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21.04.12 / Über die Uni in den Ruin / Immer mehr Bildungskredite in den USA werden nicht mehr bedient

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 16-12 vom 21. April 2012

Über die Uni in den Ruin
Immer mehr Bildungskredite in den USA werden nicht mehr bedient

Aktuell von der Federal Reserve Bank (Fed) herausgegebene Daten zu den sogenannten Bildungskrediten lenken den Blick auf ein Problem, das lange im Schatten der Subprime-Kredite im Immobilienbereich und der Kreditkartenschulden vieler US-Amerikaner gestanden hat und deshalb wenig beachtet wurde. So spricht vieles dafür, dass die Studentenkredite langfristig zum sozialen Sprengstoff für die US-Gesellschaft werden, indem eine überschuldete Generation heranwächst. Nach den vorgelegten Daten waren zum Ende des vergangenen Jahres 867 Milliarden Dollar an Studentenkrediten vergeben. Das waren mehr Schulden als auf Kreditkarten (693 Milliarden Dollar) oder Autokredite (730 Milliarden Dollar) bestehen.

Nach Angaben des US-Kreditregisters Equifax haben zwar nur 15,4 Prozent der Amerikaner Schulden durch die Bildungskredite, in der Altersgruppe unter 30 Jahren sind aber 40,1 Prozent mit derartigen Krediten belastet. Erstaunlich hoch ist auch die Rate der Bildungskredite, die im Rück-stand sind oder gar als Ausfall gelten. Legt man die gleichen Maßstäbe wie bei den Konsumentenkrediten an, dann gibt es bei 27 Prozent der Schuldner von Studentenkrediten Probleme durch ausbleibende Raten.

Anders als bei Konsumentenkrediten ist ein Insolvenzverfahren bei den Bildungskrediten nur in absoluten Ausnahmefällen möglich. Bei Problemen wachsen in relativ kurzer Zeit enorme Schuldenberge an, die kaum noch zu tilgen sind und gleichzeitig die gesamte Kreditwürdigkeit der Betroffenen nachhaltig zerstören. Wie schnell so etwas gehen kann, wurde an einem Beispiel deutlich, das bereits 2010 durch die Presse ging. Eine Studentin in Ohio hatte für ihr Medizinstudium einen Bildungskredit über 250000 US-Dollar aufgenommen. Nachdem sie mit der Rückzahlung in Verzug geraten war, erhöhte sich der Zinssatz des Kredits. Zusätzlich wurden Mahngebühren erhoben und ein Inkassobüro eingeschaltet. Nach sieben Jahren hatte sich die ausstehende Summe mehr als verdoppelt, sie betrug nun 555000 Dollar – allein 53870 Dollar für das Inkasso.

US-Colleges machen inzwischen immer öfter von einer anderen Möglichkeit Gebrauch, um auf Schuldner Druck auszuüben. Sie verweigern die Herausgabe von Ausbildungsnachweisen, wenn Kreditnehmer im Rückstand sind. Ohne entsprechende Nachweise ist wiederum die Suche nach einem gutbezahlten Arbeitsplatz fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Auch ohne solche Handicaps wird es immer schwieriger, die ausstehenden Kredite wie vereinbart zu tilgen. Selbst nach der offiziellen US-Statistik ist die Beschäftigungsquote in der Altersgruppe 18 bis 24 Jahre inzwischen auf 54 Prozent abgesunken. Den niedrigsten Wert seit 64 Jahren. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass die US-Jugendarbeitslosigkeit mit 46 Prozent inzwischen fast auf dem Niveau von Spanien und Griechenland angelangt ist.

Die Ratingagentur Fitch hält die ausstehenden Studentenkredite für kein Problem für den Finanzsektor, da ein Großteil der Kredite mit staatlichen Garantien vergeben wurden. Das Risiko trägt demzufolge der US-Steuerzahler.             N.H.


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