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27.08.11 / Neues über Luftkrieg / Beachtenswerte Infos trotz politischer Korrektheit

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-11 vom 27. August 2011

Neues über Luftkrieg
Beachtenswerte Infos trotz politischer Korrektheit

Wer meinte, der Luftkrieg gegen Deutschland und Großbritannien im Zweiten Weltkrieg sei bereits erschöpfend behandelt worden, wird durch das Buch von Dietmar Süß „Tod aus der Luft“ eines Besseren belehrt.

Süß untersucht das Innenleben der beiden am härtesten vom Luftkrieg betroffenen Länder, Deutschland und Großbritannien. In seiner bemerkenswerten Fleißarbeit – 580 Seiten Text, 130 Seiten wissenschaftlicher Apparat – stellt er dar, wie die Staatsführungen dieser neuen Form des Krieges entgegentraten, wie sie die innere Front stabil hielten, die Verwaltungsgänge organisierten, diese Form der Kriegführung begründeten, obwohl es durchaus problematisch ist, dieselben Beurteilungsmaßstäbe anzulegen, war doch der Luftkrieg gegen Deutschland mit insgesamt 600000 Opfern von ganz anderer Qualität als der gegen England mit nur 60000 Toten.

Offenbar sollte das Buch eine Habilitationsschrift sein und da kann man nicht erwarten, dass der Autor vom Pfad der politischen Korrektheit abweicht. Und so muss man denn die Ausdrücke aus der antifaschistischen Propagandakiste in Kauf nehmen vom angeblichen deutschen „Überfall“ bis zum „NS-Regime“. Die zerstörten deutschen Städte waren „Städte des Dritten Reiches“. Auf die Zivilbevölkerung gerichtete Bombenteppiche der RAF „Kriegsverbrechen“ zu nennen, ist für Süß die Fortsetzung der nationalsozialistischen Propaganda. Und die Luftangriffe der deutschen und italienischen Luftwaffe während des Spanischen Bürgerkrieges auf Guernica sind für ihn „Terrorangriffe“. Die vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt darüber veröffentlichten, wissenschaftlichen Darstellungen von Klaus A. Mayer, Hans-Henning Abendroth und Horst Boog, die diese kommunistische Legende widerlegen, nimmt er nicht zur Kenntnis.

Wenn man dergleichen übersieht, bietet das Buch viel Neues. Man erfährt, dass die verwaltungstechnischen Verfahren, um mit dem Luftkrieg und seinen Folgen fertig zu werden, in beiden Ländern im Grundsätzlichen gleich waren. Bemerkenswert ist Süß’ Feststellung, dass England längst vor Kriegsbeginn mit den Vorbereitungen begann, eine Heimatfront und seine Luftverteidigung aufzubauen.

Der Aufbau und die Organisation waren nahezu gleich, wenn auch auf diesem Gebiet England Vorreiter war. Die psychologische Stärkung der eigenen Bevölkerung unterschied sich in beiden Ländern in den Grundzügen nicht. Es ging auf beiden Seiten ums „Durchhalten“. Auf deutscher Seite kämpfte die „Volksgemeinschaft“, auf englischer Seite war es „People’s War“, der Volkskrieg. Die Standhaftigkeit der eigenen Bürger wurde heroisiert, der Gegner verteufelt: hier Luftgangster und Terrorbomber, dort Hunnen und Vertreter des „Bösen“.

Vor allem Untersuchungen gleich nach dem Krieg führten zu dem Schluss, dass weder in Deutschland noch in England die Moral der Bevölkerung gebrochen wurde. Sie hielt genau so stand wie die Soldaten.

Man wundert sich über einige Lücken im Verzeichnis der vom Verfasser verarbeiteten Literatur. So fehlt eines der ersten gründlichen deutschsprachigen, wissenschaftlichen Werke, „Alliierter Bombenterror. Der Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung Europas 1940–1945“ (erschienen 1986) von Maximilian Czesany ebenso wie Björn Schumacher, „Die Zerstörung deutscher Städte im Luftkrieg (2008), vor allem aber J. M. Spaight, „Bombing Vindicated“, in dem sich der Staatssekretär schon 1944 rühmte, dass es Großbritannien war, das den Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung begonnen hat.

Offenbar ist Süß der gleichen Ansicht wie die britischen Verantwortlichen für den Luftkrieg, von denen er schreibt, sie hätten Besseres zu tun gehabt, als sich um unklare völkerrechtliche Regelungen zu kümmern. Man muss trotzdem das Buch wegen seiner Fülle von Fakten begrüßen. Wer hat denn vorher gewusst, dass es im Gegensatz zu den hierzulande verbreiteten Behauptungen sehr wohl den Ostarbeitern erlaubt war, die öffentlichen Luftschutzräume zu betreten? Und wer staunt nicht, wenn er von Süß erfährt, dass unter der englischen Bevölkerung eine weit verbreitete Abneigung dagegen bestand, gemeinsam mit Schwarzen, Indern und Juden in einem Luftschutzraum zu sitzen?          Hans-Joachim von Leesen

Dietmar Süß: „Tod aus der Luft. Kriegsgesellschaft und Luftkrieg in Deutschland und England“, Siedler Verlag, München 2011, geb., 720 Seiten, 29,99 Euro.


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