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27.08.11 / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-11 vom 27. August 2011

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Glückwunsch / Was Modrow nicht vergessen kann, wieso Kim Jong-il keine Geburtstagskarte bekommt, und warum die Griechen so glücklich sind

Machen die das mit Absicht? In der Linkspartei schwelt ein fürchterlicher Verdacht. Nämlich der, dass die beiden Parteichefs, Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, den roten Wagen ganz bewusst von einem Graben in den nächsten steuern. Vergangene Woche hatten wir uns noch über allerlei Merkwürdigkeiten beim Mauergedenken gewundert, an denen auch Lötzsch nicht unbeteiligt war.

Wir ahnten nicht, dass Lötzsch und Klaus in ihrer kommunistischen Giftküche schon längst dabei waren, die nächste Brühe anzurühren: den Glückwunschbrief an Fidel Castro. Der liest sich, als hätte Erich Honecker seinem Genossen Leonid Breschnew gratuliert. Das ganze Geschwafel von „Kampf“ und „Errungenschaften“ und anderer bolschewistischer Blödsinn steht da drin.

Im Zuge der allgemeinen Übelkeit kam dann noch heraus, dass der „große alte Mann“ der Linkspartei, Hans Modrow, ebenfalls zur Feder gegriffen hatte. Seinem „lieben Genossen Fidel Castro“ schrieb der frühere SED-Bezirks­chef, Kuba werde „für viele Generationen auch in Europa eine Insel der Hoffnung für eine sozialistische Zukunft sein“. Modrow, der offiziell Präsident des Ältestenrates seiner Partei ist, spart nicht mit Schleim für den „Mássimo Líder“: „Unsere Gespräche und Treffen bleiben für mich unvergesslich.“ Zum Schluss wünscht er dem „kubanischen Volk viel Erfolg im revolutionären Prozess“ und verabschiedet sich „mit revolutionären und solidarischen Grüßen“.

Wer das liest, hat den Eindruck, Zombies aus dem ideologischen Jenseits begegnet zu sein. Ist dieser Mist denn nicht längst tot und begraben? Selbst viele Deutsche vom linken Rand scheinen die Wiederauferstehung ihrer blutigen Vergangenheit als Glück­wunschkarte nicht wirklich zu genießen. Die Umfragewerte der Linkspartei brechen ein, die Wahlkämpfer bei den bevorstehenden Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sind dem Nervenzusammenbruch nahe.

Immerhin können sich die Linken glück­lich schätzen, dass sie nicht auf die gleiche Weise abgeurteilt werden wie Kleinparteien weiter rechts. Dort gilt die Gleichung: „Ein Faschist plus 30 Nichtfaschisten macht 31 Faschisten.“ Soll heißen: Wenn bei einer dieser immer mal wieder sprießenden neuen Parteien rechts der Mitte auch nur ein oder zwei Krakeelköppe von der angebräunten Art auftauchen, dann ist der gesamte Laden „Nazi“, selbst wenn den beiden Deppen dreitausend gestandene Demokraten in den Arm fallen. Kameraführung und Nachrichtenauswahl machen das Bild, nicht die Gegendarstellungen.

Links wird anders sortiert: Eigentlich haben wir alles gehört, was für ein niederschmetterndes Gesamt­urteil vonnöten wäre: Verteidigung von Mauer und Stasi, Relativierung der SED-Verbrechen und Rechtfertigung der Teilung  Deutschlands, Gesine Lötzschs öffentliche Suche nach „Wegen zum Kommunismus“, bei der sie keinen Piep über die Millionen Opfer der letzten Wegbeschreitung verlor, jetzt wieder Mauer und zuletzt Castro, in dessen Folterkellern Menschen ohne Zahl ein grausiges Ende fanden.

Macht alles nichts: Es gibt ja  die „Reformer“, auf die wir unser Augenmerk zu richten haben, wir, die wir doch auf keinen Fall als „dumpfe Antikommunisten“ ausgeladen werden wollen. Die Frage, wie reformerisch die Reformer noch sind, wenn die Tür hinter ihnen zugefallen ist, die verbietet sich von selbst. Kommunisten lügen nicht, haben sie noch nie getan und „niemand hat die Absicht ...“, sie zu verdächtigen. Vielmehr fiebern wir dem 16. Februar entgegen. Dann hat Kim Jong-il seinen Ehrentag. Der „geliebte Führer“ Nord-Koreas freut sich bestimmt schon auf ein paar herzliche Genossenworte aus Berlin. Viel Post kriegt der nicht. Bis auf die, die seine Einpeitscher beim eigenen Volk angefordert haben.

