25.06.2024

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11.02.12 / Unnötig / Gespräch mit Schwarzenberg

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 06-12 vom 11. Februar 2012

Unnötig
Gespräch mit Schwarzenberg

Eine „Botschaft“ hat das Buch „Unterschätzen Sie nicht meine Boshaftigkeit. Ein Gespräch“ nicht. Aus der medialen Allgegenwart, die Tschechiens Außenminister Fürst Schwarzenberg – Graf, Herzog etcetera, allein seine gewichtigeren Titel beanspruchen drei Zeilen – derzeit genießt, weiß man, dass er klug gefragt werden will, um geistvoll zu antworten. Bei diesem „Gespräch“ ist die Journalistin Barbara Toth Partnerin oder anbetende Stichwortgeberin, die ganz hingerissen ist, wenn Schwarzenberg das Pfauenrad persönlicher Eitelkeit schlägt – und wenig „sagt“.

Das ist über weite Passagen vergnüglich, wenn er meint, Politik sei eine Sucht für eitle Leute mit „gut entwickeltem Hintern“ (für endlose Sitzungen), die gehetzte Routine über solide Sachkenntnis stellen. Deswegen „musste ich mir selbst eine gründen“, die liberal-konservative „TOP 09“, was tschechisch für Tradition, Verantwortung, Prosperität steht. Mit ihr will Schwarzenberg, Jahrgang 1937, 2013 Staatspräsident Tschechiens werden. Chancenlos ist er nicht, obwohl er den Tschechen vieles zumutet, was ihr Deutschlandbild („eingefroren“), die Benesch-Dekrete („für mich kein emotionales Thema“) und anderes betrifft. Sein bester Atout ist sein Riesen-Grundbesitz, den er zwar für überbewertet hält („Besitz von 10000 Hektar bringt weniger ein als eine Volkswagenwerkstatt“), der ihn aber bei Tschechen absichert: „Der ist reich, der wird sich wenigstens nicht bereichern.“

So heiteres Polit-Parlando kippt ab Seite 85 ins Peinliche um. Da will Schwarzenberg vor dem Europaparlament in Straßburg „zwei große Denkmäler für die Väter Europas“ aufstellen: Stalin und Hitler. Politische Statements sind unoriginell („Parteien werden zu inhaltsleeren Wählervereinen“), selten originell aufgehellt („Unterprivilegiert, was ist das für ein blöder Ausdruck); dann erneut Gemeinplätze („Kleine Staaten schätzen es nicht, unter deutsches Kuratel gestellt zu werden“). Unterblieben wären besser familiäre Details. Wen geht das etwas an? W.O.

Karl Schwarzenberg (mit Barbara Tóth): „Unterschätzen Sie nicht meine Boshaftigkeit. Ein Gespräch“, Residenz-Verlag, St. Pölten 2011, 218 Seiten, 21,90 Euro


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