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24.12.11 / Vielen zu papstnah / Hochmeister Gerhard von Malberg verlor vorzeitig sein Amt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 51-11 vom 24. Dezember 2011

Vielen zu papstnah
Hochmeister Gerhard von Malberg verlor vorzeitig sein Amt

Zu Zeiten Hermann von Salzas hatte der Deutsche Orden noch vom Streit zwischen Kaiser und Papst profitiert, weil der Hochmeister zum Wohle aller einschließlich seines Ordens erfolgreich hatte vermitteln können. Sein Nachfolger Konrad von Thüringen war an der Aufgabe der Vermittlung schon gescheitert. Und in der Hochmeisterära Gerhard von Malbergs schließlich hielt der Streit auch Einzug in den Orden selbst und brachte ihn an den Rand der Spaltung.

Gerhards Vorgänger waren Thüringer gewesen, deren Landgrafen zu den treuesten und mächtigsten Verbündeten der Stauferkaiser gehörten. Bei Gerhard von Malberg war das anders. Er entstammte dem Ort Malberg bei Killberg in der Eifel, das sein Vater, Theodor Graf von Are, zum Lehen hatte. Im Gegensatz zu seinen beiden thüringischen Vorgängern war bei ihm seine Loyalität gegenüber den Stauferkaisern nicht mehr über jeden Zweifel erhaben. Das hat möglicherweise auch dazu geführt, dass es ihm im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern nicht vergönnt war, das Hochmeisteramt bis zu seinem Lebensende auszuüben.

An Gerhard ist auch bemerkenswert, dass er vor seiner Ordenszeit eine Familie gegründet hatte. Er hatte geheiratet und mit seiner Ehefrau zwei Söhne, Theoderich und Otto. Nach dem Tode seiner Frau oder mit deren Zustimmung trat er in den Deutschen Orden ein. Dort machte er Karriere. Als mögliche Gründe werden die edle Abstammung des Grafensohns und seine guten Beziehungen zu den Johannitern genannt, mit denen der Deutsche Orden damals viel zu tun hatte.

Mit seiner eher propäpstlichen als prokaiserlichen Einstellung und mit seinem Eintreten für eine Schwerpunktsetzung des Ordens­engagements im Heiligen Land statt in Preußen blieb er jedoch im zweiten Glied, solange Hermann von Salza und Konrad von Thüringen die Geschicke des Ordens lenkten. Erst nach deren Tod wurde er Hochmeister. Seine Investitur mit dem Ring durch den Papst 1243 zeigt sein gutes Verhältnis zum Heiligen Stuhl.

Längerfristig konnte sich Gerhard mit seinem Kursschwenk jedoch nicht durchsetzen. Denn 1244 wurde er zum Rücktritt gedrängt. Inwieweit neben dem politischen Richtungsstreit unritterliches Verhalten ein weiterer Grund für Gerhards vorzeitiges Ausscheiden aus dem Amt war, ist unklar. So spricht Kurt Forst­reuter von selbstsüchtiger und leichtsinniger Geldwirtschaft, die ihm vorzuwerfen sei. Klaus Arnold jedoch meint, dass es weniger um persönliche Verfehlungen innerhalb des Ordens gegangen zu sein scheint. Er begründet das damit, dass Gerhard sonst nicht etliche Anhänger behalten hätte.

In der Tat war Gerhard nicht bereit, sich mit seiner Ersetzung durch einen neuen Hochmeister abzufinden. Er trat weiter als Hochmeister auf und ging als solcher erhebliche Verbindlichkeiten ein. Um Frieden in den Orden zu bringen, wurde Gerhard 1245 eine goldene Brücke zum Verlassen des Ordens gebaut. Der Papst bot ihm die Aufnahme in den Temp­lerorden an und der Deutsche Orden war bereit, seine Schulden zu übernehmen. Gerhard betrat diese goldene Brücke jedoch nicht. Vielmehr verblieb er im Deutschen Orden, allerdings nicht mehr als Hochmeister, sondern in untergeordneter Stellung. Er wurde mit der Verwaltung der Balleien (Ritterordensprovinz) Flandern und Francien betraut.

Allerdings erwies sich diese Lösung eines Verbleibs im zweiten Glied nicht als tragfähig. Noch im Jahr 1245 erteilte der Papst die Erlaubnis zur Absetzung Gerhards. Spätestens 1247 ist der sechste Hochmeister des Deutschen Ordens gestorben. Manuel Ruoff


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