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11.02.12 / Vorgeschichte und Voraussetzungen des militärischen Erfolgs

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 06-12 vom 11. Februar 2012

Vorgeschichte und Voraussetzungen des militärischen Erfolgs

Dem König ist zwar als Feldherr manch genialer Schachzug gelungen, doch hat er sich nicht nur einmal auf ein schwer zu kalkulierendes Risiko eingelassen und damit die Existenz des preußischen Staates aufs Spiel gesetzt. In seinem Inneren lebten zwei nicht widerspruchslose Charakterzüge: Einerseits verfügte er über eine große strategische Begabung und einen scharfen Blick für die Wirklichkeit, andererseits entwickelte er einen ungewöhnlichen Wagemut, der nicht zuletzt Ausdruck seines Zynismus war, eine Folge der in seiner Jugend erlittenen Demütigungen. Allerdings lernte Friedrich schnell, und oft stand ihm das Glück zur Seite. Nicht umsonst hielt er das Glück für die unverzichtbare Ergänzung der Tüchtigkeit. So erklärt sich auch seine Frage an einen Bewerber für eine Offiziersstelle: „Hat Er auch Fortune?“

Jedenfalls hielt er die Zügel der politischen und militärischen Führung in seiner Hand und besaß somit einen großen Vorteil gegenüber seinen Gegnern. Doch seltsam, niemand konnte vorhersehen, dass der junge Friedrich einmal König und Feldherr in einer Person sein würde. Seit 1728 Kompaniechef, kam der musisch veranlagte Kronprinz seinen Dienstpflichten nur wider­strebend nach. Nachdem sich Fried­rich mit seinem Vater, dem Soldatenkönig, überworfen und 1732 nach seiner Festungshaft wieder mühsam versöhnt hatte, wurde ihm das Kommando über das Regiment Nr. 15 in Neuruppin übertragen. Obwohl er mehr den schönen Künsten zuneigte, nützte er die Zeit, um die militärischen Klassiker zu studieren, sich als Kommandeur zu erweisen und sein Regiment in Höchstform zu bringen. Damit erwarb er sich die Hochachtung seines Vaters, der ihn 1735 zum Generalmajor ernannte.

Ab 1736 führte er ein unbeschwertes Leben auf Schloss Rheinsberg und philosophierte mit Voltaire. Es waren die letzten und wohl auch schönsten Jahre des Kronprinzen. Sie endeten, als er durch den Tod seines Vaters am 31. Mai 1740 von der politischen Wirklichkeit eingeholt wurde. Die Mittelmacht, an deren Spitze Fried­rich nun trat, verfügte über gesunde Finanzen, eine straffe Verwaltung und über ein streng diszipliniertes Heer von 83000 Mann.

Dieses Heer war in Relation zur Bevölkerung von 2,5 Millionen überaus stark. Friedrich verdankte diese Armee seinem Vater, der den Grundsatz vertreten hatte, dass Preußen nur mit ihrer Hilfe zur Großmacht aufsteigen könne. Die Armee beruhte auf dem Kantonalsystem, das jedem Regiment erlaubte, in einem bestimmten Gebiet alle gesunden jungen Männer, allerdings mit Ausnahmen, oft unter Zwang zu rekrutieren. Dieses System hatte bereits große Ähnlichkeit mit der allgemeinen Wehrpflicht. Daneben trachtete man, möglichst viele Söldner anzuwerben. Die Soldaten wurden jedoch die meiste Zeit beurlaubt und mussten nur für Paraden und zur Ausbildung verfügbar sein.

Kaum König und damit Oberbefehlshaber, verlangte Friedrich von seinen Generalen statt einer schönen eine „brauchbare“ Armee. So reduzierte er das Leibregiment seines Vaters, in dem die „Langen Kerls“ dienten, auf ein Bataillon mit 870 Mann, da er sie wegen ihrer Körpergröße für Zielscheiben im Gefecht hielt. Für den Preußen geht eben Nützlichkeit und

Zweck­mäßigkeit vor Schönheit, das Sein vor dem Schein. H.M.


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