21.01.2022

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23.06.12 / Der gerettete Abendmahlskelch / Stammt er aus Ostpreußen?

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 25-12 vom 23. Juni 2012

Der gerettete Abendmahlskelch
Stammt er aus Ostpreußen?

In der letzten Folge haben wir von dem Kreuz im Gemüseacker von Petrikatschen berichtet – heute steht eine wohl noch größere Kostbarkeit für die Veröffentlichung auf unserer Familienseite bereit. Wobei es sich eher um eine Entdeckung handelt, denn der Abendmahlskelch, um den es geht, wurde nicht ausgegraben oder in einer Ruine gefunden, sondern bereichert heute den Kirchenschatz eines Gotteshauses in Brandenburg. Nicht nur als streng gehütete Kostbarkeit hinter Glas oder in einem Safe verwahrt: Das sakrale Gefäß erfüllt auch jetzt noch seine Aufgabe als Abendmahlskelch. Aber es war nicht immer im Besitz dieser Kirche, denn seine Spur endet schon nach wenigen Jahrzehnten, sie verliert sich in den Kriegswirren. Da vermutet wird, dass das sakrale Gefäß aus Ost- oder Westpreußen stammt, fühlte sich Angelika Pasenau aus Gransee veranlasst, an uns zu schreiben, denn sie meint, unsere Leserinnen und Leser könnten vielleicht etwas Wichtiges und Interessantes über diesen Kelch wissen. Da müsste allerdings schon wirklich ein Wunder geschehen, aber in diesem Fall wollen wir gerne daran glauben. Und besonders Frau Pasenau, denn sie sieht in dem Kelch ein symbolisches Zeichen für ihre Heimat Ostpreußen und die Vertreibung.

Und damit kommen wir auch zum Ausgangspunkt dieser Suchfrage, denn das Ehepaar Pasenau hatte im Heimatmuseum von Gransee eine Ausstellung über Flucht und Vertreibung aus Ostpreußen gestaltet. Einer der Besucher erzählte von einem Kelch, der in einer Nachbarpfarrei von Gransee als Abendmahlskelch diene, und dessen Herkunft man in Ostpreußen vermute. Die Spuren verlieren sich im Dunkel der Ereignisse des Jahres 1945. Der Pfarrer der katholischen Gemeinde von Gransee, Klaus Weyer, hat sie bis dahin verfolgt und sie für uns dokumentiert. Seine Ausführungen beruhen auf einem Bericht, der allerdings nur mündlich weitergegeben wurde. Der Kelch soll beim Vormarsch der Roten Armee von einem Gutsarbeiter aus einem brennenden Gebäude gerettet worden sein. Leider war trotz aller Bemühungen bisher nicht zu erfahren, ob es sich um eine Kirche oder um ein Gutshaus handelt. Diesem Mann gelang es, den Kelch auf der Flucht durch alle Gefahren sicher nach Pommern zu bringen, wo er ihn einem Pfarrer übergab. Leider war bisher nicht zu erfahren, wo das war, weder der Ort noch der Name des Geistlichen sind Pfarrer Weyer bekannt. Nur, dass dieser evangelische Geistliche den Kelch irgendwann an einen Amtskollegen in Mecklenburg-Vorpommern weitergab. Von nun an ist die Spur nachvollziehbar. Der Kelch ging an den Berliner Pfarrer Gerhard Bauer über. Als dieser im Jahr 1984 verstarb, gab seine Witwe ihn an einen anderen evangelischen Pfarrer weiter mit der Auflage, der Kelch dürfe nicht in einer Vitrine oder einem Tresor stehen, sondern müsse seiner Bestimmung nach als Abendmahlskelch dienen und entsprechend weitergegeben werden. So kam er also in diese Kirche an der Oberhavel, in der er heute noch dem Vermächtnis der Pfarrerswitwe nach als Abendmahlskelch dient.

Soweit also das jüngste Kapitel der Chronik dieses sorgsam gehüteten und gepflegten Gefäßes, dessen Ursprung sich im Dunkel der Zeit verliert, an dem aber doch einige wichtige Hinweise zu entdecken sind, die Pfarrer Weyer auflistet. Der Kelch dürfte wahrscheinlich aus der Zeit vor der Reformation stammen. Ein Goldschmiede-Schlagstempel für die Werkstatt, aus der der Kelch stammt, ist nirgends zu finden. Der Becher wie auch der Kelchfuß sind aus vergoldetem Silberblech. Der Kelchfuß hat nach gotischer Art eine fein ziselierte Sechspassform. Der Knauf ist aus sechs Ansätzen gebildet, die Rotuli genannt werden. Auf den Stirnflächen der Rotuli steht in griechischen Buchstaben der Name Jesus. Am oberen Rand des Kelchbechers entdeckt man als Schlagzeichen einen preußischen Adler. Dieser Preußenadler ist als Kriegsstempel etwa von 1809, also aus der Zeit der napoleonischen Kriege, zu verstehen. In der damaligen schweren Zeit belegte Preußen alle Wertgegenstände mit einer Sondersteuer. Der Schlagstempel war das Zeichen. Das sind also markante Merkmale, die helfen könnten, das Dunkel der Herkunft aufzuhellen. Es ist durchaus anzunehmen, dass sich der Kelch in Ostpreußen befunden hat. In einer Kirche, einem Schloss, einer Guts­kapelle? Eine zentrale Figur nimmt der Gutsarbeiter ein, der den Kelch nach Pommern brachte, wahrscheinlich wusste er von der Kostbarkeit des Gefäßes, oder er war ein sehr gläubiger Mann, der den Abendmahlskelch retten wollte. „Die Geschichte des Kelches erzählt, was Menschen in den Zeiten des schlimmsten Chaos und im Feuer des Untergangs zu tun wagten“, sagt Pfarrer Klaus Weyers. Wir können ihm nur beipflichten. R.G.


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