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23.06.12 / Des Königs treue Freundinnen / Sie schliefen in seinem Bett und waren im Felde mit dabei – Friedrich der Große liebte Hunde über alles

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 25-12 vom 23. Juni 2012

Des Königs treue Freundinnen
Sie schliefen in seinem Bett und waren im Felde mit dabei – Friedrich der Große liebte Hunde über alles

In keiner Friedrich-Biografie fehlt ein ausführliches Kapitel über dessen Zuneigung zu Hunden. Er besaß zwischen 20 und 80, wobei seine Lieblings-Windspiele immer um ihn herum waren. Von den Menschen enttäuscht, wandte er sich im Alter immer mehr seinen Hunden zu. Sie durften sich alles herausnehmen und trugen wesentlich zur oft beschriebenen Verwahrlosung des königlichen Hausstands bei.

„Liebste Schwester! (…) Ich habe einen häuslichen Kummer, der meine Philosophie ganz über den Haufen geworfen hat. Ich gestehe Dir meine ganze Schwäche. Ich habe Biche verloren … Ich war beschämt, dass der Tod eines Hundes mir so nahe geht, aber das häusliche Leben, das ich führe, und die Treue des armen Tieres hatten es mir so ans Herz wachsen lassen. Sein Leiden hat mich so erregt, dass ich offen gestanden, niedergeschlagen und traurig bin.“

So beklagt Friedrich der Große in einem Brief an seine Schwester Wilhelmine den Tod seiner Lieblingshündin Biche. Seine ungewöhnliche „Affinité“ zu Windspielen verwunderte und amüsierte seine Zeitgenossen. Die Favoriten des Königs, Biche, Alcmene, Diane und Superbe, saßen auf einem Stuhl in seinem Arbeitszimmer. Zu ihrer Bequemlichkeit war er mit dicken Kissen aufgepolstert. Besonders um die Hündin Biche ranken sich Anekdoten. Biche, ein Geschenk seines Freundes Graf von Rothenburg, begleitete ihren Herrn auch auf Feldzügen. Im Oktober 1745, während des Zweiten Schlesischen Krieges, gerieten die beiden in eine gefährliche Situation, als sie unvermittelt einem Trupp Panduren, gefürchtete Söldner der feindlichen österreichischen Armee, begegneten. Friedrich und sein Hund sprangen in einen Graben und duckten sich unter eine Brücke. Der König hatte Angst, Biche könne ihn durch ein Knurren oder Bellen verraten, aber das kluge Tier drückte sich an ihn und gab keinen Laut von sich.

Wenig später geriet Biche in der Schlacht bei Soor in die Hände der Österreicher. Die Soldaten brachten ihre Gefangene voller Stolz dem General Nadasny, dessen Gemahlin nicht geneigt war, die prominente Hündin an seinen Besitzer zurückzugeben. Nach zähen diplomatischen Verhandlungen traf Biche wieder in Berlin ein. Der König saß an seinem Schreibtisch, über ein Dokument geneigt, als sie hereingelaufen kam. Sie sprang auf den Tisch und legte Friedrich die Vorderpfoten um den Hals. Ihm schossen vor Rührung die Tränen in die Augen. Besuchern pflegte er Biche als seine „treuste Freundin“ vorzustellen.

Die Bediensteten hatte ihre liebe Not mit der Hundeschar. Die Windspiele zerkratzten und beschmutzten Fauteuils, rissen Portieren herab und verrichteten in den Gängen von Sanssouci ganz sorglos ihr Geschäft. Einmal sprang Diane mit einem Stück gebratenem Huhn auf seinen Schreibtisch und legte ihre fettige Mahlzeit auf einen Brief, den der König gerade an seinen Stettiner Landrat schrieb. Fried­rich ergänzte das Schreiben mit dem Satz: „Mein lieber Landrat Hübner, der Brief soll und muss fett sein, wie Sie sehen werden. Meine Diane hat mich daran erinnert. Also nehme er die beigefügten 100 Friedrichsdor an von seinem wohlaffectionierten König F.“ Ein anderes Mal schob Diane einem Besucher dessen Perücke erst zu der einen, dann zu der anderen Seite. Der Mann geriet ins Stottern, und der König lachte herzhaft.

Die Hunde hatten ihre persönlichen Bediensteten, die sie mit „Sie“ und nur auf Französisch ansprechen durften. Der König kontrollierte den Menüplan seiner Lieblinge und fütterte sie bei Tisch mit Kalbsbraten. Hochrangige Gäste sahen mit Erstaunen, wie er die saftigsten Stücke absäbelte, sie zum Auskühlen mit den Fingern auf das Tischtuch legte und sie dann seinen Hunden reichte.

Der Theologe und Geograf Anton Friedrich Büsching schrieb zwei Jahre nach Friedrichs Tod: „Aus Hunden machte Er sich unsäglich viel, und hatte beständig drey oder vier Stück um sich, von denen einer Sein Favorit, und die anderen desselben Gesellschafter waren … und schlief des Nachts bey Ihm im Bette. Die anderen wurden des Abends weg, und am folgenden Morgen, wenn man Ihn weckte, wieder gebracht, da denn die kleine Gesellschaft durch ihre große Munterkeit und Zärtlichkeit dem Könige Vergnügen machte …“

Wen die Hunde mochten, der stand auch hoch in der Gunst ihres Herrn. Girolamo Marchese Lucchesini (1751–1825) hatte seine Stellung als Kammerherr des Königs der Hündin Alcmene zu verdanken. Als der 29-jährige Italiener Friedrich zum ersten Mal begegnete, sprang das sonst sehr zurückhaltende Tier an ihm hoch und wedelte mit dem Schwanz. Der König sagte: „Eh bien, Marquis! Wenn Alcmene ja sagt, kann ich schlecht widersprechen.“

Wenn einer seiner vierbeinigen Favoriten starb, ließ Friedrich einen Sarg für ihn anfertigen und ihn in seiner Bibliothek aufbahren. Die Hunde wurden in der Gruft auf der Terrasse beerdigt, in der auch der König einmal ruhen wollte. Alcmene, Arsinoe, Thysbe, Philis, Diane, Thysbe II., Diane II., Pax, Superbe und Amourette liegen unter schlichten Steinplatten mit ihrem Namen darauf. Für den Stein auf dem Grab von Alcmene bezahlte der König elf Taler und zwölf Groschen aus seiner Privatschatulle, berichten Sibylle Prinzessin von Preußen und ihr Mann Fried­rich Wilhelm Prinz von Preußen in ihrem Buch „Die Liebe des Königs“.

Noch in seiner Sterbestunde sorgte sich Friedrich um das Wohlergehen der Hunde. In der Nacht zum 17. August 1786 saß er schon vom Tode gezeichnet in seinem Sessel. Liegen konnte er vor Schmerzen nicht mehr. Der König und sein Windspiel Superbe zitterten beide vor Kälte. Mit schwacher Stimme befahl der Alte Fritz seinem Kammerherrn, das Windspiel mit Kissen zuzu­decken. Wenig später verlor er das Bewusstsein.

Es mag bezeichnend sein, dass der König nur weibliche Hunde zu seinen Favoriten wählte. Seine „treusten Freundinnen“ mögen ihm die Wärme und Zuneigung geschenkt haben, die er bei Frauen nicht fand oder nicht finden wollte. Gisela Groth


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