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31.03.12 / Die Einnahmequellen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-12 vom 31. März 2012

Die Einnahmequellen

Den Ausgaben des Staates standen im Wesentlichen vier Einnahmequellen gegenüber: erstens direkte Steuern, zweitens indirekte Steuern, drittens Darlehen und viertens der Verkauf öffentlicher Ämter. Jeder Bereich brachte dabei eigene Probleme mit sich und zeigte, dass die absolutistische Monarchie zumindest in finanzieller Hinsicht nicht unabhängig war.

Die Steuerverwaltung in Frankreich war im Laufe der Jahre quasi privatisiert und dezentral organisiert, höchst ineffizient und zudem korrupt geworden. Die Haupteinnahmequelle bildeten direkte Steuern aus einer 1429 eingeführten Abgabe, „taille“ genannt, die wichtigste Einnahmequelle des Staates. Hauptsächlich Bauern mussten diese Abgabe tragen, während für den Klerus und den Adel zahlreiche Ausnahmen galten. Seit 1699 wurde zusätzlich eine Kopfsteuer (capitation) erhoben. Hinzu kam eine prozentuale Einkommenssteuer. Dieser Zehnte (dixième) oder Zwanzigste (vingtième) wurde meist anlässlich außergewöhnlicher Ereignisse wie Kriegen oder Notlagen erhoben.

Diese direkten Steuern wurden von einer Gruppe von Privatiers kassiert, die sich in das lukrative Amt des Hauptsteuereinnehmers eingekauft hatten. Sie durften zwischen 1,7 und 2,5 Prozent der eingetriebenen Steuermenge für sich behalten. Da den Gemeinden Zahlungsfristen von bis zu zwei Jahren eingeräumt wurden und sich damit die Steuereintreibung stets verzögerte, bestand die Aufgabe der Hauptsteuereinnehmer auch darin, den Zahlungsstrom an den Staat konstant zu halten und entsprechend die finanziellen Lücken mit Krediten zu überbrücken.

Indirekte Steuern wurden als Zölle, Umsatzsteuern und Salzsteuern erhoben. Diese Steuern wurden von der Gesellschaft der Hauptfinanzpächter eingetrieben, einem Kartell, das sich ebenfalls aus Privatiers zusammensetzte. Die Finanzpächter zahlten feste Pachtzinsen an den Staat. Überschüsse, die über das geschätzte Jahressteueraufkommen hinausgingen, durften sie behalten, für Fehlbeträge mussten sie aus eigener Tasche aufkommen. Auch diese Finanzpächter gewährten dem Staat bei Bedarf Darlehen, wobei sie zukünftige Einnahmen als Sicherheit erhielten. 

Um dem Staat Geld leihen und/oder Verluste ausgleichen zu können, gaben die Finanzpächter wiederum sogenannte billets de ferme aus. Hierbei handelte es sich um ein festverzinsliches Kreditinstrument, das durch die Pachtgewinne gut gedeckt und entsprechend beliebt bei der Bevölkerung war.

Die Finanzpächter und Hauptsteuereinnehmer nahmen in der geschilderten Weise eine Mittlerrolle zwischen Staat und Bevölkerung ein. Je prekärer die finanzielle Lage des Staates war, desto bedeutender wurde die Aufgabe der Kreditbeschaffung durch die Hauptsteuereinnehmer und Gesellschaft der Hauptfinanzpächter. Diese Darlehen bildeten die dritte Einnahmequelle des Staates. In schöner Regelmäßigkeit bedurfte es ihrer – ganz wie in heutigen Zeiten –, weil der Staat über seine Verhältnisse lebte.

Einen vierten Einnahmeposten generierte der absolutistische Staat durch den Verkauf der Ämter in der Finanzverwaltung, womit sich der Staat selbst der Korruption auslieferte. Für die Privatiers, die sich diese Ämter kauften, bedeuteten sie hohe Gewinne. Die faktische Privatisierung der Steuereintreibung bedeutete auch, dass sich das Aufkommen des Staates um den Anteil der Hauptsteuereintreiber und Finanzpächter verminderte. Zudem war das System nicht besonders effizient. Regelmäßig kam es zu erheblichen Verzögerungen. Im Extremfall wurden die Steuerforderungen erst mit sechsjähriger Verspätung gezahlt. Getragen wurde dieses kranke System von den Gruppen der Minister, der Aristokratie und der Finanziers, die miteinander durch ein Netz der Korruption verbunden waren.            H.E.B./M.C.B.


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