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04.02.12 / Für Gott und fürs Geld / Geschichte der Kreuzzüge

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-12 vom 04. Februar 2012

Für Gott und fürs Geld
Geschichte der Kreuzzüge

Als Papst Urban II. die europäische Christenheit im Jahre 1095 zur Rückeroberung Palästinas aufrief, hatte dies eine Eskalation des Konflikts zwischen Moslems und Christen zur Folge, der bereits seit Jahrhunderten in der Levante, auf dem Balkan und auf der iberischen Halbinsel ausgetragen wurde. Damals waren die christlichen Jerusalempilger auf dem Landweg über Byzanz (Konstantinopel) nach Palästina vermehrt Angriffen und Überfällen ausgesetzt. Auch waren Hilferufe des Kaisers von Byzanz, der in Abwehrkämpfe gegen die moslemischen Seldschuken verstrickt war, nach Europa gelangt. Der erste Kreuzzug begann 1098 und endete 1099 mit der Eroberung Jerusalems durch ein Kreuzfahrerheer. Der Fall Akkons im Jahre 1291 bedeutete das Ende der Epoche der Kreuzzüge.

Der Londoner Professor für die Geschichte der Kreuzzüge Jonathan Philipps hat in seinem Buch „Heiliger Krieg. Eine neue Geschichte der Kreuzzüge“ die Ursachen und Auswirkungen der Kreuzzüge leicht verständlich und anschaulich dargestellt. In dem 640 Seiten umfassenden Werk bilanziert er weiterhin die Folgewirkungen im späten Mittelalter, als einige europäische Fürsten Versuche unternahmen, nochmals einen Heiligen Krieg zur Rückeroberung Jerusalems zu initiieren. Diese Versuche blieben im Ansatz stecken, doch im Namen des Glaubens wurden Feldzüge, die als Kreuzzüge bezeichnet wurden, gegen die heidnische Bevölkerung an den Grenzen des Heiligen Römischen Reichs geführt. Seit dem Albigenserkreuzzug gegen die Häretiker in Südfrankreich (1209–1229) war der Begriff „Kreuzzug“ dehnbar.

Den Kreuzzug zur Befreiung der Stadt Jerusalem von den Moslems erklärte Urban II. zum „Heiligen Krieg“. Als Lohn winkte den Teilnehmern ein päpstlich autorisierter Sündenablass, was eine theologische Neuheit darstellte. Im damaligen Europa, einem „Schmelztiegel aus ritterlicher Gewalt, territorialer Expansion, wachsender päpstlicher Macht und dem Verlangen nach Erlösung“, fiel die Kreuzzugidee auf fruchtbaren Boden. Ein anderes Motiv der Kreuzfahrer waren der Lockreiz von Land und Geld.

Der Autor erklärt die politische Lage im Nahen Osten und stellt mit Zitaten aus arabischen Chroniken auch die Sicht der anderen Seite dar. Nach den anfänglichen Erfolgen der „Franken“, wie die Kreuzfahrer von den Arabern bezeichnet wurden, waren die christlichen Fürsten in der Levante bald in Machtkämpfe verwickelt und zerstritten. Ihre Gegner wussten sich das zunutze zu machen. Doch die Dynastien in der Region Palästina waren selbst zu einem unablässigen Lavieren zwischen den rivalisierenden Machtzentren in Aleppo, Hama und Damaskus gezwungen.

Die Kreuzzüge hinterließen tiefe Spuren im kollektiven Gedächtnis des christlichen Abendlands, was in einem Streifzug im letzten Kapitel des Buches zur Sprache kommt. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erhielt der Begriff „Kreuzzug“ unerwartete Brisanz durch eine Äußerung des damaligen amerikanischen Präsidenten George W. Bush. Auf die darauf folgende Entwicklung geht der Autor zwar nur flüchtig ein, was aber den Wert dieses lesenswerten Bands kaum schmälert. Das Fehlen eines Ortsregisters ist dagegen ein Mangel.

Dagmar Jestrzemski

Jonathan Philipps: „Heiliger Krieg. Eine neue Geschichte der Kreuzzüge“, DVA, geb., 640 Seiten, 29,99 Euro


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