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31.03.12 / Dimension des Ewigen / Was ist Konservatismus?

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-12 vom 31. März 2012

Dimension des Ewigen
Was ist Konservatismus?

Jahrzehnte ist es her, dass Franz Joseph Strauß selbstbewusst erklärt hat: „Die Konservativen marschieren an der Spitze des Fortschrittes!“ Heute wird trefflich darüber gestritten, ob das Charakteristikum „konservativ“ ein Schimpfwort sei. Zu unscharf sind die Konturen. Dies ist mit ein Grund dafür, dass der Konservatismus im politikwissenschaftlichen Diskurs wie auch in der politischen Praxis an Bedeutung verliert. Die jüngsten Diskussionen um den „Berliner Kreis“, um die CDU-Abgeordneten Saskia Ludwig, Erika Steinbach und Wolfgang Bosbach sprechen – wieder einmal – eine deutliche Sprache. Ein großes Manko des Konservatismus besteht darin, dass die Definition seiner Inhalte schwierig ist und noch umstrittener als die der Konkurrenz, als da sind insbesondere der Liberalismus und der Sozialismus. Felix Dirsch legt in seiner anspruchsvol len wie lesenswerten Sammlung „Authentischer Konservatismus“ durch teilweise schon an anderer Stelle erschienene Beiträge neue Zugänge zum Phänomen Konservatismus frei. Im ersten Teil skizziert er den ewigen Konservatismus, der von Platon bis zu den Neoplatonikern Leo Strauss und Erik Voegelin reicht. Selbst Vertreter der Verhaltensforschung werden in die Erörterungen einbezogen.

Der Verfasser zeigt, was diese Traditionslinie auszeichnet: ein transzendentes Fundament – Gott, Familie, Vaterland –, ein realistisches Menschenbild, ein feines Sensorium für katastrophale Entwicklungen sowie Präferenz für Ungleichheit als Gerechtigkeitskriterium. Die Untersuchung unterstreicht die Vorteile des Konservatismus gegenüber anderen politischen Richtungen. Er kann – so die Argumentation – die verschiedenen Bereiche erfassen, in denen sich der Mensch bewegt. Maßgeblich ist für Dirsch ein Grundsatz, den der 2011 verstorbene österreichische Schriftsteller Gerd-Klaus Kaltenbrunner bereits vor knapp vier Jahrzehnten formuliert hat: „Konservative Theorie nimmt ihren Ausgang vom Menschen und versteht sich als ein Beitrag zur Kunst, ein Mensch zu sein.“ Die Betrachtung der „ewigen“ Dimension des Konservatismus belegt auch anschaulich seine Aktualität, etwa in der Ökologie- Debatte, die vor den „Grünen“ von konservativen Vertretern gestaltet wurde.

Der zweite Teil der Darstellung erörtert die Anschlussfähigkeit des traditionellen Katholizismus – also vor der Zeit der großen Reformen in den 1960er Jahren – an zentrale Lehrsätze des ewigen Konservatismus. Besonders zu nennen ist der Überbau der Philosophie des Zeitlosen, der den einst wirkmächtigen sozialen und politischen Katholizismus überwölbte. Eind r u c k s v o l l erneuerten die abendländischen Diskurszirkel der 50er Jahre nochmals diese Tradition. Im letzten Teil werden unterschiedliche Aufsätze zum authentischen Konservatismus in der Bundesrepublik präsentiert. Dazu zählen auch Formationen der sogenannten Neuen Rechten, die als in toto verfassungskonform herausgearbeitet wird. Erwähnenswert ist auch die Auseinandersetzung des Verfassers mit der Kulturrevolution von 1968ff. Eine Kritik der realen EU, die die primär wirtschaftliche (statt religiös-kulturelle) Orientierung des Brüsseler Gebildes ablehnt, rundet den Band ab. Zu beklagen ist an der tiefschürfenden Publikation der hohe Preis. Ein Personenregister hätte den Band aufgewertet.

Konrad Löw Felix Dirsch: „Authentischer Konservatismus. Studien zu einer klassischen Strömung des politischen Denkens“, Lit,Münster 2012, brosch., 392 Seiten, 59,90 Euro.


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