27.01.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
24.12.11 / »Ich übertrage das Gefühl« / OL zeigt Werke des ostpreußischen Malers Eduard Bischoff

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 51-11 vom 24. Dezember 2011

»Ich übertrage das Gefühl«
OL zeigt Werke des ostpreußischen Malers Eduard Bischoff

Die Kunst des 20. Jahrhunderts aus den historischen deutschen Ostgebieten kennt nur wenige Künstler, die so charakteristisch für eine Region und ein östliches Kunstzentrum stehen wie es der Königsberger Maler Eduard Bischoff für Ostpreußen und die Königsberger Kunstakademie tun. Zudem war es ihm vergönnt, nach 1945 in der Bundesrepublik noch für gut 20 Jahre zu arbeiten und die Kunsttraditionen seiner kulturellen Wurzeln aus Ostpreußen in die Kunstlandschaft seiner neuen Heimat einzubringen. Der 1890 in Königsberg/Pr. geborene Maler Eduard Bischoff gehört zu den führenden Künstlern Ostpreußens im 20. Jahrhundert. Seine Studienzeit an der Kunstakademie seiner Heimatstadt 1910-14 fällt in deren Blütezeit unter dem Direktorat von Ludwig Dettmann, dessen Meisterschüler Bischoff wurde.

Nach Kriegsende 1918 ließ er sich als freischaffender Künstler nieder und errang in wenigen Jahren ein einen angesehenen Namen. In dieser Zeit begann er außerdem ein intensives Schaffen auf der Kurischen Nehrung im Kreis der damals gerade zum Begriff gewordenen Künstlerkolonie Nidden. Bischoff entwickelte seinen eigenen Stil aus dem Eindruck des Spätwerks von Lovis Corinth, aus seinem Schaffen vor der Natur, zum Beispiel in Nidden, wie aus verschiedenen Anregungen aus Expressionismus und Neuer Sachlichkeit. Seiner wachsenden Bedeutung als Künstler in Ostpreußen entsprach schließlich die Berufung an die Königsberger Kunstakademie, wo er als Lehrer sehr erfolgreich wirkte.

Trotz Flucht und Heimatverlust 1945 gelang es dem Maler schon 1946, seine Arbeit im Westen fortzusetzen, zunächst in der Lüneburger Heide, ab 1948 in der Künstlersiedlung Halfmannshof bei Gelsenkirchen. Auf allen Arbeitsfeldern setzte er sein Werk fort, in der Ölmalerei, Wandmalerei und Grafik. Neue Eindrücke, verstärkt durch viele Reisen in Europa und nach Afrika, führten dabei zu einem Stilwandel hin zu großzügigeren Formen und Kompositionen. Bei allem Neuen blieben jedoch auch die Erinnerungen an Erlebnisse und Bildmotive aus seiner ostpreußischen Heimat weiterhin Themen vieler seiner Arbeiten. In seinem Alterswohnsitz in Soest/Westfalen ist Eduard Bischoff 1974 gestorben.

Die Ausstellung im Ostpreußischen Landesmuseum bietet erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder in über 50 Werken einen großen Überblick über das Gesamtwerk des Malers. Mit großzügiger Unterstützung durch den Enkel des Malers, den Notar Ingo-Endrick Lankau, der den umfangreichen Künstlernachlass verwaltet, gelingt es, alle Schaffensphasen Eduard Bischoffs mit beispielhaften Werken darzustellen. Eine solche in die Tiefe gehende Darstellung ostpreußischer Kunst gelingt heute nur noch bei ganz wenigen Malern. Zuviel ging im Laufe der Jahrzehnte seit 1945 verloren. Seine Werke ebenso wie auch die seiner Schüler bilden einen wichtigen Bestand in der Gemäldesammlung unseres Museums – welche wohl als die größte und bedeutendste der Stadt gelten darf. Die neue Ausstellung im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg ist noch bis zum 9. April 2012 zu sehen. OL

Ostpreußisches Landesmuseum, Ritterstraße 10, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 75995-0, Telefax (04131) 7599511. Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr.


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabobestellen Registrieren