25.01.2022

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17.03.12 / Kind des Zeitgeists

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 11-12 vom 17. März 2012

Kind des Zeitgeists
von Wilhelm v. Gottberg

Die Akte Bundespräsident Christian Wulff wurde geschlossen. Hoffentlich bleibt sie geschlossen. Es wäre für das Amt und für die politische Kultur in Deutschland fatal, wenn die laufenden Ermittlungen gegen den Ex-Präsidenten strafrechtlich relevantes Fehlverhalten ergeben würden. Möge dieser Kelch an unserem Land vorübergehen.

Es stellt sich die Frage, wie Wulff in das höchste Staatsamt gelangen konnte? Vor seiner Wahl war  erkennbar, dass er moralisch,  intellektuell und auch aufgrund seiner Leistungsbilanz als Ministerpräsident für das Amt des Bundespräsidenten nicht geeignet ist. Die PAZ hat die Nichteignung Wulffs zum Bundespräsidenten vor seiner Wahl begründet. Dubios schon der Beginn seiner Amtszeit. Er ließ sich in einer Zitterpartie mit drei Wahlgängen wählen und trat danach erst als niedersächsischer Ministerpräsident zurück.

Politische Erwägungen in der Koalition öffneten Wulff die Tür in das Schloss Bellevue; nicht – wie man es hätte erwarten können – das gemeinsame Bemühen zur Gewinnung einer geeigneten Persönlichkeit. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass in der deutschen Parteiendemokratie der personelle Ausleseprozess für die politischen Spitzenämter nicht optimal funktioniert. Wer gut aussieht, elegant formulieren kann, die Plattitüden des Zeitgeistes gut herüberbringt und sich schon als Jugendlicher parteipolitisch engagiert, bringt es weit. Wer dagegen authentisch ist, eine eigenständige Meinung vertritt, kommt häufig über den Vorstand eines Kreisverbandes nicht hinaus. Lebenserfahrung und Lebensleistung werden wenig berücksichtigt. Ein Manko!


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