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23.06.12 / Kirche wird Moschee / Alt-Eigentümer betont, alevitische Gemeinde stünde Christen nahe

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 25-12 vom 23. Juni 2012

Kirche wird Moschee
Alt-Eigentümer betont, alevitische Gemeinde stünde Christen nahe

In Mönchengladbach-Rheydt ist die ehemalige Kreuzkirche der Evangelisch-methodistischen Kirche in eine „Cemavi“ (Versammlungshaus) einer muslimisch-alevitischen Gemeinde umgewandelt worden. Damit zerfällt der jahrzehntelang geübte überkonfessionelle Konsens, aufgegebene Kirchen nicht in islamische Gotteshäuser umzuwandeln.

Vor drei Jahren haben die Methodisten in Mönchengladbach ihren letzten Gottesdienst in der Kreuzkirche gefeiert, die wegen Mitgliederrückgangs geschlossen wurde. 2010 wurde die Kirche an die türkisch-alevitische Gemeinde verkauft, die ihr neues Gotteshaus jetzt nach einem Umbau eröffnet. Viele werfen der methodistischen Kirche jetzt den Bruch des überkonfessionellen Konsenses vor, nach dem keine christlichen Gotteshäuser aus symbolischen Gründen Muslimen überlassen werden sollen.

Der zuständige Superintendent der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), Rainer Bath, sagte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur „idea“, der Verkauf der Kirche an die Aleviten sei „kein Tabubruch“. Er verwies auf die seit Jahren bestehenden intensiven Kontakte zu den Aleviten. Bath sprach von einer „Einzelfall-Regelung“. Die EmK hat in Deutschland 55500 Mitglieder.

Die Aleviten gehören zu einer etwa 20 Prozent umfassenden Minderheit innerhalb des Islam. Ihre Zahl wird in Deutschland auf rund 600000 geschätzt. Die Aleviten erkennen wie die Sunniten zwar den Koran als Grundlage ihres Glaubens an, die islamische Gesetzgebung, die Scharia, lehnen sie ab.

Bislang waren sich die deutschen Kirchen, anders als in Großbritannien, einig, aufgegebene Gotteshäuser dürften zwar in Museen oder Synagogen, nicht aber in islamische Gotteshäuser umgewandelt werden. An diese Linie hielten sich in Deutschland die evangelische und die katholische Großkirche ebenso wie kleine Freikirchen. Man wollte die inhaltlichen Unterschiede zum Islam deutlich machen und angesichts verbreiteter Islamisierungsängste eine heikle Symbolik vermeiden. Die evangelisch-methodistische Freikirche hat als erste Kirche diesen Konsens aufgekündigt. Bischof Walter Klaiber von der methodistischen Kirche sieht das in einem Gespräch mit „idea“ anders: Für ihn bräuchten sich Christen auch angesichts der demografischen Entwicklung nicht ängstlich in ein Bollwerk zurück-ziehen. Vielmehr gäbe es auch unter den neuen „wachsenden Gemeinschaften von Andersgläubigen Gleichgesinnte“, zu denen er die türkischen Aleviten wegen ihrer Nähe zur Mystik und zum Christentum zählt.

Anders war die Reaktion auf katholischer Seite. „Das ist schon eine harte Zumutung“, sagte der für den interreligiösen Dialog zuständige Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke dem Kölner „domradio“. Zwar pflegten Christen ein freundschaftliches Verhältnis zu anderen Religionen, „aber dennoch dürfen wir grundsätzliche Verschiedenheiten nicht aus den Augen verlieren“, so Jaschke. Christen verträten den Anspruch, dass Jesus „der Herr und der Einzige ist“ und für alle Menschen der Mittler zu Gott sei. „Von daher können wir Christus nicht einfach einreihen in die Reihe religiöser Führer, ob das Buddha oder Mohammed ist“, betonte Jaschke. Bodo Bost


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