21.01.2022

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10.09.11 / Die ostpreußische Familie / Leser helfen Lesern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-11 vom 10. September 2011

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied, 
liebe Familienfreunde,

ich freue mich immer, wenn ich über Erfolge berichten kann. So schildert Frau Hannelore Müller aus Löhne, dass endlich Bewegung in das Vorhaben von Frau Anne Rekkaro aus Estland, die das Buch „Frauen in Königsberg 1945–1948“ in estnischer Sprache herausbringen will, gekommen ist. Frau Müller ist eine der Autorinnen dieser Anthologie, deren Rechte bei der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen in Bonn liegen, bei der Anne Rekkaro um die Genehmigung zur Übersetzung gebeten hatte. Leider vergeb­lich, ihre Anfragen blieben ohne Antwort. Wir berichteten darüber in der PAZ Folge 22, als wir Frau Rekkaros erste Arbeit auf diesem Gebiet, die estnische Ausgabe des Buches „Iwan, das Panjepferd“ von Heinz Buchholz, vorstellten. Dass diese völkerverbindende Kulturarbeit weitergehen kann, dafür gibt es nun gute Anzeichen.

„Zunächst erhielt ich einen Anruf aus Bonn“, schreibt Hannelore Müller. Am Telefon meldete sich ein Cousin von Frau Rekkaro und sagte, dass er von ihrer Absicht, das Buch zu übersetzen, erfahren habe. Daraufhin hätte er sich an die Kulturstiftung gewandt, zu der er „zu Fuß hingehen kann“, wie er sagte. Doch die Verhandlungen seien schwierig, bekam er zu hören, es ginge vor allem um die Rechte für das Vorwort. Aber dann gab es für Frau Müller selber eine Überraschung, denn der Anrufer teilte ihr mit, dass er sich und sein Schicksal in dem Buch wiedergefunden habe. Er war einer der Jungen aus dem Preußisch Eylauer Gefangenenlager, die den Mädchen während der Ausreise im April 1948 die Bretter aus dem Boden des verplombten Wagens schlugen, damit diese ihre Notdurft verrichten konnten. So hatte es Hannelore Müller auch in dem Buch beschrieben, das er nicht gelesen hatte, bis er von Frau Rekkaros Vorhaben hörte. An die grausame Zeit wollte er bis dahin nicht erinnert werden – so geht es ja vielen Vertriebenen, die damals Kinder waren. Aber nun dies! „Wir verbrachten also ungefähr zehn Wochen gemeinsam im Waisenhaus Pr. Eylau“, schreibt Frau Müller, „reisten im selben Waggon ,ins Reich‘ und hielten uns danach auch einige Zeit zusammen im Kinderheim Wiek auf Rügen auf. Die Überraschung war groß.“ Doch es geschah noch mehr. Als Hannelore Müller dieses Erlebnis ihrer Schicksalsgefährtin Helga van de Loo erzählte, erbot diese sich – da sie ja auch in Bonn wohnte –, ebenfalls bei der Kulturstiftung nachzuhaken. Sie erfuhr, dass die Berichte der drei Autorinnen von der Kulturstiftung inzwischen freigegeben wurden. Es geht also nur noch um das Vorwort, an dessen Verfasser sich Frau van de Loo direkt wandte, da er ihr aus ihrer beruflichen Tätigkeit an der Uni Bonn bekannt war. Soweit sind die Erfolge gediehen, von denen Frau Müller nun Frau Rekkaro direkt berichten konnte. Ihre Antwort zeigte die Freude über diese positive Entwicklung, nun könnte sie endlich mit der Übersetzungsarbeit beginnen. „Hoffentlich wird sie dann bis zum Frühling fertig“, schreibt Anne Rekkaro. Mut hat ihr auch der Erfolg ihrer Erstübersetzung gegeben. „Iwan, das Panjepferd“ hat in Estland großes Interesse gefunden, gerade hat Frau Rekkaro sich in Tallinn mit Journalisten getroffen, die sich mit Ostpreußen und der Vertreibung befassen. Dass auch das Buch „Frauen in Königsberg 1945–1948“ nicht das letzte sein wird, das sie ins Estnische übersetzen wird, erwähnten wir schon in unserem früheren Bericht. Im Visier hat sie „Ich sah Königsberg sterben“ von Hans Deichelmann. Hierzu hat Frau Elisabeth Meier, Geschäftsführerin des Vereins für Familienforschung, Gevelsberg, uns eine wichtige Information übermittelt. In der Zeitschrift des Vereins „Altpreußische Geschlechterkunde, Neue Folge, Band 25 (1995)“ erschien dieser Bericht als genehmigter Nachdruck aus den „Aachener Nachrichten“, die ihn in Fortsetzungen veröffentlichten. Frau Meier konnte nun wertvolle Hinweise auf das Urheberrecht geben, die wir an Frau Rekkaro weiterleiteten. Dafür unseren herzlichen Dank, liebe Frau Meier.

