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11.02.12 / Tragisches Misstrauen / Merckle-Sohn rettete das Erbe seiner sudetendeutschen Großeltern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 06-12 vom 11. Februar 2012

Tragisches Misstrauen
Merckle-Sohn rettete das Erbe seiner sudetendeutschen Großeltern

Vor gut drei Jahren wählte der Unternehmer Adolf Merckle den Freitod. Der kurz zuvor noch als fünftreichster Deutscher Gefeierte wähnte sein Firmenimperium, dessen Grundstein sein Vater 1881 im böhmischen Aussig gelegt hatte, vor der Zerschlagung und warf sich vor einen Zug. Der 1934 geborene Sohn hatte das nach Flucht und Vertreibung im schwäbischen Blaubeuren vom Vater wieder aufgebaute Unternehmen zu einer faszinierenden Größe mit rund 100000 Mitarbeitern weltweit geführt, sich aber dermaßen mit VW-Aktien verspekuliert, dass es 2008 vor dem Ruin stand. Nach zahlreichen zermürbenden Verhandlungen mit rund 60 Gläubigerbanken sah der Milliardär keinen anderen Ausweg als den Tod – und unterlag damit der allergrößten Fehleinschätzung seines Lebens.

Wie sich inzwischen gezeigt hat, befand sich die Lösung seiner Probleme in seiner eigenen Familie. Doch der Patriarch vom alten Schlag vertraute seinen engen Mitarbeitern offenbar mehr als seinen eigenen vier Kindern. Mit einem seiner drei Söhne überwarf er sich sogar dermaßen, dass dieser auch nach dessen Tod nicht bereit war, gut über ihn zu reden. Sein Vater habe den Überblick verloren, klagte der 2008 aus der Führung des vom Vater gegründeten Pharmakonzerns Ratiopharm Geworfene.

Auch Sohn Ludwig hatte oft genug den Zorn des Vaters auf sich gezogen, weil er dessen Ansprüchen nicht gerecht werden konnte. Daher überraschte es alle, dass er vom Vater als Alleinerbe eingesetzt worden war. Vielleicht hatte Adolf Merckle seinen Instinkt nicht ganz verloren – doch hätte er wirklich an die Fähigkeiten seines Sohnes geglaubt, hätte er sich nicht das Leben nehmen müssen.

Und diesem gelang inzwischen das, was keiner für möglich gehalten hatte: Die Familien-Holding steht glänzend da. „Mit Phoenix aus der Asche“ – Merckles Medikamentengroßhandelsunternehmen heißt Phoenix – und ähnlich beschreiben inzwischen mehrere Medien seine Meisterleistung, die nur dank der Konjunkturverbesserung der letzten Jahre möglich war. Auch der Umstand, dass er Ratiopharm besser als erwartet verkaufen konnte und so das nötige „Kleingeld“ für die Sanierung der anderen Familienunternehmen erhielt, erleichterte ihm seine Arbeit.

Und so konnte sich Ludwig Merckle an den sprudelnden Einnahmen des Jahres 2011 erfreuen. Phoenix machte bei 16 Milliarden Euro Umsatz in den ersten drei Quartalen über 1,5 Milliarden Euro Gewinn, der Elektromotoren-Hersteller VEM erhöhte seinen Umsatz auf gut 300 Millionen Euro, der Fahrzeughersteller Kässbohrer setzte über 200 Millionen Euro um und so weiter, so dass Ludwig Merckle Anteile des in der Krise zum Teil verkauften Unternehmens HeidelbergCement zurückkaufen kann. Und so rettete der 1965 geborene Merckle-Sohn nicht nur ein altes sudetendeutsches Familienunternehmen, sondern auch Tausende von Arbeitsplätzen. Bel


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