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31.03.12 / Kampf für ein Stück altes Königsberg / Mit dem Oberrollberg 2/4 ist eines der letzten älteren Häuser aus der Vorkriegszeit vom Abriss bedroht

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-12 vom 31. März 2012

Kampf für ein Stück altes Königsberg
Mit dem Oberrollberg 2/4 ist eines der letzten älteren Häuser aus der Vorkriegszeit vom Abriss bedroht

Die offizielle Internetseite der Königsberger Stadtverwaltung lässt einen Abriss des in der Altstadt stehenden Gebäudes befürchten. Doch es regt sich Widerstand unter den Bewohnern.

Das Gebäude ist Ende des 18. Jahrhunderts erbaut worden und liegt in einer Ecke Königsbergs, in der sich die Atmosphäre und das Kolorit des alten Königsbergs erhalten haben. Heute sind in dem Gebäude, an dem seit Jahrzehnten keine Reparaturen mehr durchgeführt wurden, die Büros einiger Firmen, aber auch von Nichtregierungsorganisationen (NGO) untergebracht. Als der Leiter einer dieser Organisationen über die offizielle Internetseite der Stadtverwaltung davon erfuhr, dass das Gebäude zum Verkauf an möglichst einen Investor angeboten wird, hat ihn dieses zutiefst beunruhigt. Wenn ein einzelner Käufer das Haus erwerben würde, wäre nämlich damit zu rechnen, dass dieser es nicht restaurieren, sondern eher abreißen lässt, um ein Grundstück in bester Lage im Stadtzentrum für eigene Zwecke nutzen zu können.

Die Vertreter aller im Oberrollberg [Copernicusstraße] 2/4 untergebrachten NGOs beschlossen deshalb, sich für den Erhalt des Gebäudes einzusetzen, indem sie beantragten, es in die Liste der zu erhaltenden Architekturdenkmäler aufzunehmen. Ein neuer Eigentümer müsste dann die Richtlinien des Denkmalschutzes einhalten und sich zum Erhalt des Gebäudes in seiner ursprünglichen Form verpflichten. Ein Abriss wäre damit nicht mehr möglich.

Daraufhin dementierten die Abgeordneten des Kreisrates der Stadt Königsberg das Gerücht, dass das alte Königsberger Gebäude abgerissen werden solle. Die Abteilung der staatlichen Denkmalschutzbehörde bei der Regionalregierung beteuerte, es sei schon seit langem vorgesehen, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen, und deshalb auch eine Akte mit den notwendigen Dokumenten erstellt worden. Nun ist geplant, das Haus von Spezialisten aus Moskau oder St. Petersburg begutachten zu lassen. Wenn sie ihre staatliche kulturhistorische Expertise erstellt haben, soll die endgültige Entscheidung über den Zustand und den Wert des Hauses fallen.

Der Kulturbeauftragte des Gouverneurs ging noch einen Schritt weiter. Er regte an, nicht nur das eine Gebäude, sondern auch die angrenzenden Nachbarhäuser aus der Vorkriegszeit unter Denkmalschutz zu stellen.

Der Oberrollberg, in dem das Haus steht, liegt in einem der ältesten Stadtteile der Altstadt, deren Besiedlung bereits im 14. Jahrhundert begann. Auf der Anhöhe in der Nähe des Pregels entstanden Häuser und später auch die Straße Oberrollberg. Der Stadtteil wuchs schnell und war im 19. Jahrhundert fast vollständig mit kleinen Häusern bebaut, die von Zeit zu Zeit umgebaut wurden.

Einige Historiker glauben, dass sich unter dem Gebäudefundament noch Kellerräume oder Reste noch älterer Häuser befinden, die von kulturhistorischem und stadtgeschichtlichem Interesse sein könnten.  Jurij Tschernyschew


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