05.03.2024

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04.02.12 / Die ostpreußische Familie / Leser helfen Lesern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-12 vom 04. Februar 2012

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied,
liebe Familienfreunde,

es ist schon erstaunlich, was manchmal nur eine Frage bewirkt – wenn sie in unserer Ostpreußischen Familie gestellt wird. Frau Ulrike Imhäuser hatte sie aufgeworfen, denn die gemeinsam mit ihrem Ehemann durchgeführte Suche nach dem Grab ihres bei den letzten Kampfhandlungen in Ostpreußen gefallenen Vaters war ergebnislos verlaufen Es sollte auf der äußersten Spitze der Frischen Nehrung in Möwenhaken liegen, aber da gab es nur ein Forsthaus und von einem Friedhof war weit und breit nichts zu sehen. Schon bald nach der Veröffentlichung teilte mir Herr Winfried Brandes aus Harrislee mit, dass er Frau Imhäuser „zu 90 Prozent“ helfen konnte. Die restlichen zehn Prozent haben sich dann durch weitere Zuschriften ergeben, so dass ich von Frau Imhäuser einen Dankesbrief erhielt, den ich an unsere Leserinnen und Leser weitergebe:

„Zuerst möchte ich mich von ganzem Herzen für die Veröffentlichung meiner Suchfrage in der Ostpreußischen Familie bedanken. Dies hat zu einer von mir nie erwarteten, beispiellosen Hilfsbereitschaft Ihrer Landsleute geführt, ausge­drückt durch Telefonanrufe, Briefe, Internet und Übersendung von Kartenmaterial. Abgesehen von der großen Hilfsbereitschaft, die mir zuteilwurde, hatte jeder, der Kontakt zu diesem Thema mit mir aufnahm, auch seine eigene Geschichte aus dieser schreck­lichen Kriegszeit zu erzählen, was mich ebenso sehr interessierte. Meine Suchfrage führte damit zu dem Ergebnis, dass es tatsächlich in der Nähe von Möwenhaken auf der Frischen Nehrung einen Kirchhof beziehungsweise Gemeindefriedhof gegeben haben muss, nach dem ich suchte und auf dem mein Vater 1945 zum Ende des Krieges beerdigt wurde. Zurzeit warte ich auf ein entsprechendes Messtischblatt als amtliche Bestätigung. In Zusammenhang mit meiner Suchanfrage danke ich besonders Herrn Winfried Brandes und Herrn Walter Klink für ihre wertvollen Informationen.“

Auch Herr Brandes schrieb mir inzwischen erneut, denn es hat sich in Bezug auf das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie in Frankfurt eine Änderung ergeben. Diese Anschrift hatte ich auch angegeben, weil sie mir auch für weitere Leser informativ erschien. Ulrike und Gerhard Imhäuser hatten sich an das Bundesamt gewandt, das ihnen zwar die ISB-Nummer des betreffenden Mess­tischblattes miteilte, aber darauf hinwies, dass sie sich zwecks Bestellung an ihre örtliche Buchhandlung wenden sollten, die sie an die Firma Geocenter in Stuttgart weiterleiten würde. Der Kartenvertrieb könne von Frankfurt aus nicht bearbeitet werden, da er inzwischen privatisiert worden sei. Für Auskünfte stehe das Bundesamt aber weiterhin zur Verfügung. Die Kartenquelle in Frankfurt existiert also nicht mehr. Zuständig sei nun das Internationale Landkartenhaus – Scientific Cartography, Schockenriedstraße 44, 70565 Stuttgart, teilte uns Herr Brandes mit, rät aber auch zur Bestellung über den Buchhandel. Herr Brandes hat seine von ihm aufgelisteten Vorschläge für die Suche nach Vermissten nun aktualisiert und ist bereit, diese an Interessierte weiter zu geben. (Winfried Brandes, Libellenring 30 in 24955 Harrislee, Telefon 0461/74816, E-Mail: w-brandes@versanet.de)

Sehr aktiv hat sich Herr Dietmar Paulun an der Suche beteiligt, der aufgrund eigener Erfahrung auf eine weitere Möglichkeit hinweist. Er schreibt:

