28.01.2022

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31.03.12 / Gaucks Freiheit

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-12 vom 31. März 2012

Gaucks Freiheit
von Christian Rudolf

Die Reise nach Polen war mir eine Herzensangelegenheit“, und man mag es dem Bundespräsidenten der Herzen, Joachim Gauck, wohl glauben. Wie sein Vor-Vorgänger im höchsten Staatsamt eröffnete der frisch Gewählte den Reigen seiner Antrittsbesuche mit einer Fahrt nach Warschau. In der Tat steht ihm das Land im Osten nahe – beziehungsweise dessen Selbstverständnis: Der überzeugte Antikommunist und „Liebhaber der Freiheit“ Gauck begrüßt ein Volk, dem die Knechtschaft immer verhasst war und das in zahllosen Aufständen seinen Freiheitswillen unter Beweis gestellt hat – oft auch da, wo die Grenze zu Unvernunft und Übermut überschritten war.

Der Besuch eines Bundespräsidenten beim Nachbarn, mit dem wir in EU und Nato zusammenarbeiten, ist Normalität, und die polnische Presse hat von der Visite völlig routiniert Bericht erstattet, nicht groß, nicht herausgehoben.

Umso mehr muss Gaucks Aussage erstaunen, an der Weichsel eine „Offenheit und Herzlichkeit“ vorgefunden zu haben, die er „nicht für selbstverständlich“ hielt. Ja, mehr noch, es befremdet, wenn der Besucher von sich aus und ohne aufgefordert zu sein an die „deutsche Schuld“ und die „große Brutalität“ erinnert, mit der Deutsche gegen Polen vorgegangen seien. Die brutale Vertreibung? Der Verlust allen Eigentums? Die rigorose Unterdrückung der deutschen Muttersprache in Volkspolen?

Die knechtische Selbstunterwerfung aus Gefallsucht und das schiefe Geschichtsbild, die hier deutlich werden, wollen so gar nicht zu dem Freiheitspathos passen, das Gauck sonst pflegt.


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