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11.02.12 / Suite im Adlon wäre billiger / Reiselust der EU-Parlamentarier: Bis zu 5259 Euro pro Tag pro Kopf

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 06-12 vom 11. Februar 2012

Suite im Adlon wäre billiger
Reiselust der EU-Parlamentarier: Bis zu 5259 Euro pro Tag pro Kopf

Die Seychellen, Ecuador und Mexiko – nur einige der Reiseziele, die EU-Abgeordnete auf Kosten der Steuerzahler im Jahr 2010 besucht haben. Erstaunlich sind allerdings nicht nur die exotischen Ziele, die durch eine parlamentarische Anfrage nun bekannt geworden sind, sondern auch die exorbitanten Kosten. An der Spitze der „Hitliste“ der kostspieligen Parlamentarier-Reisen steht ein Besuch Kinshasas (Kongo) durch 50 EU-Abgeordnete: Die Reise hat stattliche 1025530 Euro Kosten verursacht. Der Zweck der „Dienstreise“ im November 2010: ein Treffen mit Parlamentariern aus Afrika, der Karibik und der Pazifik-Region. Immerhin acht Tage ihrer kostbaren Zeit opferten die EU-Abgeordneten für die Kontaktpflege mit ihren parlamentarischen Kollegen aus Übersee. Pro Tag und Abgeordnetem waren die Steuerzahler mit rund 2564 Euro mit von der Partie.

Der internationale Erfahrungsaustausch scheint den EU-Parlamentariern ohnehin ein besonders kostbares Anliegen zu sein: Bereits im Januar 2010 hatte auf Teneriffa ebenfalls ein Treffen mit Abgeordneten der AKP-Gruppe (Afrika-Karibik-Pazifik) stattgefunden: Für 64 Abgeordnete musste das EU-Parlament 707133 Euro berappen.

Den Aufenthalt auf der kanarischen Insel kann man fast noch als Schnäppchen bezeichnen, zumindest was die Kosten pro Abgeordnetem angeht: Erstaunliche 5259 Euro pro Tag und Kopf verursachte nämlich eine EU-Parlamentarier-Reise in die argentinische Hauptstadt Buenos Aires im März 2010. Hätte man die Delegation stattdessen ins Berliner Adlon eingemietet, wäre das wahrscheinlich für die Steuerzahler günstiger gewesen. Im Berliner Spitzenhotel ist eine Suite immerhin schon für 780 Euro am Tag zu haben.

Publiziert wurde die Aufstellung der Reisekosten von Marta Andreasen, die als Abgeordnete der EU-skeptischen UKIP im EU-Parlament sitzt. Da sie bis zum Jahr 2002 selbst als Hauptbuchhalterin der EU-Kommission tätig war, dürfte sie einen ziemlich guten Einblick in die alltägliche EU-interne Verschwendung von Steuergeldern haben. „Einmal mehr scheint es, dass die Mitglieder des Europa-Parlaments lieber anderen, als sich selbst Sparsamkeit predigen“, kommentierte sie die Reisekostenaufstellung, die sie beim Sekretariat des EU-Parlaments angefordert hatte.

Zumindest bei EU-Haushaltskommissar Janusz Lewandowski scheint noch ein gewisses Gespür für die verheerende Außenwirkung der Verschwendungssucht der EU-Abgeordneten vorhanden zu sein. In einem Brief an die Parlamentarier appellierte er, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass die EU bemüht ist, Kosten einzusparen. Im Auge haben könnte Lewandowski dabei nicht nur die ausufernden Reisekosten: Nach internen Berechnungen des EU-Parlaments haben die Abgeordneten inzwischen Versorgungsansprüche in Höhe von 376,8 Millionen erworben. Kritische Nachfragen könnte demnächst eine jetzt bekannt gewordene Schieflage eines freiwilligen Pensionsfonds für EU-Abgeordnete nach sich ziehen. Fehlspekulationen bei Aktiengeschäften haben dem Fonds mittlerweile ein Defizit von 179 Millionen Euro beschert. Bis die Unterdeckung des Fonds auf Kosten der Steuerzahler behoben ist, wäre das EU-Parlament gut damit beraten, weitere Medienberichte über die Reiselust der Abgeordneten zu vermeiden. Norman Hanert


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