Wir bleiben weiter am Ball – so hatte ich versprochen, als die ersten Klärungsversuche im „Fall Smeilus“ neue Erkenntnisse erbrachten. Die mit Hilfe seines Enkels Richard gestellten Fragen des in England lebenden Ostpreußen Bruno Smeilus nach seiner Herkunft hatten viele Leser berührt, die sich auf die Suche machten, dem betagten fast blinden Landsmann zu helfen, seine Wurzeln zu finden. Nun hat sich auch Herr Dirk Oelmann bemüht, der auf die erste Veröffentlichung der Suchfrage in Folge 20 eingeht, in der auch ein älterer Bruder des Suchenden, Reinhold Smeilus, erwähnt wurde. Herr Oelmann hat die „Gräbersuche Online“ vom Kriegsgräberbund durchgeführt. Es ist ein Reinhold Smeilus, *27. August 1922 in Natkischken, verzeichnet, der seit dem 28. April 1942 in Krassna-Gorka in der Nähe von Leningrad vermisst wird. Nun will sich aber Bruno Smeilus erinnern, dass sein Bruder Reinhold bei der Luftwaffe war und erst 1943 beim Luftkampf über England gefallen sein soll. Obgleich das Geburtsjahr stimmen könnte, dürfte aber der an der Ostfront vermisste Reinhold nicht der Bruder des Suchenden gewesen sein. Mit dem Namen Smeilus gibt es beim Kriegsgräberbund noch 20 weitere Eintragungen, der Familienname war im nördlichen Ostpreußen gar nicht so selten. Wie auch bereits Herr Walter Klink feststellen musste, dem wir es in dieser Angelegenheit zu verdanken haben, dass als Wohnort von Brunos Eltern der richtige Ort Grünheide im Kreis Insterburg gefunden wurde. Dies also als kleiner Zwischenbericht über den „Fall Smeilus“, der uns noch lange beschäftigen wird.

Unser Landsmann und Leser Hans-Gerd Meyer aus München kann nun auch die Lücke in seiner Familienchronik Lackner-Titz schließen, wie er es erhofft hatte. Es geht um eine seiner Ahnfrauen, die 1758 in Loschen, Kreis Pr. Eylau, geboren wurde. Diesen Ort konnte Herr Meyer auch auf älteren Karten nicht finden und bat deshalb unsere Ostpreußische Familie um Hilfe. Die kam prompt: Frau Gisela Masurowski und Herr Dieter Mombour aus Hohen Wangelin hatten Loschen auf der Schroetter-Karte von 1802 gefunden, auf der akribisch jeder noch so kleine Ort verzeichnet ist. Die Karte wird im Gebrauch deshalb so genannt, weil sie unter Leitung des damaligen Königl. Preußischen Staatsministers Freiherr von Schroetter in den Jahren 1796 bis 1802 erarbeitet wurde. Sie trägt den Titel: „Karte von Ost-Preussen nebst Preussisch Litthauen und West-Preussen nebst dem Netzdistrikt“ und zeigt ein Porträt des Herausgebers. Eine wahre Fundgrube für Ortsnamen, die schon lange erloschen sind – aber das gesuchte Loschen ist es nicht, denn es wird im „Städte­atlas Ostpreußen“ als 400-Seelen-Dorf namentlich bis 1945 genannt. Der Ort liegt an der Strecke Pr. Eylau – Bartenstein am heutigen Grenzübergang zwischen Polen und Russland. Eine bessere Antwort hätte sich Herr Meyer nicht wünschen können. Ein herzlicher Dank geht nach Hohen Wangelin.

