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04.02.12 / Ursprung in Braunsberg / Katharinenschwestern verrichteten freiwillig soziale Arbeit

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-12 vom 04. Februar 2012

Ursprung in Braunsberg
Katharinenschwestern verrichteten freiwillig soziale Arbeit

Die Zeit unter Fried-rich dem Großen war für die Kongregation keine einfache. 1571 gründete eine junge katholische Frau namens Regina Protmann in Braunsberg eine religiöse Frauengemeinschaft, nämlich die „Kongregation von der heiligen Katharina“. Katharina von Alexandrien war eine gelehrte Königstochter von Cypern, die als Nothelferin gegen Leiden, Gehemmtheit der Zunge angerufen und oft als Patronin für Universitäten in Anspruch genommen wird.

Diese Kongregation ging den selbstgewählten Aufgaben in Krankenpflege, sozialer und pastoraler Arbeit sowie der schulischen Mädchenbildung nach. Heute ist die Kongregation einer der ältesten aktiven Frauenorden.

Reizvoll an dem Habitus des Ordens der Schwestern der Heiligen Katharina ist gewiss die Verbindung von religiöser Kontemplation und dem apostolischen Wirken in der Gemeinde, sie lebten und leben also nicht in strenger Klausur, sondern nahmen und nehmen aktiv am öffentlichen Leben teil. Zunächst betrieben sie eine „mobile Pflegestation“ – sie besuchten und pflegten Kranke und Arme auch in deren Wohnungen. Später dann kam die schulische Ausbildung von Mädchen hinzu. Eine Regel des Ordens heißt „mitt dem exempel undt mitt worten“ den Mitmenschen den Weg zur Seligkeit zu weisen.

Da diese Regel von einem Ort allein nicht nachzukommen war, gründeten die Schwestern in den folgenden Jahrzehnten weitere Niederlassungen im Ermland (Heilsberg, Wormditt und Rößel) und im litauischen Krakés.

Eine wichtige Forschungsarbeit auf diesem Gebiet hat im letzten Jahr Relinde Meiwes vorgelegt. „Von Ostpreußen in die Welt. Die Geschichte der ermländischen Katharinenschwestern (1772−1914)“ behandelt den Orden unter Beachtung von fünf Zäsuren. Die erste Zäsur stellt das Jahr 1772 dar, als Friedrich II. das Fürstenbistum Ermland im Zuge der ersten Teilung Polen-Litauens annektierte.

Für die Forschung ist die Preußenherrschaft ein echter Glücksfall, da die Regierung Schwestern nachging. Für die Schwestern selbst war die Preußenregierung nicht sehr erfreulich, da die Kongregation ein Dorn im Auge Preußens war. Dass jeder nach seiner Façon glücklich werden sollte, galt nur für Privatpersonen, aber nicht für einen ganzen Orden. Bis 1850 „behielten sich preußische Bürokratie und Politik vor, das Ordens- und Kongregationswesen zu kontrollieren und nach eigenen Maßgaben zu beeinflussen.” So wurden Eintritte in religiöse Frauengemeinschaften von Preußens Regierung nur dann erlaubt, wenn die Frauen eine ärztliche Bescheinigung erhielten, dass sie psychisch oder physisch ungeeignet für die Ehe, beziehungsweise zu schwerer körperlicher Arbeit, krank oder unfruchtbar waren.

„Die preußische Regierung orientierte sich … an einer ‚Nutzbarmachung‘ und Vermehrung der Bevölkerung gerichtete Politik und gestattete ein Leben in einer religiösen Frauengemeinschaft nur dann, wenn die Frauen ‚in der Welt‘ von nur ‚geringem Nutzen‘ seien.“ Ebenfalls negativ für den Orden war die doppelte Obrigkeit. Für spirituelle Fragen muss-ten sich die Schwestern nach wie vor an den ermländischen Bischof wenden, für weltliche Dinge an den König oder einen Vertreter. Zudem gab es eine Verdoppelung der Steuerlast, da in guten Jahren für weniger gute Jahre vorgesorgt werden sollte.

Eine weitere Neuerung, aber diesmal keine negative, war die Einrichtung der evangelischen Elementarschulen für Jungen und Mädchen durch die preußische Regierung 1772. Katholische Bildungsreformer sahen darin eine Herausforderung, um nachzulegen. Das katholische Bildungsdefizit galt jedoch nicht so stark für die Mädchenschulen der Katharinenschwestern, die die einzigen katholischen Schulen im Ermland führten. Hierdurch nahmen die Schwestern eine Vorreiterstellung ein und konnten den Bildungsausgleich entscheidend mitgestalten. Zusammenfassend gesehen war die Zeit nach 1772 für die Schwestern keine einfache.

Die Zeit nach den Napoleonischen Kriegen, also die 1820er und 30er Jahre, markiert die zweite Zäsur. In dieser Zeit wird das Schulwesen im großen Stil ausgebaut. Eine weitere wird um 1852 gesetzt, als sich die Schwesternkongregation durch die Kombination von Arbeit und Spiritualität großer Beliebtheit erfreute, so dass mehrere Konvente neu gegründet wurden. Mit der Expansion einher geht eine Rückbesinnung auf die Ursprünge und eine Profilschärfung, die für die weitere Zeit wichtig ist, da die Krankenpflege wieder stärker in den Blick ge

rückt wird, durch die ein Weiterbestehen zur Zeit des Kulturkampfes um 1870, der vierten Zäsur in Meiwes Arbeit, gesichert wurde.

Hingegen wurde in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts der Schulbetrieb vorläufig gänzlich eingestellt, zumindest in Preußen. Aus diesem Grund wurden Niederlassungen im Ausland (Finnland und Russland) eröffnet. Die letzte nachgezeichnete Zäsur betrifft die Zeit nach dem Kulturkampf. Es wurden Gebäude saniert, teilweise neu errichtet und Niederlassungen in England wie Brasilien eröffnet. In diesen Gebieten sind die Schwestern der heiligen Katharina noch heute tätig, aber auch nach wie vor in Ostpreußen. CRS

Relinde Meiwes: Von Ostpreußen in die Welt. Die Geschichte der ermländischen Katharinenschwestern (1772-1914), Ferdinand Schöningh, Paderborn 2011, 264 Seiten, 29,90 Euro


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