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04.02.12 / Schwere Kindheit / Prozess gegen Piraten neigt sich dem Ende

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-12 vom 04. Februar 2012

Schwere Kindheit
Prozess gegen Piraten neigt sich dem Ende

Ein beispielloser Prozess neigt sich nach 71 Verhandlungstagen und 14 Monaten dem Ende zu. Angeklagt sind in Hamburg zehn Somalier, die im April 2010 das deutsche Contai-nerschiff „Taipan“ gekapert hatten und auf frischer Tat ertappt worden waren. Angesichts der eigentlich eindeutigen Sachlage – ein niederländisches Spezialkommando hatte die mutmaßlichen Piraten direkt auf der „Taipan“ überwältigt – hatten Beobachter auf einen „kurzen Prozess“ gehofft. Doch die 20 Verteidiger der Angeklagten zogen mit unzähligen Anträgen das Verfahren immer wieder in die Länge. Erst musste das Alter festgestellt, dann die Ausflüchte der Somalier behandelt werden. „Ich bin kein Seeräuber“, behauptete der eine; andere wollten für das hohe Honorar von 500 Dollar nur zum „Fischen“ gefahren sein. Die meisten gaben an, unter Zwang gehandelt zu haben. Erziehungsdefizite, Korruption, Gewalt, zerrüttete Familienverhältnisse und leergefischte Meere vor der Küste Somalias mussten als Ausflüchte herhalten.

In ihrem dreistündigen Schluss-plädoyer forderte die Oberstaatsanwältin Friederike Dopke dennoch hohe Freiheitsstrafen zwischen vier und elfeinhalb Jahren. Auch in Anbetracht strafmildernder Umstände sei die „hochprofessionelle, quasi militärische Tatbegehung“ zu würdigen gewesen. Mit fünf Maschinengewehren und zwei Raketenwerfern stürmten die Piraten das mit Nato-Stacheldraht gesicherte Schiff, das einen Wert von 20 Millionen Euro gehabt habe. Ohne das geistesgegenwärtige Handeln des Kapitäns, der sofort SOS gefunkt und die Mannschaft in einem Panik-raum gesichert habe, wäre das Schiff vollständig in der Hand der Piraten gewesen. Für den 49-jährigen Ahmed A. kam erschwerend hinzu, dass er wenige Wochen zuvor bei einer ähnlichen Attacke vom niederländischen Militär aufgegriffen worden war. Die Verteidiger zeigten sich empört über die Höhe des geforderten Strafmaßes und wollen in zehn Schlussplädoyers mildere Strafen erreichen. Das Urteil soll Ende März verkündet werden. Hinrich E. Bues


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