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04.02.12 / Adieu China / Mehrere Firmen verlagern Produktionsstätte zurück nach Europa

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-12 vom 04. Februar 2012

Adieu China
Mehrere Firmen verlagern Produktionsstätte zurück nach Europa

Dass die Produktionsverlagerung nach China beileibe kein Selbstläufer mehr ist, macht eine Entscheidung des niederländischen Elektronikkonzern Philips deutlich: Geschlossen wird ein chinesischer Standort und die Produktion wird an den Standort in der niederländischen Stadt Drachten zurückgeholt. Betroffen von der Entscheidung bei Philips ist die Produktion elektrischer Rasierer im obersten Preissegment. Rob Karsmakers, der seit 2009 für den niederländischen Konzern in Asien aktiv ist, erläuterte die Hintergründe des Schritts: „Ein Produktingenieur ist in Shanghai inzwischen genauso teuer wie in Drachten. Aber in China ist die Personalfluktuation höher. Das ist nicht tragfähig.“ Für den lokalen Markt wird in China zunächst noch die Produktion von Elektrorasierern im unteren Preissegment bleiben.

Einen Schritt weiter geht da sogar der deutsche Kochgeschirr-Hersteller Berndes. Der will seine Produktion zukünftig sogar komplett nach Deutschland zurück holen. Das Kalkül: Mit dem „Made in Germany“ lassen sich am Markt höhere Verkaufspreise erzielen, auch bei den Käufern in China.

Entscheidungen von Unternehmen wie Philips oder Berndes, die Produktionsstandorte in China zu schließen, um wieder im Heimatland zu produzieren, sind mittlerweile keine Seltenheit. Die Gründe, die von westlichen Firmen für den Rückzug aus China angeführt werden, sind immer die gleichen: Rasant steigende Löhne, hohe Personalfluktuation, geringe Qualifikation von Mitarbeitern und aus dem Ruder laufende Transportkosten.

Als massiver Kostentreiber hat sich die hohe Inflation in China entpuppt, die höhere Lohnforderungen und steigende Preise bei den Zulieferern nach sich zieht. In der Summe führen die Faktoren dazu, dass sich die vermeintliche Kostenersparnis durch eine Produktion in China immer weniger rechnet. Falls dann noch Probleme dazu kommen, die Qualitätsstandards zu erfüllen, oder Mindestlöhne um 20 Prozent im Jahr angehoben werden, ist das häufig der Anlass, über den Produktionsstandort China noch einmal nachzudenken.

Systematisch hat sich die Unternehmensberatung Roland Berger mit den zunehmenden Risiken des Wirtschaftsstandortes China auseinandergesetzt. Seit dem Jahr 2006 sind die Exportkosten in China stärker gestiegen als in jedem anderen Land: um 49 Prozent gegenüber einem weltweiten Durchschnittswert von 13 Prozent. Für den Zeitraum von 2010 bis 2015 prognostiziert Roland Berger einen weiteren Anstieg der Produktionskosten um 75 Prozent.

Darauf, dass eine Rückholung der Produktion nicht immer so reibungslos wie bei Philips oder Berndes funktioniert, machte unlängst die „New York Times“ aufmerksam. US-Unternehmen, die statt in China lieber wieder im Heimatland produzieren wollen, sehen sich häufig einem Problem gegenüber, das sich nicht kurzfristig abstellen lässt: Nachdem man mehrere Jahrzehnte auf eine „moderne“ Dienstleistungswirtschaft gesetzt hat, ist es in den USA schwierig, überhaupt noch leistungsfähige industrielle Zulieferer zu finden. N.H.


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