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11.02.12 / Schwer und trotzdem schön / Ostpreuße erinnert sich an seine Kindheit

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 06-12 vom 11. Februar 2012

Schwer und trotzdem schön
Ostpreuße erinnert sich an seine Kindheit

Hundert Jahre sind zweifelsohne eine lange Zeitspanne. In dem Roman „Heimat deine Sterne“ berichtet der 1939 in Gansen in Ostpreußen geborene Adalbert Bieneck von seiner Familie. Angefangen im Jahr 1903, als seine Großeltern gerade frisch verheiratet waren, bis hin zum Jahr 2003, als er seinem sechsjährigen Enkel von seiner Heimat in Ostpreußen berichtete, erstreckt sich die Erzählung des Autors.

Frei von jeglicher Gefühlsduselei und dennoch sehr gefühlvoll berichtet Adalbert Bieneck von dem schweren, aber zufriedenen, bescheidenen Leben seiner Eltern und Großeltern. Der Zweite Weltkrieg setzte dem friedlichen Familienleben jedoch ein jähes Ende, als der Vater des Autors, Franz Bieneck, seine Familie und sein Zuhause verlassen musste, um in den Krieg zu ziehen.

Als der Vater Franz einige Tage Heimaturlaub erhält, schüttet er seiner Frau Hedi gegenüber sein Herz aus. Üble Befürchtungen über mögliche Schandtaten der deutschen Armee in Russland lasten ihm schwer auf der Seele. Doch allen Befürchtungen zum Trotz musste Franz Bieneck nach nur wenigen Tagen, in denen er seiner Familie bei den nötigsten Arbeiten auf dem heimatlichen Hof unter die Arme greifen konnte, zurück an die Front. Der Abschied fiel schwer. „In der Hoffnung, die vertraute Familie in Gansen bald wieder in die Arme schließen zu können, sitzt Franz ohne Bart und glatt rasiert in dem Zug, der ihn an die Front zurück-bringt. Pflichtgemäß meldet er sich bei seiner Einheit.“ Danach war es Adalbert Bieneck und seiner Familie über lange Jahre nicht vergönnt, den Vater wiederzusehen. Und auch das schöne Zuhause durften sie nicht mehr lange ihre Heimat nennen.

Mit allerlei Fotos und Erinnerungsstücken aus der Vergangenheit seiner Familie hat der Autor das Buch angereichert. Das Foto, auf dem sein Onkel Richard mit seiner Verlobten auf einem Ausflug am Rhein zu sehen ist, stimmt traurig in Anbetracht der Tatsache, dass dieser Onkel im Krieg sterben musste und eine unglückliche schwangere Verlobte zurückließ.

Hinter dem recht schnulzig klingenden Buchtitel „Himmel deine Sterne“ versteckt sich eine recht beeindruckende Familiengeschichte. Diese enthält jedoch keinen mahnenden Zeigefinger, sondern die Botschaft, sich auf das zu besinnen, was man hat und schätzen darf, statt immer nur darüber nachzugrübeln, wann wohl die nächsten Wünsche erfüllbar sein werden. Vanessa Ney

Adalbert Bieneck: „Heimat deine Sterne“, Laumann Druck & Verlag GmbH & Co. KG, Dülmen 2011, gebunden, 454 Seiten, 24,80 Euro


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