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18.02.12 / Weiter nur ein Debattierklub? / Die Afrikanische Union muss sich neu definieren

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-12 vom 18. Februar 2012

Weiter nur ein Debattierklub?
Die Afrikanische Union muss sich neu definieren

Es war ein glanzvolles Gipfeltreffen der 54 Staaten der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba. Die eigentlichen Probleme des Schwarzen Kontinents, wie die explosive Lage in Nigeria und im Südsudan, blieben bei den Beratungen in dem neuen, für 250 Millionen Euro und mit chinesischem Kredit erbauten Konferenzgebäude in Äthiopiens Hauptstadt allerdings außen vor. Stattdessen beschworen die Staatschefs wieder einmal den uralten Traum einer gemeinsamen Währung, den „Afro“. Er soll dereinst ein Gegengewicht zu Dollar, Euro und Yen darstellen. Der auf Initiative des gestürzten libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi gegründete Staatenbund, der rund 960 Millionen Afrikaner von unterschiedlichstem Entwick-lungsstand repräsentiert, steht seit Anfang des Jahres unter der Präsidentschaft des 60-jährigen Ökonomen Thomas Boni Yayi aus dem westafrikanischen Benin, den Kommissionsvorsitz hat Erastus Mwencha aus Kenia.

Die neue Führung der AU zeigt deutlich, dass die Staatsführer eine dominierende Rolle der Südafrikanischen Union sowie ihrer wirtschaftlichen Stärke und Überlegenheit vermeiden wollen. Südafrika wickelt immerhin rund 85 Prozent seines Handels mit Partnern außerhalb Afrikas ab und hat ökonomisch allein durch diese Tatsache eine Vorreiterrolle. Auch im Bereich Rohstoffe bahnt sich eine atemberaubende Marktstellung der Kaprepublik an: Die Fusion zwischen dem Handelsunternehmen Glencore und dem Bergbautrust XStrata zu Glenstrata lässt im globalen Geschäft einen Riesen entstehen, der mit einer Marktkapitalisierung von 68 Milliarden Euro die vierte Position auf der Weltrangliste der Bergbauunternehmen beansprucht. Dem trug auch die diesjährige Bergbaumesse Indaba in Kapstadt mit über 4000 Teilnehmern Rechnung. Beispielsweise waren allein 230 australische Unternehmen der Branche mit 650 Projekten in 54 afrikanischen Ländern vertreten.

Der bislang wenig bekannte Kenianer Mwencha formulierte ein weiteres ehrgeiziges Ziel: eine bis 2017 zu verwirklichende Freihandelszone zwischen Kairo und Kapstadt. Gelänge dies, so sei eine Verdoppelung des innerafrikanischen Handels zu erwarten. Eine große Aufgabe falle dabei der Mutation von einem nur Rohstoffe liefernden Kontinent zu einem Warenproduzenten mit guten Exportchancen auf dem Weltmarkt zu. Der Ostafrikaner steht mit dieser Hoffnung nicht allein. Zahlreiche Fondsmanager, Investment-Institute und Wirtschaftsberater teilen den optimistischen Ausblick. Zwar liegt Afrika nach einer Einschätzung des Brokerhauses Ernst & Young in der Entwicklung etwa 30 Jahre hinter der neuen Supermacht China und 20 Jahre hinter Indien zurück, doch könne es gerade deswegen damit rechnen, dass diese aufstrebenden Nationen aus Kostengründen Produktionsprozesse auf den afrikanischen Kontinent verlagern. Schwachstelle aller Konzepte ist nach wie vor der unterentwickelte binnenkontinentale Handel, der 2010 bei etwa zwölf Prozent lag (Europa 70, Asien 50 Prozent). J. Feyerabend


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