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04.02.12 / Wahlkampf über einem Gräberfeld / Drogen-Syndikate terrorisieren Mexikaner – Präsidentschaftskandidaten ratlos

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-12 vom 04. Februar 2012

Wahlkampf über einem Gräberfeld
Drogen-Syndikate terrorisieren Mexikaner – Präsidentschaftskandidaten ratlos

Nicht nur die USA befinden sich in diesem Jahr in einem dramatischen Wahlkampf um die Präsidentschaft: Dem Nachbarland Mexiko geht es ebenso. Dort läuft die Amtszeit von Präsident Felipe Calderon ab, und im Juli wählen die Mexikaner ihren neuen Präsidenten. Dies gibt der Partei PRI, die Mexiko nahezu diktatorisch über sieben Jahrzehnte regierte, bis sie 2000 wegen Korruptionsskandalen und der zunehmenden Gewalt der Drogenkartelle abgewählt wurde, die Hoffnung, ihre alte Macht zurückzuerobern. Diese ist nicht unberechtigt, zumal Calderons 2008 groß angekündigter Krieg gegen die Kartelle statt mehr Sicherheit bereits über 50000 Tote gebracht hat und die brutale Gewalt kein Ende nimmt. Politiker oder Journalisten, die wagen, sich gegen die Kartelle zu stellen, werden entführt und zu Tode gefoltert. Und in den eigenen Reihen der Drogen-Syndikate gibt es auch keine Gnade. Wo so viel Geld auf dem Spiel steht wie beim Drogenhandel, da hört die Menschlichkeit auf. Im letzten September warfen die Zeta-Killer, eine neue Killer-Bande, die für das rivalisierende Sinaloa-Kartell des milliardenschweren Joaquin „El Chapo“ Guzman arbeitet, Dutzende von verstümmelten Leichen auf die Straße. 300 weitere, angeblich Zetas, wurden in Massengräbern gefunden. Am 26. Dezember gelang Calderon doch noch ein Coup: Die Nummer 2 der Sinaloa, Felipe Cabrera, genannt „Der Ingenieur“, wurde verhaftet.

Doch das dürfte die Partei des Präsidenten, die konservative Nationale Aktionspartei, auch nicht mehr retten. Denn laut PRI soll alles anders werden. Unter Anführung ihres Präsidentschaftskandidaten, des attraktiven, dynamischen Enrique Pena Nieto (45), von 2005 bis September 2011 Gouverneur des Staates Mexiko, wird dem Wahlvolk eine neue Hoffnung suggeriert. Pena Nieto, seit 2010 verheiratet mit dem Seifenoper-Star Angelica Rivera, hat mit seinem fabelhaften Aussehen (manche nennen ihn „männliche Barbie-Puppe“) vor allem die Jugend erobert.

Doch in letzer Zeit ging einiges schief. Aus Nieto, dem Helden, wurde eine Art Rick Perry. Wie dieser patzte er mit peinlichen Gedächtnislücken. Ausgerechnet bei der Präsentation seines Buches „Mexiko: Die große Hoffnung“ auf der Buchmesse von Guadalahara wurde er gefragt, welche drei Bücher ihn in seinem Leben beeinflusst haben. Er konnte kein einziges nennen. Stotternd erwähnte er dann die Bibel. Um nach Beratung mit seinen Assistenten eine Novelle namens „La Silla del Aguila“ („Der Thron des Adlers“) hinzuzufügen. Doch leider nannte der Jurist den falschen Autoren. Nicht Enrique Krauze hatte das Werk verfasst, sondern Mexikos berühmtester Schriftsteller Carlos Fuentes. Trotz Nietos Entschuldigung („Beim Lesen achte ich mehr auf den Inhalt als auf den Autoren“) reagierte Fuentes entrüstet: „Pena Nieto hat das Recht, meine Bücher nicht zu lesen. Aber er hat nicht das Recht, Präsident von Mexiko zu werden.“

Dem Fauxpas folgte sein Versagen bei einem Interview mit der spanischen Zeitung „El Pais“, die Höhe eines mittleren Arbeiterlohnes zu nennen. Und, als wenn das noch nicht genug gewesen wäre, für die Wähler, so wusste er auch nicht, wie viel ein Kilo Tortillas kostet, eine Selbstverständlichkeit in mexikanischen Haushalten der Arbeiter- und Mittelklasse. („Ich bin eben keine Hausfrau“, entschuldigte er sich.“) Doch viele erinnerten sich, dass er bei einem Interview nicht sagen konnte, woran 2007 seine Frau und die Mutter seiner drei Kinder gestorben war (an einem epileptischen Anfall), und dass er wenig später sein Verhältnis zu jener TV-Schönheit, die er dann heiratete, bekanntgab.

So entsteht langsam der Eindruck, dass Pena Nietos Image als strahlender Hoffnungsträger für die PRI und das geplagte Mexiko seinen wirklichen Fähigkeiten nicht standhält. Ähnlich wie bei den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner in den USA erfreuen sich bisher vor allem die satirischen Fernsehshows an dem guten Stoff. Und natürlich die Rivalen der anderen Parteien wie die linke „Demokratische Revolutionspartei“, für die Andres Manuel Lopez Obrador, der die Präsidentschaft 2006 knapp gegen Calderon verlor, ins Feld zieht. Calderons Partei muss ihren Kandidaten noch benennen, und die Auswahl ist eher uncharismatisch.

Ob Pena Nietos „Mexiko: The Great Hope“ sich daher für seinen Verfasser erfüllen wird oder auch nur ein Buch bleibt, dessen Autor man vergisst, wird sich bald entscheiden. Liselotte Millauer


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