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21.04.12 / Kosten als ungerecht empfunden / Königsberg: Sorgen wegen steigender Ausgaben für Nebenkosten

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 16-12 vom 21. April 2012

Kosten als ungerecht empfunden
Königsberg: Sorgen wegen steigender Ausgaben für Nebenkosten

In den ersten Monaten dieses Jahres sind die offenen Forderungen Königsbergs für erbrachte Dienstleistungen rapide gestiegen. Allein die nicht bezahlter Wasserrechnungen belaufen sich auf 1,5 Milliarden Rubel (38,5 Millionen Euro). Die städtische Firma „Wasserkanal“ hat sich vor diesem Hintergrund eine perfide Methode der Schuldeneintreibung einfallen lassen: Sie trennte die säumigen Nutzer von der Abwasserleitung. Jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Das Kappen der Leitung war nur dort möglich, wo etwa eine für ein ganzes Gebäude gebührenpflichtige Firma Schuldner ist, bei in Wohnungen lebenden Einzelpersonen war die Methode unwirksam. Widerspruch gegen dieses Vorgehen erhob die neue Königsberger Verwaltungschefin Swetlana Muchomor, weil sie die Gesundheit der Bürger in Gefahr sieht, wenn Fäkalien nicht dort entsorgt würden, wo sie hingehören. Grund für die zunehmenden Zahlungsausfälle sind neben wachsender Inflation der Mehrverbrauch in den Wintermonaten. Vielen Menschen fehlt schlichtweg das Geld, um die ständig steigenden Ausgaben für Wasser, Heizung und Strom aufbringen zu können. Im Durchschnitt kostet eine Drei-Zimmer-Wohnung um die 129 Euro im Monat bei einem Durchschnittseinkommen von 463 Euro. Doch gibt es gerade im Königsberger Gebiet viele Menschen, deren Einkommen bei 167 Euro und darunter liegt.

Zwar gibt es die Möglichkeit, Sozialhilfe zu beantragen, wenn die Miete 22 Prozent des Monatseinkommens übersteigt, doch wurden hier die Hürden hochgesetzt. Bei der Sozialhilfe wird auch das Einkommen nicht im Haushalt lebender Angehöriger mit angerechnet.

Als himmelschreiende Ungerechtigkeit wird empfunden, dass korrupte Beamte der Stadtbetriebe in den vergangenen Jahren rund 650000 Euro Schwarzgeld ins Ausland geschafft haben, während die Betriebe anstreben, dass in Russland für Gas, Wasser und Strom die gleichen Preise gezahlt werden wie im Westen. Während Preiserhöhungen normalerweise zum 1. Januar erfolgen, werden sie in diesem Jahr erst am 1. Juli erhoben. Alle Parteien hatten sich das soziale Brennpunktthema zum Wahlkampf auf ihre Fahnen geschrieben. Teurer wird es trotzdem.    J.T.


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