„Ich habe im Internet eine interessante Adresse von einem polnischen Archiv gefunden, wo man das gesamte ehemalige deutsche Gebiet jenseits der Oder-Neiße-Linie auf Messtischblättern im Maßstab 1 : 25000 ansehen und herunterladen kann. Unter anderem ist auch eine Karte von der Frischen Nehrung vom Jahr 1956 dabei. Auf dieser Karte ist auch ein Friedhof bei Möwenhaken verzeichnet. Ich habe diesen Friedhof auf alten deutschen Karten nicht gefunden. Vielleicht ist er erst nach den Kampfhandlungen angelegt worden und es sind dort deutsche und russische Gefallene bestattet. Verglichen habe ich diese Karten mit Aufnahmen von Google Earth aus dem Jahr 2010. Man erkennt an der Stelle, wo sich der Friedhof befindet, nur Wald. Aber das ist ja erklärlich, dass in all den Jahren dort alles zugewachsen ist. Sehr deutlich ist aber die Straßenführung zu erkennen, so dass man den Friedhof auf wenige Meter genau ausmachen könnte. Ich habe mit Frau Imhäuser schon telefoniert und ihr die Kartenausschnitte per Internet zugesandt. Für unsere Ostpreußische Familie wäre aber vielleicht die Internet-Adresse interessant (www.mapy.

eksploracja.pl). Ich selber habe den Geburtsort meines Großvaters gefunden, den ich noch auf keiner Karte gesehen habe. Es handelt sich um Kissitten, Kreis Pr. Eylau. Interessant ist, dass sich der Ort auf polnischem Gebiet befindet, so dass ich ihn bei meiner nächsten Reise nach Ostpreußen aufsuchen werde.“

Vielen Dank, lieber Herr Paulun, für diese Mitteilung, die sicherlich unsere Leser interessieren wird.

Es hat sich überhaupt viel getan oder ist jedenfalls in Bewegung geraten wie in der Angelegenheit „Kurenkahn“. Da zeichnen sich Wege ab, die zu einem neuen Motor führen können. Wahrscheinlich werden wir schon in der nächsten Folge darüber berichten. Übrigens kommt Aurelijus Armonavivius mit seiner Ehefrau Sofia in diesen Tagen nach Hamburg, um auf der am 8. Februar beginnenden Reisemesse das touristische Angebot von Nidden [Nida] mit weiteren Vertretern zu präsentieren. An dem Stand werden sich wohl viele Ostpreußen einfinden.

Für die Erfüllung meines Wunsches nach einem Patenschaftsabonnement bin ich glücklich und dankbar: Die Leserin, die aus finanziellen Gründen die PAZ abbestellen musste, kann die Zeitung weiter lesen und damit auch unserer Ostpreußischen Familie treu bleiben. Ein Ehepaar aus Niedersachsen erklärte sich sofort bereit, das Patenschaftsabonnement zu übernehmen. Sie ist Danzigerin und schreibt: „Meine Mutter muss­te mit ihren Eltern und mit mir im Januar 1945 aus Danzig flüchten. Ich bin also keine Ostpreußin, aber eine ,Familienfreundin‘. Seit 1989 beziehen wir unser Ostpreußenblatt. Unsere Tochter, eine Pferdenärrin, hat es damals von der Messe ,Pferd und Jagd‘ mitgebracht. Seit der Zeit ist am Freitag für uns abends ,kleiner Feiertag‘ und besonders Ihre Kolumne ist für uns so wertvoll und wichtig, um über Familienschicksale zu lesen und viel zu erfahren. Wir schätzen diese Arbeit sehr.“ Das erfreut uns, liebe Danzigerin, und Sie können sich ruhig zu den „Landslied“ zählen, denn wir haben ja eine gemeinsame Geschichte. Für das Patenschaftsabonnement danken wir Ihnen sehr, denn jeder Leser, der uns erhalten bleibt, trägt mit zu den Erfolgen der Ostpreußischen Familie bei.

Und die zeigen sich auch in dem 56. Sensburger Heimatbrief, den mir dessen Schriftleiter Rolf W. Krause, Erster stellvertretender Kreisvertreter der Kreisgemeinschaft Sensburg, zugesandt hat – mit Dank und Bitte an unsere Ostpreußische Familie. Denn durch unsere Kolumne konnte er Angaben und Unterlagen für von ihm angefragte Themen erhalten oder sogar auf neue stoßen wie im Falle der Sauciere vom Kurhotel Siegemund in Rudczanny/Niedersee. Wir hatten die Suchanfrage von Herrn Christoph Stabe, München, im Juli 2011 veröffentlicht, denn auf der schönen, alten Porzellansauciere, die in einem Trödlerladen im pommerschen Stolp entdeckt worden war, stand zwar der Name des Kurhotels, aber ohne Ortsangabe. Da unter dem Signet der Manufaktur KPM der Name eines Königsberger Einrichtungshauses stand, meinte Herr Stabe, dass dieses schöne Stück aus einem ostpreußischen Kurhaus stammen könnte – und das stimmte dann ja auch, wie die Leserzuschriften bestätigten. Herr Krause hat dabei eifrig mitgeholfen, denn er war an dieser Suchfrage sehr interessiert, zumal auch das Schicksal der Familie Siegemund, das von Vertreibung und Verschleppung bestimmt war, geklärt werden konnte. Abgerundet wurde diese im Sensburger Heimatbrief liebevoll aufgemachte und reich bebilderte Geschichte noch durch eine mögliche Verwandtschaftsfindung, denn Herrn Stabes väterliche Linie hat ostpreußische Wurzeln. Ob sie tatsächlich zustande kam, weiß ich allerdings nicht, wenn ja, werden wir sicher davon hören.