Und dabei wären wir wieder beim Thema „Familienchronik“. Frau Christel Rau aus Brachrade besitzt ein Foto aus alter Zeit, mit dem sie, wie sie schreibt, leider nicht viel anfangen kann. Sie hat es in ihrer Familie herumgereicht, aber niemand kennt die Personen bis auf das ältere Ehepaar in der hinteren Reihe, denn das sind die Großeltern von Frau Rau, eine geborene Stadie. Ihr Großvater Franz Stadie, *1878 in Tauroggen, und seine Frau Auguste geborene Leutschat aus Thomaten, Kreis Elchniederung besaßen das Gut Rheinlauken (Insterbruch) bei Kraupischken (Breitenstein). Außerdem betrieb Franz Stadie eine Fleischerei in der Hohen Straße in Tilsit. Mit diesem Geschäft bringt Frau Rau das unbekannte Brautpaar auf dem Hochzeitsbild in Verbindung. Sie vermutet, dass es sich bei der Braut um die Verkäuferin Gertrud Schloemp handelt, die hier mit ihrem soeben angetrauten Ehemann Bruno Schloemp zu sehen ist. Ihren Mädchennamen weiß Frau Rau allerdings nicht. Nach dem Krieg hatte es das Ehepaar Schloemp in das niedersächsische Bodenfelde an der Weser verschlagen, wo sie eine eigene Schlachterei betrieben, in der Frau Raus Bruder Axel Stadie das Fleischerhandwerk erlernte. Christel Rau, 1936 in Tilsit geboren, hat Gertrud und Bruno Schloemp erst in den 80er Jahren kennengelernt. Leider war damals das Foto noch nicht in ihren Händen. Vielleicht lebt noch jemand aus dieser Familie, zu der sicher auch die auf dem Foto abgebildeten Kinder gehören. Gertrud und Bruno Schloemp hatten selber keine Nachkommen. Die Großeltern von Christel Rau überlebten zwar auch Kriegsende und Vertreibung, aber Franz Stadie verstarb bereits im Oktober 1945 in Boitzenburg an der Elbe. Seine Frau folgte ihm zwölf Jahre später in Kiel. Christel Rau, die auf dem zwischen Brittanien und Heinrichswalde gelegenen elterlichen Hof Adl. Lehmbruch aufwuchs, ist zweimal in die Heimat zurückgekehrt. Doch das ist ein anderes Kapitel. Hier und heute geht es um die Frage: Wer kann etwas zu dem Hochzeitsbild und den darauf abgebildeten Personen sagen? Auguste und Franz Stadie stehen hinter dem Brautpaar. (Christel Rau, Brackrade 37 in 23715 Bosau, Telefon 0452/7729)

Erinnert Ihr Euch noch an die Kaninchenfutter-Frage? Es war erstaunlich, welche Wellen diese kleine Anfrage von Frau Dorothea Blankenagel schlug, sogar bis nach Brasilien. Komfrei hatte sich ja schnell als das jedem nur halbwegs Kräuterkundigen bekannte und oft angewandte Beinwell aufgeklärt, die „Seeblätter“ aber blieben rätselhaft, bis Frau Hanna Lenczewski auch dafür die Lösung fand: Huflattichblätter, die klein geschnitten vor allem dem Schweinefutter zugemischt wurden. „Sie wuchsen bei uns in Palmnicken überall auf dem Seeberg, und wenn ich im Juli wieder dorthin fahre, werde ich mich danach umsehen“, versprach Frau Lenczewski. Das hat sie auch getan und übersandte uns nun hübsche Bilder von den Huflattichblättern auf dem Seeberg als einen ganz besonderen Gruß aus der Heimat. Als wir Kinder waren, hat uns Muttchen die Blätter auf wunde Stellen gelegt, sie kühlten so schön. Diesen Kühleffekt nutzten früher auch unsere – noch nicht wie wir mit modernen Haushaltsgeräten verwöhnten – Großmütter aus, sie wickelten im Sommer die Butter darin ein und hängten die Päckchen in den Brunnen, so blieb sie kühl und fest. Ja, sie verstanden schon, mit den Gaben der Natur umzugehen, und waren erfahren im Umgang mit Heilkräutern. Manches Wissenswerte haben wir noch mitbekommen und das vermutet auch eine österreichische Biologiestudentin.

„Ich möchte gerne mit der älteren Generation aus Ostpreußen über ihr Wissen bezüglich Heilpflanzen sprechen.“ So lautet der Wunsch von Frau Lisa Karlhuber aus Österreich. Die Biologiestudentin an der Uni Salzburg bereitet eine wissenschaftliche Arbeit über Heilpflanzen und deren Anwendung vor. Da dürfte sie bei uns an der richtigen Adresse sein. Von Generation zu Generation hat sich in unserem Land das Wissen über die Heilkräfte der Natur vererbt und ist heute noch nicht erloschen, sondern gefragt wie nie zuvor. Wie diese Bitte der Studentin beweist, die mit erfahrenen Leserinnen und Lesern darüber sprechen möchte, wie sie die Heilpflanzen verwenden und woher sie ihr Wissen bekommen haben. Frau Karlhuber ist über ihre E-Mail Adresse splemili@yahoo.de oder über die Telefonnummer (0043) 664/5669216 zu erreichen. Eine SMS genügt, sie ruft gerne zurück.

Eure Ruth Geede


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