Womöglich aber wird er enttäuscht werden. Kuba hat einen entscheidenden Vorteil: das Wetter, die Musik und die heiteren Leute. „Sozialismus unter Palmen“ – das klingt wie der landgewordene Traum eines Arno Dübel: Den ganzen Tag in der karibischen Sonne rumhängen und trotzdem alles kriegen, was man zum gemütlichen Leben benötigt. Sie kennen Dübel, das ist der, der sich den Promi-Titel „Frechster Arbeitsloser Deutschlands“ erfaulenzt hat.

Nord-Korea hingegen fehlen die Palmen und die Sonne, die Musik ist für unsere europäischen Ohren gewöhnungsbedürftig und die Leute sehen entweder verhärmt aus oder wie aufgezogen. Kurz gesagt: Dem sozialistischen Paradies des Kim Jong-il fehlt die Schminke, unter der sich Kubas rote Realität so wunderbar verbergen lässt. Deswegen eignet sich die Zucker­insel als „Insel der Hoffnung“ so viel besser, und deshalb kriegt Kim auch keinen Brief. Gerecht ist das nicht, aber was soll man machen? Armer  Kim. Doch tröste dich, im Geiste sind deine deutschen Genossen gewiss bei dir, auch wenn sie das (noch) nicht so offen zeigen wollen. Obwohl sich der kommende Geburtstag besonders gut eignen würde, mal wieder von sich hören zu lassen. Es gibt nämlich nur eine einzige Landtagswahl zu verlieren, am 6. Mai in Schleswig-Holstein.

Allerdings kann man sich bei Wahlen in Demokratien nie so völlig sicher sei. Nicht bloß das Ergebnis ist im Unterschied zu realsozialistischen Urnengängen nur schwer vorherzusehen, was einer der Gründe sein dürfte, warum weiter nach „Wegen zum Kommunismus“ gesucht wird. Nein, selbst das Datum kann sich unversehens verschieben.

Es kam immer mal wieder vor, dass Regierungen vor der Zeit auseinanderbrachen und neu gewählt werden musste. Was, wenn den Linken ausgerechnet nach dem Kim-Brief eine unverhoffte Bundestagswahl in die Quere kommt? Dass Angela Merkel in Sachen Schulden- und Eurokrise plötzlich auf dialogbereit macht, hat ernste Gründe. Beim kleinen Koalitionspartner haben sich die Euro-Skeptiker zu einer veritablen innerparteilichen Opposition gemausert. Und auch bei Merkels Union zieht die Skepsis immer weitere Kreise.

Den Aufmüpfigen passt die ganze Richtung nicht: Erst haben die Finanzmärkte Schuldtitel von schlechter Bonität mit solchen von guter Bonität zu „gebündelten Wertpapieren“ verrührt, damit die Guten die Schlechten gesund machen. Herausgekommen ist das Gegenteil: Die Guten wurden angesteckt, Resultat war der globale Beinahe-Zusammenbruch von 2008. Danach haben die Staaten ihre (damals noch) gute Bonität per „Bankenrettung“ mit der schlechten Bonität der Geldhäuser verrührt, damit die Banken gesunden mögen. Herausgekommen ist – na was? – das Gegenteil: Etliche Staaten steckten sich mit der schlechten Bonität ihrer Finanzinstitute an und liegen nun selber auf der Krankenstation.

Jetzt soll deren schlechte Bonität daran gesunden, dass man sie mit der (noch) guten Bonität anderer Länder wie Deutschland verrührt. Durch Bürgschaften, Kredite, Rettungsschirme und was noch alles. Am Ende durch Vergemeinschaftung der Schulden durch die „Euro-Bonds“. Herauskommen wird – na was? Ja, ist doch klar: Herauskommen wird, dass alle wieder kerngesund sind. Sagt man. Die Idee, dass man Ansteckung am besten dadurch verhindert, dass man die Kranken und die Gesunden Bauch auf Bauch aneinanderbindet, die hat in der Medizin allerdings relativ wenige Anhänger. Dort hält man es eher mit Quarantäne. Wie unsolidarisch!

Die Lust an der Solidarität geht den Deutschen jedoch langsam aus. Laut einer Umfrage sind die Deutschen die unglücklichsten Menschen in Europa, die Griechen hingegen fühlen sich zu 80 Prozent glücklich. Die „Neue Zürcher Zeitung“ vermutet, dass die Griechen trotz Krise so glücklich sind, weil sie wüssten, dass die Deutschen am Ende sowieso alles zahlen. Und die Deutschen? Die seien so unglücklich, weil sie ahnten, was die Griechen so glücklich macht.


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