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11.02.12 / Abrissbirne soll es richten / Marktankurbelung auf Spanisch: Zahl der Immobilien wird reduziert

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 06-12 vom 11. Februar 2012

Abrissbirne soll es richten
Marktankurbelung auf Spanisch: Zahl der Immobilien wird reduziert

Entlang der 8000 Kilometer langen spanischen Küste droht zehntausenden Gebäuden ein Abriss. Nach Ansicht der Behörden handelt es sich um illegale Bebauungen, da häufig gegen ein bereits 1988 erlassenes Gesetz zum Küstenschutz oder ein 1994 ergangenes Urteil verstoßen wird. Erstaunlich ist nicht nur die teilweise jahrzehntelange Duldung der Bauten, sondern auch, dass die Behörden erst seit dem Beginn der spanischen Immobilienkrise im Jahr 2008 die entsprechenden Gesetze und Urteile aus den Schubladen holen.

Im Gegensatz zu den betroffenen Hausbesitzern dürften Spaniens Bauindustrie und der Bankensektor am neuen Diensteifer der Behörden Gefallen finden: Jedes abgerissene Objekt entlastet den übersättigten Immobilienmarkt: Rund 700000 Neubauten standen nach Regierungsangaben bereits zu Ende des Jahres 2010 leer. Mit staatlicher Unterstützung gingen spanische Banken im vergangenen Jahr auf Verkaufstour, um in Großbritannien, den Niederlanden, Deutschland und Schweden Käufer für Immobilien zu finden. Das Resultat war genauso ernüchternd wie die Verkaufszahlen im Inland. Im dritten Quartal 2011 brach die Zahl der Hausverkäufe um 34 Prozent zum Vorjahr ein.

Weiteres Ungemach braut sich zusammen. Rund eine halbe Million Familien werden aus finanziellen Gründen ihr Eigenheim bis 2015 verlieren, so die Schätzung der spanischen Vereinigung von Pfändungs-Geschädigten (Afes). Zwischen 2008 und 2011 haben nach Afes-Angaben bereits 150000 Familien ihre Wohnung räumen müssen. Ursache für diese Ent- wicklung ist die Wirtschaftskrise. Im Januar stieg die Arbeitslosenzahl auf 4,6 Millionen, mit einer Zunahme um 400000 im Laufe des Jahres wird gerechnet. Für Spaniens Banken wird die Situation durch nicht mehr bediente Kredite und nicht verkaufte Häuser in den Bilanzen immer bedrohlicher: Befürchtet wird eine Abschreibung von Immobilienkrediten im Wert von 176 Milliarden Euro. Über den Haushalt und den Einlagensicherungsfonds hat der spanische Staat den Banken bereits 22,3 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.

Weitere Belastungen will der neue Wirtschaftsminister Luis de Guindos vermeiden. Sein Konzept: Für weitere Verluste sollen die Banken aus eigenen Gewinnen 50 Milliarden Euro Reserven bilden. Ob dies gelingt, ist zweifelhaft. Selbst Spaniens Branchenprimus, die Banco Santander, musste 2011 einen Gewinnrückgang von 35 Prozent zum Vorjahr melden. Der Gewinneinbruch des Vorzeigeinstituts lässt für den übrigen, eher national oder regional ausgerichteten Bankensektor das Schlimmste befürchten. Sollten die Banken selbst nicht genügend Gewinne zum Ausgleich von Verlusten erzielen, könnten nach Ansicht von Experten weitere staatliche Hilfen oder sogar ein internationaler Rettungsfonds notwendig werden.

José García Montalvo, Professor an der Universität Pompeu Fabra in Barcelona, machte deutlich, was er von den Stabilisierungs-Bemühungen für den Bankensektor hält: „Spaniens Strategie war bisher eher abwartend, das Geld wurde nur in kleinen Dosen zugeschossen. Jetzt hilft abwarten nicht mehr, sondern nur noch beten.“ N.H.


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