Auch bei der Erfüllung einer zweiten von Herrn Krause vorgetragenen Suchfrage hat unsere Ostpreußische Familie mitgeholfen. Es ging um den Schriftsteller Max Bialluch, *1896 in Gollingen, aufgewachsen in Peitschendorf, der die ostpreußische Literatur zwischen den beiden Weltkriegen mit seinen zumeist heiteren masurischen Geschichten bereicherte. Da ich Max Bialluch selber sehr gut gekannt habe, unterstützte ich Herrn Krause gerne in seinem Vorhaben, eine Bialluch-Biografie zu erstellen, die dann vor allem dank der Mitarbeit des Sohnes von Max Bialluch und seiner Großnichte Gerda Gätjens zum 115. Geburtstag erscheinen konnte. Herr Rolf W. Krause bedankt sich noch einmal für die gute Resonanz, die seine Frage in unserer Ostpreußischen Familie gefunden hat. Weil damit wieder eine kleine Lücke im ostpreußischen Kulturschaffen geschlossen werden kann, bringe auch ich eine Anekdote des masurischen Schriftstellers mit einigen persönlichen Erinnerungen an diesen liebenswürdigen Kollegen der Feder. (Siehe unten.)

Herr Krause hat aber nun eine neue Bitte an unsere Leserinnen und Leser. In dem Heimatbrief ist ein Beitrag über die evangelische Kirche „Zum Heiligen Kreuz“ in Alt Utka enthalten, in dem die Geschichte der Kirche seit ihrer Gründung im Jahr 1864 bis heute ausführlich behandelt wird. Sehr schöne Aufnahmen aus der heutigen Zeit bereichern diese kleine Kirchenchronik, die Herr Krause aber noch ergänzen möchte. Da sein Beitrag im nächsten Sensburger Heimatbrief erscheinen soll, sucht er dringend Informationen und Fotos zum alten Zustand der Kirche „Zum Heiligen Kreuz“ in Alt Utka. Besonders wichtig sind ihm alle Innenaufnahmen aus der evangelischen Zeit, heute ist das Gotteshaus eine katholische Kirche. Ein besonderes Merkmal der im neugotischen Stil gebauten Kirche ist der separat stehende hölzerne Glockenturm. (Schriftleiter Rolf W. Krause, Alte Poststraße 12 in 42555 Velbert, Telefon 02052/1309.)

Ein Gedicht wird mal wieder gesucht, das sich trotz aller Bemühungen auch im Internet nicht finden ließ. Ich kenne es auch nicht, aber vielleicht können unsere Leserinnen und Leser helfen. Es muss im Ersten Weltkrieg entstanden sein, nach der Schlacht bei Tannenberg, denn mit dieser beginnt es: „Mein Vater war ein tapferer Soldat, bei Tannenberg ist er gefallen. Wir haben bitter um ihn geweint, die Mutter am meisten von allen. Dann hat sie die Tränen vom Auge gewischt und ist aufs Feld gegangen …“ Diese Anfangsverse sind Frau Erika Böttcher noch im Gedächtnis geblieben, denn ihre 1904 geborene Mutter hat das Gedicht in der Schule gelernt und ihren Kindern immer wieder aufgesagt, als ihr Mann 1944 in Südfrankreich gefallen war. Ihre Mutter beendete die Schulzeit 1918, also muss sie das Gedicht während des Krieges gelernt haben. Frau Böttcher hat schon viele ältere Menschen aus den Ostgebieten befragt, aber niemand kannte es. Sie würde sich sehr freuen, wenn sich das Lied auffinden ließe. (Eri­ka Böttcher, Deichstraße 11 in 30823 Garbsen, Telefon 05187/10202.)

Eure Ruth Geede


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