihres Todes und Sterbeort. Besonders berührt Herrn Neckritz, dass auch sein Onkel Wilhelm Neckritz auf dieser Gedenktafel verzeichnet ist. Dessen Elternhaus steht immer noch in Nickelshagen, am Torchen, es ist auch das großelterliche Haus von Siegfried Neck­ritz, denn sein Großvater, Hermann Neckritz, betrieb dort mit seiner Frau Dorothea geborene Zastrau eine Fischerei. Die Gedenktafel wurde in der kommunistischen Zeit aus der Kirche entfernt und nach der Wende dem Osteroder Museum übergeben – immerhin wurde sie damit gerettet. Und Herr Neckritz will auch dafür sorgen, dass sie wieder an ihren angestammten Platz in dem zu Seegerswalde gehörenden Gotteshaus zurückkehrt. Die ersten Schritte sind bereits getan: Bei einem erneuten Besuch im Jahr 2009 konnte er durch Vermittlung des Vorsitzenden der Deutschen Minderheit von der Direktorin des Museums die Tafel in Empfang nehmen, um sie zu restaurieren. Nach Fertigstellung soll sie feierlich in der Kirche wieder angebracht werden. Nun bittet Herr Neck­witz uns, ihm bei der Richtigstellung mancher Angaben, die unleserlich geworden oder kaum zu entziffern sind, zu helfen. Es handelt sich vor allem um folgende Namen: Gefr. Herm. Zo(tock?), Seegerswalde, (Vorname unleserlich) Grews oder Greibs und Musk. Friedr. Lunkwitz, Seegerswalde. Die anderen Namen sind identifizierbar, aber nicht die Truppenteile. Eine Klärung wird schwierig, denn immerhin sind fast 100 Jahre vergangen und es dürften in den betreffenden Familien kaum Unterlagen vorhanden sein. Aber vielleicht werden Erinnerungen geweckt, denn Herr Neckritz ist ja auch unerwartet auf den Namen seines Onkels gestoßen, möglicherweise entdeckt nun manch ein anderer Leser den Namen eines Verwandten. Siegfried Neckritz wäre für jeden Hinweis dankbar, und wir hoffen mit ihm, dass die Restaurierung gelingt. Bei dem lückenhaften Spruch konnte ich ihm helfen, so bibelfest bin ich noch: Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. (Siegfried Neckwitz, Anhalter Weg 10 in 49088 Osnabrück, Telefon 0541/15856.)

Eure Ruth Geede

Foto: Gedenktafel aus der Kirche in Seegerswalde


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